Das Bürgerhaus beherbergt viele historische Schätze und ist selber Teil der Geschichte
Ein Museum im Museum

Martin Nägele zeigt Bergarbeiterschuhe aus den 1920er Jahren, die in der Grube Leonie I. getragen wurden. (Bild: swt)
 
Der "Daniel", das Klo der Bergleute unter Tage: Woher der Name kam, ist nicht überliefert. Tatsache aber ist, dass die Bergleute mit neuen Kollegen allerlei Schabernack trieben, wenn sie den Neuling zum "Daniel" schickten! (Bild: swt)

Mitten im Zentrum der Stadt sticht es bereits durch seine Optik hervor. Das Bürgerhaus in Auerbach - markant durch seine in rot aufgemalten Ziegelstrukturen - ist selbst für sich ein Museum.

Der Hauch der Geschichte weht durch das mehr als 500 Jahre alte Gebäude. Es beherbergt nicht nur das Museum34, in dem sich Auerbacher Geschichte widerspiegelt, sondern besticht durch seine historische Bausubstanz.

Betritt der Besucher den Sandsteinboden durch den neu verglasten Rundbogeneingang, kommt er in eine weitläufige, helle Halle - mit drei Säulen verbunden zum künftigen Versammlungsraum.

Fast kann man die Wagenräder hören, die hier früher die Karren in den Innenhof zogen, der ebenso historische Augenblicke vor dem inneren Auge weckt. 2012 wurde das ehemalige Patrizierhaus nach knapp dreijähriger Sanierung wieder eröffnet.

Fernab vom Lärm

Brauner Farbputz dominiert im Innenhof, die hellbraunen Holzsprossenfenster sind mit weißen Rahmen ummalt. Hier, fernab vom Straßenlärm, warten die altehrwürdigen Mauern regelrecht auf die Lesungen oder Kammerkonzerte in einer lauen Sommernacht. Solche Veranstaltungen haben bereits mehrfach viele Besucher in das alte Gemäuer gelockt.

Längst ist das Bürgerhaus nicht mehr nur Herberge für Museum oder Bücherei, hier trifft man sich zu kulturellen Ereignissen, zum Verweilen vor den großformatigen Fotos, die an die Stadtjubiläen früherer Jahre erinnern. Die Aufnahmen beherrschen derzeit die dritte Sonderausstellung im Museum34, das im zweiten Stock seine Dauerobjekte präsentiert. Besonderes Kleinod allerdings ist der Museumskeller. Dort unter prächtigen Gewölben hat Martin Nägele die Ausstellung rund um das Thema konzipiert, das Auerbach auch heute noch prägt: den Bergbau.

Wer über die grob behauenen Stufen in die Tiefen des Kellers schreitet, riecht schon den typischen feuchten Duft der steinernen Zeitzeugen. Der niedrige Abgang öffnet sich zu einer weitläufigen steinernen Kuppel, an deren Ende eine großformatige Fotografie den Betrachter in die Tiefen der Bergstollen entführt. Fast meint man den Schlag der Hämmer zu hören, den Staub der Erze zu riechen.

Die liegen in großen Brocken in der hölzernen Erzbank und erzählen die Geschichte von über 100 Jahren Bergbau. Reich bebildert hat Martin Nägele dort unten dokumentiert, was Ende des 19. Jahrhunderts in der Grube Leonie I begann und schließlich mit der Schließung von Leonie V endete. "Wir haben bewusst das Hauptaugenmerk auf die Bergtechnik gelegt", erzählt der 81-jährige ehemalige Bergingenieur.

Bilder zusammengetragen

Nägele hat in vielen Jahren Dokumente, Bilder und Exponate zusammengetragen. Einige davon sind im Museumskeller zu bewundern. Die älteste Stücke dürften wohl die genagelten Schuhe mit Holzsohle sein, die die Bergarbeiter bis 1920 in Leonie I trugen. Aber auch die modernen Kopflampen oder Bohrgestänge, wie auf Maffei oder Leonie IV verwendet, sind in der "Gezähekiste" zu sehen.

Elektrische Bohrer

Interessant sind auch die Daten zu jeder Etappe des Bergbaus, sozusagen eine Nacherzählung der industriellen Entwicklung im Bergbau. Zuerst mit Hammer und Meißel per Hand aus dem Berg gehauen, wurden später elektrische Bohrer eingesetzt. Elektrische Kopflampen lösten die Karbidlampen ab. Nägele hat jeden Arbeitsschritt genau beschrieben und für die Besucher aufbereitet. Ergänzt wird die Ausstellung im Keller durch die umfangreichen Mineralien, die im Auerbacher Berg zu finden waren. Aber auch die Feste und Feiern der Bergleute, wie der prächtige Fackelzug am Vorabend des Barbarafestes, werden beschrieben.

Wer das Bürgerhaus besucht, der sollte unbedingt in den Keller schauen, um die Geschichte des Bergbaus zu entdecken. Wieder aus den Tiefen aufgetaucht, blickt der Besucher auf weitere historische Feinheiten. Besonders sehenswert sind die geschnitzten Decken im Erdgeschoss und im ersten Stock. Aus dem 16. Jahrhundert stammend, ist das ein Schatz, der erst bei der Sanierung zum Vorschein kam. Weitere Entdeckungen birgt der Geschichtsschrank im Museum34 im zweiten Stock. Dort verbergen sich über 1000 Jahre Leben und Arbeiten in kleinen Abteilungen und erzählen den Weg von der kleinen Siedlung zur 700 Jahre alten Stadt.
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