11.11.2013 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Daniela Plößner überzeugt bei ihrer ersten Lesung Poetry ohne Slam

Streckenweise nahm Daniele Plößner (rechts) ihre Zuhörer mit Worten unter Dauerfeuer. Bild: ly
von Autor LYProfil

Ohne das komödiantische Talent von Daniela Plößner wäre die Lesung am Freitagabend im Malzhaus zu einem seelischen Striptease geworden. Die 20-Jährige hat bei ihrer Welturaufführung gut 40 Besucher begeistert, was die Slam-Oberpfalz-Vizemeisterin üblicherweise bei einem Poetry Slam tut. Um den Eschenbachern einen Eindruck eines modernen Dichterwettstreits zu geben, hatte die Volkshochschule die Lesung organisiert. "Einmal Prosa zum Mitnehmen, bitte" war ein Mix aus Texten, mit denen sie schon erfolgreich beim Poetry Slam angetreten war, und Prosa-Stücken, die zum Teil extra für die Lesung entstanden sind.

Für die Stücke, die auch unter "Slammt um euer Leben Vol.1" in der Soundcloud veröffentlicht sind, braucht Plößner eine ganze Batterie an Worten, die sie teilweise gnadenlos auf die Zuhörer in sich fast überschlagender Art niederprasseln lässt. Beinahe kann ihre Stimme der Geschwindigkeit der Worte nicht folgen, doch dann sind immer wieder abrupte Pausen, die die Pointe treffsicher vorbereiten und dem Publikum Zeit zum Verarbeiten lassen. Dabei hält sie ein Zwiegespräch mit Gott und dem danebengegangenen Weltuntergang im vergangenen Jahr oder versucht nach einer Schoko-Diät, die Kalorien in einem Marmeladenglas einzufangen. Zu einem Thriller gerät bei ihr die Liebe im Brotkorb mit einer schmachtenden Kaisersemmel und einer sich dem Buttermesser erwehrenden Vollkornsemmel. Dabei schneidet sie Grimassen, wedelt mit den Armen und wirkt eruptiv wie ein Vulkan.

Über das eigene Leben

Eine ganz andere Seite schlägt sie an, als sie in einem Prosa-Stück die Geschichte zweier Schwestern in Pompeji beim Vesuv-Ausbruch erzählt. Mit der Liebe zu den Geschwistern ist die Älteste von drei Kindern auch wieder bei ihrer eigenen Geschichte, die immer wieder in ihre Texte einfließt. So sind der Übergang vom Schulleben, über Berufswahl, die Trennung von ihrem geliebten Elternhaus und die Ausbildung in Regensburg immer wieder Thema. Besonders das Sich-selbst-lieben und der Drang nach Geliebtwerden in der Pubertät kann sie gut beschreiben und wahrt mit der komischen Seite die Distanz, wie in "Call Me Maybe", wo sie das schwierige Kennenlernen in der Disco mit "Ozeanen in den Handflächen" und "Erdbeben in den Knie" beschreibt.

Auch Gesellschaftskritik hat die Wahl-Regensburgerin in ihrem Repertoire. Sie analysiert das Großstadtleben, das größtenteils nebeneinander in Einsamkeit stattfindet und sich die einzelnen Farben nicht in einem alles versöhnenden und vereinenden "Regenbogenkuchen" aus ihrer Kindheit finden. "Ich disney dich" ist für sie eine Liebeserklärung aus der Zeit, in der dank Bambi und Co. alles leicht war, ohne Traumprinzen, die vielmehr Frösche sind.

Dabei hat sie auch - wie Plößner in ihrer Zugabe zeigte - Verständnis für die Männer, die es gar nicht leicht haben, Komplimente zu machen, die bei Frauen richtig ankommen. Plößner hingegen nahm das Kompliment des großen Applauses dankbar an.

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