02.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Der Familienbetrieb der Zukunft: Wie fünf Landwirte die WK-Energie gründeten, um selbst eine ... "Als Gesellschafter muss man anders denken"

Den Vorwurf, dass Biogasanlagen die Pachtpreise für die Landwirte in die Höhe treiben, weil sie so viel Mais brauchen, kennt Werner Wendl zur Genüge. Er lächelt, als er ihn noch zuspitzt: "Ja, die Biogaserer sind an allem schuld." Aber Wendl ist daran gelegen, dass die Leute verstehen, wie diese Form der erneuerbaren Energie das Überleben von Bauernhöfen sichert. Deshalb erzählt er gerne, warum er die WK-Energie GmbH & Co KG mit gründete.

Das Herzstück der Biogasanlage: In den blauen Beschicker (links) kommt das Substrat, das automatisch für den sechs Meter tiefen Fermenter darunter dosiert wird. Bei einer Temperatur von 42 Grad vergären dort Bakterien das Material und scheiden das Biogas Methan aus. Bilder: gf (3)
von Markus Müller Kontakt Profil

"WK" steht für Weiher und Kricklhof, die Heimatorte der beteiligten Landwirte. Neben Wendl noch Laurenz Beck, Karl Hanauer, Hermann Ott und Norbert Stangl. Sie alle betreiben ihre Höfe, zwischen 45 und 68 Hektar groß, im Nebenerwerb.

Ihr gemeinsames Projekt entstand vor gut fünf Jahren als Reaktion auf die Nachricht, dass ein Fremder bei Weiher eine Biogasanlage bauen wollte. "Das können wir nicht zulassen", sagten sich die fünf, die auch der damals niedrige Getreidepreis wagemutig machte.

"Bevor wir es wegschenken, bauen wir die Biogasanlage lieber selber", lautete ihr Ausweg. Da waren zwar 1,5 Millionen Euro Baukosten (netto) zu schultern, doch die fünf Neu-Unternehmer hatten alles genau durchgerechnet und neben der Stromgewinnung auch ein Konzept für die Abwärmenutzung entwickelt. Erst die machte das Biogasprojekt gewinnträchtig und somit umsetzbar, sagt Wendl, weil man so den KWK-Bonus (Kraft-Wärme-Kopplung) bekam. Der beträgt 3 Cent pro Kilowattstunde Strom, bei der die Wärme genutzt wird. Und auch den Gülle-Bonus gibt es für die Anlage der WK-Energie in voller Höhe, da sie zu 30 Prozent Gülle mit verwertet. Sie kommt aus der Tierhaltung der fünf Gesellschafter.
Die Voraussetzungen stimmten also, aber man brauchte auch Abnehmer für die Wärme und eine Möglichkeit, die warme Luft zu ihnen zu bringen. Hier half die Zusammenarbeit mit der AOVE, in deren Fernwärmenetz die WK-Energie einspeisen kann. "Wir liefern kostenlos", sagt Wendl. Man bekomme aber einen Anteil, wenn dort ein Überschuss erwirtschaftet werde - und eben nur so den KWK-Bonus. Die größten Wärmekunden sind derzeit der Freizeitpark Monte Kaolino, der Sportpark Hirschau und einige Firmen im Hirschauer Gewerbegebiet Dienhof, alles so ein bis zwei Kilometer von der Biogasanlage entfernt. Die kann zehn Kubikmeter Fernwärme in der Stunde liefern, wobei die Luft mit 82 Grad rausgeht und mit 63 zurückkommt.

Das Substrat, also die Stoffe, aus denen Bakterien durch Vergärung das Biogas Methan erzeugen, liefern die fünf beteiligten Landwirte selbst. Etwa drei Viertel der Menge sind Mais, sagt Wendl, der Rest vor allem Gras, Ganzpflanzensilage oder Zwischenfrüchte. 20 Tonnen davon braucht man jeden Tag, im Jahr also den Ertrag von rund 150 Hektar Fläche. "80 Prozent davon liegen in zwei Kilometer Umkreis um die Anlage", hebt Wendl den Vorteil von deren Lage hervor. So müsse man bei der Ernte meist nicht durch Ortschaften fahren, wenn man die Pflanzen in die Fahrsilos an der Anlage bringe.

Der eigene Lieferant

In Sachen Pachtpreise legt Wendl Wert darauf, dass jeder der fünf WK-Landwirte schon vor seiner Zeit als Biogas-Gesellschafter etwa die Hälfte seiner Flächen zugepachtet hatte. Deshalb musste man für die Anlage dann flächenmäßig gar nicht mehr groß zulegen.

Das Amberger Landwirtschaftsamt hatte die WK-Energie für die Pressefahrt anlässlich des internationalen Jahres der bäuerlichen Familienbetriebe als Beispiel ausgesucht, um eine relativ neue Form der Zukunftssicherung für Landwirte zu demonstrieren: Sie treten als Unternehmer im Bereich der erneuerbaren Energien auf. "Als Gesellschafter muss man dann natürlich anders denken, denn die Interessen eines jeden Einzelnen sind vielleicht nicht so wie die des gesamten Unternehmens", erläutert Wendl den Wandel, den das mit sich bringt.

Die WK-Energie-Leute haben dieses Spannungsverhältnis für sich so gelöst, dass jeder Gesellschafter die Stunden vergütet bekommt, die er für das Unternehmen leistet. Jede Woche übernimmt ein anderer das regelmäßige Füllen des Beschickers, die Kontrollen und das Störungstelefon, das vielleicht einmal in zwei Monaten bimmelt. Auch die Stunde, in der er den Pressefahrt-Teilnehmern die Anlage erklärt hat, kann Werner Wendl in Rechnung stellen. Oder den Kuchen, den seine Frau für die Gäste gebacken hat.

Flexibel sein kostet Geld

Das unternehmerische Denken bezieht sich aber genauso auf das Produkt, das die WK-Energie liefert. Wenn der Energieversorger, der den Biogas-Strom abnimmt, wünscht, dass je nach Bedarf mal mehr, mal weniger eingespeist wird, kann er das in einem bestimmten Rahmen haben, sagt Wendl - wenn er bereit ist, für die gleiche Strommenge dann mehr Geld zu zahlen. Denn die WK-Gesellschaft muss ja wieder auf ihre Kosten kommen. Wendl: "Flexibel zu sein, ist eben eine Dienstleistung, die bezahlt werden muss."

Rentabel ist die 2010 gebaute Anlage nach wie vor, verrät Wendl, auch wenn die Substratkosten in den vergangenen Jahren gestiegen seien. "Aber es kommt das rein, was wir uns ausgerechnet haben." Leichtsinnig sind die Gesellschafter durch ihren wirtschaftlichen Erfolg nicht geworden. Immer noch wägen sie jede Entscheidung gewissenhaft ab. Und sie beherzigen das Motto, sich nicht von großen Zahlen blenden zu lassen, denn, so Wendl: "Es kommt zwar jeden Monat viel Geld rein, aber es geht auch viel raus."

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