19.07.2013 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Dr. Hans Losert stellt die Mockersdorfer Funde in einen größeren Zusammenhang Viele slawische Gräberfelder

von Autor LYProfil

Über das Gräberfeld sagte Privatdozent Dr. Hans Losert nichts. Schließlich stehe alles Wissenswerte dazu in Nina Brundkes Buch nachzulesen (siehe Artikel oben). Er sprach bei der Buchvorstellung dafür über andere slawische Gräberfelder in der Oberpfalz.

Eine ungewöhnliche Nekropole findet sich nahe Regensburg: In Großprüfening bei der Naabmündung hatten Slawen im 6. Jahrhundert ein Brandgräberfeld angelegt. "Es ist sehr unscheinbar und das einzige, das bisher gefunden wurde", so Losert. Die Toten wurden dort auf Bärenfellen aufgebahrt und verbrannt. Dies zeigt, dass die Toten keine Christen waren, weil Christen an "leibhaftige Auferstehung" glaubten.

Um 700 nach Christus gehen die Slawen zur Körperbestattung über. Außerdem begraben sie die Toten nicht mehr außerhalb der Orte, sondern an Kirchen in Ost-West-Ausrichtung. Beigaben waren bei Frauen Schmuck, bei Männern Waffen.

Seit 2011 gräbt Losert in Iffelsdorf bei Pfreimd. Pfostenlöcher und slawische Tongefäße nur 20 Zentimeter unter der Erde gaben ihm Rätsel auf. "Wenn der Archäologe nicht mehr durchblickt, dann gräbt er einfach tiefer", verriet er sein Rezept. Seine Funde verrieten ihm, dass dort auch Kinder bestattet wurden. Ebenso eine Bratpfanne fand er dort. "Dies dokumentiert das Brauchtum an den Gräbern", führte er aus. Die Hinterbliebenen hätten an den Gräbern gegessen. Dies verglich er mit dem Brauchtum der Opfermahlzeiten, das in Osteuropa noch präsent ist. Das vor 800 entstandene "Slawensendrecht" beschreibt, wie christliche Beerdigungen zu gestalten sind.
Der Vollständigkeit halber erwähnte Losert Gräberfelder in Luhe, Wirbenz und Eichelberg. Zwischen Pressath und Parkstein fand man wie in Mockersdorf abgetrennte Schädel. Die Nekropole auf dem Barbaraberg gibt ein Verständnis der slawischen Geisteshaltung. Die Toten lagen dort nahe einer Kirche.

Zum Schluss wies Losert auf eine Ausstellung im tschechischen Kourim hin, die auch einen repräsentativen Teil slawischer Grabfunde der Oberpfalz zeige. Ein weiterer Teil der Mockersdorfer Funde sind im Ausstellungsraum im rückwärtigen Teil des Rathauses in Neustadt am Kulm ausgestellt. Beim Bürgerfest am Wochenende sind diese zu sehen.

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