14.04.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

CSU-Bezirksräte und Landrat weiter uneins über Klinik-Konzept - Stahl widerspricht Spreitzer Akutpsychiatrie zerrt an Nerven

Die Zukunft der psychiatrischen Klinik Wöllershof beschert der CSU im Kreis und im Bezirk nach wie vor ein hochinfiziöses Klima. Die Bezirksrätinnen Petra Dettenhöfer und Marianne Rauh verteidigen den Beschluss ihrer Fraktion in Regensburg, die Einrichtung nur am bisherigen Standort realisieren zu wollen. Bei Landrat Simon Wittmann ernten sie dafür Kopfschütteln.

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Nur mit einer Angliederung der geplanten Akutpsychiatrie wäre der Krankenhaus-Standort Neustadt/WN noch zu retten. Das im Gutachten über die künftige Krankenhaus-Struktur in der Region dazu vorgeschlagene Modell ist aber nach Ansicht Dettenhöfers nur eine Verschiebung von Arbeitsplätzen.

"Der Großteil des Neustädter Personals müsste das Haus unter anderem in Richtung Weidener Klinikum verlassen, um dem Wöllershofer Personal Platz zu machen." Denn laut Gutachten sei die Vorhaltung der jetzigen Struktur am Neustädter Krankenhaus, das in Konkurrenz zu Weiden steht, nicht notwendig für die wohnortnahe Versorgung der Landkreis-Bürger.

Da man die geplanten 140 akutpsychiatrischen Betten und die 20 Plätze für eine Tagesklinik in dem vorhandenen Gebäude mit zurzeit 180 Betten unterbringen kann, ist laut Gutachten in Neustadt kein Neubau notwendig, räumt die Thurndorferin ein. Doch selbst für den nötigen Umbau und die Sanierung des jetzigen Gebäudes sehen sie, mit Blick auf die aktuellen Planungen der Förderbehörden, Schwierigkeiten in der Umsetzung.

"Fehler der Gutachter"

Es müssten gegebenenfalls alternative Finanzierungen gesucht werden. "Was hier vorgeschlagen wird, kann meiner Meinung nach in Wöllershof leichter realisiert werden", sagt Dettenhöfer. "Dass die Gutachter die dritte Alternative, Beibehaltung des Standorts Wöllershof, nicht geprüft haben, halte ich für einen groben Fehler." Alles in allem bedeute dies, dass im Kreiskrankenhaus Neustadt keine Arbeitsplätze gerettet würden, sondern lediglich eine sanierungsbedürftige Immobilie, meint die CSU-Fraktionschefin.

Solche Aussagen lassen bei Simon Wittmann die Temperatur steigen: "Das ist eine noch nie da gewesene Entsoldidarisierung auf kommunaler Ebene", grollt der Landkreischef über die Kreisrätinnen. "Man kann nicht ein Gutachten in Auftrag geben und dann sagen, ,ich mache nur mit, wenn meine Wünsche berücksichtigt werden'", sagt er in Richtung des Bezirks.

"Ich habe das Gefühl, einige haben das Gutachten nicht richtig verstanden." Das sehe im Sommer die Gründung einer "Gesundheitsholding" vor, in die die Landkreise Tirschenreuth und Neustadt sowie die Stadt Weiden und der Bezirk ihre Immobilien einbringen. Nur diese neue Firma könne dann entscheiden.

Bezirkstagsvizepräsident Ludwig Spreitzer hält wenig von dieser Vorgehensweise: "Wir wollen erst über Inhalte sprechen und dann über die Holding entscheiden." Teil dieser Inhalte ist wohl die Akutpsychiatrie in Wöllershof. Der Anschluss an eine somatische Klinik in Weiden oder Neustadt sei nicht zwingend notwendig. Spreitzer: "Im Zeitalter der Telemedizin kann das nicht der Punkt sein."

Zugleich beharrt der Waldsassener darauf, dass er "aus zuverlässiger Quelle" wisse, dass eine Angliederung in Neustadt vom Sozialministerium in München nicht gefördert werde. Wenn Wittmann und MdL Georg Stahl andere Informationen hätten, seien die wahrscheinlich älter.

"Ross und Reiter nennen"

"Dann soll er Ross und Reiter nennen und sagen, woher er das weiß", kontert Stahl, der Wöllershof weiterhin für einen guten Standort hält. Er habe jedenfalls erst in der Karwoche mit dem zuständigen Ministerialdirigenten Dr. Gerhard Knorr in München gesprochen. "Es gibt kein Protokoll, dass Neustadt oder Weiden nicht gefördert werden", habe ihm Knorr bestätigt. Es sei nur nicht klar, wann der Landtag in Zeiten knapper Kassen Mittel frei gebe. Auch Wittmann habe erst kurz vor Ostern Gespräche geführt.

Überdies hätte Ministerin Christa Stewens vor eineinhalb Jahren im Gespräch mit OB Hans Schröpf, Landrat Simon Wittmann und Bezirkstagspräsident Rupert Schmid gesagt, dass eine neue Akutpsychiatrie in Wöllershof keine Chance auf Fördermöglichkeiten habe, sondern nur der Anschluss an eine somatische Klinik.

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