26.01.2013 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Ehemaliger Luher Pfarrer und späterer Kanonikus Wolfgang Ebnet sorgt für Bedürftige Geldschatulle für Arme geöffnet

Lange nachdem er Luhe in Richtung Regensburg verlassen hatte, wirkte Wolfgang Ebnet noch segensreich für die Pfarrei. Nach 18 Jahren ging der Pfarrer 1862 als Kanonikus nach Regensburg. Aus seinem Privatvermögen initiierte er eine Armenstiftung. Sein Todestag jährt sich heuer zum 120. Mal.

von Autor SEFProfil

1844 wechselte Ebnets Vorgänger nach Pressath. Das Ordinariat bescheinigte dem Geistlichen vortreffliche wissenschaftliche Bildung, unermüdlichen Amtseifer und lobenswürdiges sittliches Betragen. Daraufhin wurde die Pfarrei Luhe im "Intelligenzblatt für die Oberpfalz und von Regensburg" vom 11. September 1844 ausgeschrieben:

"Dieselbe liegt in der Diözese Regensburg und im Dekanat Leuchtenberg, zählt 1879 Seelen, hat 2 Filialen (Neudorf und Enzenrieth) und 3 Schulen (Luhe, Neudorf, Enzenrieth-Hochdorf) und wird vom jeweiligen Pfarrer und einem Hilfspriester betreut. Abzüglich der Lasten beträgt das reine Einkommen 639 Gulden. Zum Betrieb der Pfarrökonomie müssen 2 Zugpferde und 4 Zugochsen gehalten werden. Die Pfarrgebäude sind in einem guten Zustand. Bewerber um diese Pfarrei haben ihre Gesuche mit den vorschriftsmäßigen Zeugnissen binnen 4 Wochen bei der K. Regierung einzureichen."

In Tännesberg geboren

Fristgemäß gingen fünf Bewerbungen ein. Darunter war auch die von Ebnet, der am 16. August 1805 in Tännesberg geboren wurde. Nach der Priesterweihe 1830 durch Bischof Johann Michael Sailer trat er Kooperatorenstellen in Eschenbach und Regensburg St. Rupert an.
Am 30. November 1844 verlieh ihm König Ludwig I., der das Präsentationsrecht besaß, die Pfarrei St. Martin Luhe. Sie umfasste damals den Markt Luhe, Au, Diensthütte, Enzenrieth, Forsthof, Forstmühle, Gelpertsricht, Glaubenwies, Grünau, Hochdorf, Koppelberg, Meisthof, Naabmühle, Neudorf, Neumaierhof, Oberwildenau, Ödhof, Schwanhof, Seibertshof, Unterwildenau und Zeissau.

Der neue Pfarrer bekam es gleich mit zwei Problemen zu tun: In der Ausschreibung war vom guten Zustand der kirchlichen Gebäude die Rede. Doch nach Dienstantritt stellte er erhebliche Mängel fest. Besonders der Pfarrhof war ziemlich heruntergekommen. Sämtliche Räume und die Ökonomieeinrichtungen (Stadel, Ställe, Wasch- und Backhaus) mussten dringend saniert werden. Auch Nikolauskirche, Klause, Frühmessgebäude und Benefiziatenhaus galt es instand zu setzen.

Zum anderen wurde 1848 im Zuge der Bauernbefreiung die Grundherrschaft beseitigt und die Zehentpflichtigkeit abgelöst. Das bedeute finanzielle Einbußen. Abgabepflichtig an die Pfarrei waren in Luhe zuvor fast alle Bürger. Dazu kamen noch Zehentpflichtige aus den umliegenden Orten. Unterschieden wurde dabei der Großzehent (Getreide) und Kleinzehent (Obst, Kraut, Gemüse, Flachs).
Nach 18 Jahren verließ der Pfarrer seine Wirkungsstätte. Aus Regensburg hatte er die ehrenvolle Berufung zum Kanonikus des Kollegiatstiftes St. Johann neben dem Dom angenommen.

In Erinnerung blieben ihm vor allem viele Bedürftige, die dringend seines weiteren Beistandes bedurften. Noch zu Lebzeiten stellte er aus seinem Privatvermögen das für die damalige Zeit erkleckliche Kapital von 2000 Gulden (das entsprach dem dreifachen Jahresnettoeinkommen des Luher Pfarrers) bereit.Er legte es bei der Bayerischen Staats-Schuldentilgungs-Haupt-Kassa und der Hypotheken- und Wechselbank festverzinslich zu vier Prozent an. Aus diesen Erträgnissen sollten "würdige Hausarme und sonst gut beleumundete mittellose und erwerbsunfähige Personen" des Pfarrsprengels Luhe unterstützt werden.

Entwertungen überlebt

Am 26. April 1880 bestätigte König Ludwig II. die Kanonikus Ebnetsche Armenstiftung. "Erstaunlicherweise überdauerte sie die Geldentwertungen von 1923 und 1948", sagte Ebnets derzeitiger Nachfolger Arnold Pirner. Allerdings schrumpfte das Guthaben auf einen niedrigen dreistelligen Betrag zusammen und wirft deshalb kaum mehr Zinsen ab.

Ebnet starb am 18. Februar 1892. 1955 ein weiterer Luher Pfarrer an das Kollegiatstift St. Johann Regensburg berufen. Es war Johann Baptist Stadler (1893 bis 1982), dem Bischof Michael Buchberger 1940 die Pfarrei St. Martin übertragen hatte.

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