30.09.2009 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Durch eine typisch oberpfälzische Lautverschiebung kam auch Garsdorf zu seinem Namen: Von jäh zu gaach, von Jahr zu Goua

(schß) Ganz tief in die Geschichte ihrer Heimat tauchten die 25 Teilnehmer an der landeskundlichen Wanderung am Rande des Hirschwalds ein. Der Ursensollener Heimatpfleger Josef Schmaußer startete die Aktion "Wandern unter weiß-blauem Himmel" in Garsdorf.

von Redaktion OnetzProfil

Schon im Jahre 1310 wird Garsdorf im "Amberger Waldbahn" erwähnt, den Herzog Ludwig IV. zur Sicherung des großen Holzbedarfs im Bergbau gewährte. Die Lage an der uralten "Hohen Straße" könnte die Gründung des "Dorfes eines Gozi" veranlasst haben. Die Schreibweise des Ortsnamens wechselt sehr oft: 1310 Gosdorf, 1548 Jarsdorf und 1578 Garstorff. Der Wechsel von g und j findet sich im Oberpfälzer Dialekt recht oft: Zum Joch sagt der Oberpfälzer "Gooch", für jäh "gaach" und für Jahr wurde früher "Goua" gesagt.

Ab 1710 waren die Amberger Jesuiten Besitzer der Hofmark Garsdorf. Sie ließen die heutige Filialkirche St. Franz Xaver errichten. Ein besonderes Schmuckstück der von den Garsdorfern 1990/91 in Eigenregie renovierten Filialkirche ist ein doppelseitiges Votivbild, das an eine 1796 grassierende Rinderseuche erinnert.

Wasserleitung von 1902

Schon 1902 erhielten die Bittenbrunner, Garsdorfer und Köferinger eine Wasserleitung, die von der Quelle in Bittenbrunn gespeist wurde - für die wasserarme Juragegend ein Segen. Das Brunnenrecht der ehemaligen Gemeinde Köfering wurde erst bei der Ursensollener Gemeinderatssitzung am 1. September von der Nachfolgegemeinde Kümmersbruck an die Gemeinde Ursensollen, die Nachfolgegemeinde der Gemeinde Garsdorf, zurückgegeben. Die Wasserleitung funktioniert übrigens noch, und das Wasser wird zum Gartengießen verwendet.
Anschließend machte sich die Gruppe auf den Weg zur "Öde Burgersdorf". Zwei Höfe und eine "Waldhube", ein Zeidlergut zur Honig- und Wachsgewinnung, sind ab 1308 urkundlich nachweisbar. 1546 war das Kloster Ensdorf Grundherr eines der Höfe. Damals dürfte auch im Tal der "Sallerach" ("Salweiden am Wasser") der "Purgersdorfer Weiher" angelegt worden sein, dessen Spuren noch heute am Damm der AS 2 nach Mendorferbuch sichtbar sind.

Gräber aus der Hallstattzeit

Ein Höhepunkt der Wanderung war die Besichtigung des Grabhügelfeldes im Salleröder Tal. Der Heimatforscher Anton Dollacker zählte zu Beginn des 20. Jahrhunderts 32 Hügel, von denen leider einige schon vor Jahren durch Raubgräber beschädigt wurden. Die Gräber dürften aus der Hallstattzeit (etwa 750 Jahre v. Chr.) stammen und sind heute noch ein beeindruckendes Beispiel für den Bestattungsritus der Kelten.

Das "Hoanzn-Marterl" südlich von Sauheim erinnert an den tragischen Unfalltod eines 28-jährigen Bauernsohnes aus dem Ort. Am 18. November 1935 war der junge Mann von einem Leiterwagen mit einer Rechenstreuladung erdrückt worden. Das von Nachbarn errichtete Marterl hat als Ausdruck persönlicher Religiosität ein menschliches Schicksal über Jahrzehnte in Erinnerung gehalten und Vorübergehende zum Gebet für den Verunglückten aufgefordert.
Den Abschluss der Herbstwanderung bildeten in Sichtweite der ehemaligen Forstdienststelle Salleröd (bis 1800) Jagdgeschichten aus dem Hirschwald. Die Bauern am Rande des kurfürstlichen Jagdschlosses Hirschwald hatten "unter der hohen Blüte der Jagd im Hirschwald, aber auch unter den Quälereien durch das Übermaß an Wildbestand" zu leiden. Den Bauern wurden Jagdfrohnen, Treiberdienste, Wildbretfuhren und die Verpflichtung, die vielen Jagdhunde zu füttern, auferlegt.

"Der Jäger aus Kurpfalz", Pfalzgraf Johann Casimir (gestorben 1590) ließ über seine Jagden und Jagderfolge genau Buch führen.

Doch nicht nur das künstlich hoch gehaltene Wildaufkommen, sondern auch immer wieder auftretende Wolfsplagen (etwa 1720 und 1721) und wildernde Soldaten (1745 während des Österreichischen Erbfolgekrieges) veranlassten die Bauern der umliegenden Ortschaften zu zahlreichen Bittgesuchen nach Amberg oder gar nach München, auch auf ihre Belange mehr Rücksicht zu nehmen "und vor allen der Wildplage Herr zu werden".

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