"Ein Stern geht auf"
Aljechin

Wohl viele Spitzensportler haben ihre Karriere schicksalhafte Ereignisse zu verdanken. Das Schicksalsjahr von Alexander Alexandrowitsch Aljechin, der vierter Schachweltmeister der Schachgeschichte werden sollte, war das Jahr 1914. Der im Jahr 1892 in Moskau Geborene besaß schon mit 16 Jahren Meisterstärke. 1912 zog er für ein Studium der Rechtswissenschaften nach St. Petersburg, wo er Mitglied der St. Petersburger Schachgesellschaft wurde.

Als Sohn eines russischen Adeligen, Großgrundbesitzers und Offiziers war er finanziell unabhängig und konnte sich voll dem Studium (Schach und Rechte) widmen. Doch kommen wir zu seinem Schicksalsjahr 1914. Um die Jahreswende wurde er zusammen mit Aaron Nimzowitsch Co-Sieger beim All-Russischen Meisterturnier - auch der Stichkampf gegen Nimzowitsch endete unentschieden - und erwarb zusammen mit diesem das Recht zur Teilnahme am bedeutendsten bislang in Russland veranstalteten Meisterturnier. Am Turnier St. Petersburg 1914 nahmen neben Weltmeister Emanuel Lasker und dem künftigen Weltmeister José Raúl Capablanca nur herausragende Schachgrößen teil. In diesem Turnier wurde Aljechin sensationell Dritter.

Das internationale Schachleben wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs jäh unterbrochen und lag einige Jahre still. Das tat dem Schachkönnen Aljechins, der sich während des Krieges als Rotkreuz-Helfer engagierte, keinen Abbruch. 1920 gewann er die erste Landesmeisterschaft des neuen Sowjetstaates. Materielle Entbehrungen nach dem Zusammenbruch des Zarenreiches veranlassten Aljechin, 1921 zu emigrieren. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Berlin ließ er sich schließlich in Paris nieder. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit Simultan- und Blindpartien, in denen er Herausragendes leistete. Von nun an bereitete er sich intensiv auf einen WM-Kampf gegen Capablanca vor. Krönung seiner Laufbahn war das Jahr 1927 mit dem Gewinn des Weltmeistertitels, den er, mit zweijähriger Unterbrechung, bis zu seinem Tod 1946 innehatte.

Sehen Sie eine Gewinnpartie vom Meisterturnier Mannheim 1914, welches wegen des Ausbruchs des 1. Weltkries am 1. August 1914 nicht zu Ende gespielt wurde. Als bis dahin mit Abstand Führender erhielt Aljechin den Turniersieg zugesprochen.

Weiß: Alexander Aljechin

Schwarz: Efim Bogoljubow

1.e4 e5 2.Sc3 Sf6 3.Lc4 Lc5 4.d3 d6 5.Le3 Lb6 6.Lxb6 axb6 7.Sge2 Le6 8.0-0 Lxc4 9.dxc4 Sc6 10.Sg3 0-0 11.f4 exf4 12.Txf4 Se5 13.De2 Sg6 14.Tf2 Ta5 15.Taf1 Sd7 16.b3 Te5 17.Sd5 Sc5 18.Tf5 Se6 19.Dg4 h6 20.c3 Sg5 21.h4 Se6 22.h5 Se7 23.Txe5 dxe5 24.Sf6+ Kh8 25.Td1 Dc8 26.Sd7 Sc5 27.Sf5 Sxf5 28.Sxf8 Dxf8 29.Dxf5 De8 30.b4 Se6 31.Dxe5 Da4 32.Tf1 Sg5 33.Dxc7 Dc2 34.Dxb7 Dxc3 35.Dc8+ Kh7 36.Df5+ Kg8 37.c5 Dxb4 38.c6 Dd4+ 39.Kh1 Dc4 40.Td1 Se6 41.Td7 Sf8 42.Dxf7+ 1-0

Tagesnotizen: Die Partie zu Taktikaufgabe Nr. 79a wurde 2014 beim Asien-Cup im Mannschaftskampf zwischen den Großmeistern Krishnan Sasikiran (Indien) und Yangyi Yu (China) gespielt. Der indische GM hatte seine Figuren aktiv postiert. Auch weist seine Figurenstellung im Gegensatz zu der des Schwarzen kaum Schwächen auf. Sicher sehen Sie sofort, wie Weiß am Zug die Partie zu seinen Gunsten entscheiden kann?

Mit dem Dreizüger in Aufgabe Nr. 79b wird eines der Spätwerke des Tschechen Dr. Johann Dobruský zum Lösen angeboten. Der Verfasser, der am 28. August 1853 das Licht der Welt erblickte, gilt als Begründer der "Böhmischen Schule". Dem Löser werden sich nach dem Schlüsselzug schöne Mattbilder erschließen. Wie Weiß wohl dabei vorzugehen hat?

Lösungen: In Taktikaufgabe Nr. 78a (Portisch-Bagi, W: Kg1, De4, Lb3, Lf2, Se5, Ba2, b2, g3 [8], S: Kh8, Dc7, Tf8, Lg7, Ba5, b4, g5, h7 [8]) zeigte der die weißen Figuren führende 77-jährige ehemalige ungarische WM-Kandidat GM Lajos Portisch beim Sax-Memorial 2014 im Duell gegen seinen 19-jährigen Landsmann FM Mate Bagi, dass er am Schachbrett noch nicht zum alten Eisen gehört. Mit 1.Sg6+! (und 1-0) gab er dem schwarzen König den Gnadenstoß. Gegen die Schachzwangfolge 1...hxg6 2.Dh1+ Lh6 3.Dxh6+ Dh7 4.Dxf8+ Dg8 5.Dxg8# gab es nichts zu erfinden.

Für Geübte: Eine taktische Fingerübung!

In Aufgabe Nr. 78b aus eigener Werkstatt (W: Kb7, Le8, Lg1, Sb6 [4], S: Ke4, Se5 [2]) war ein Hilfsmatt in drei Zügen angesagt. Dies bedeutet, dass Schwarz den Anzug hat und Weiß und Schwarz zusammenhelfen, den schwarzen König matt zu setzen.

In der Ausgangsstellung besitzt der schwarze König noch vier Fluchtfelder. Diese sind ihm zu nehmen. Wichtiger jedoch ist zu entscheiden, ob der schwarze König auf seinem originären oder einem anderen Feld matt gesetzt wird. Die Erkenntnis, dass ein Matt in der Brettmitte allein durch Leichtfiguren ohne Unterstützung durch den weißen König nicht zu konstruieren ist, erleichtert die Lösungsfindung. So trifft Schwarz Anstalten, sich zum weißen König hinzubewegen. Schwarz startet mit dem "Fernblock" 1.Sd7!. Weiß lässt 1...Lf7 mit Kontrolle über die Felder d5 und e6 folgen, worauf sich der schwarze König mit 2.Ke5 seinem Zielfeld nähert. Nun übernimmt Weiß mit 2...Ld4+ die Kontrolle über Feld e5. Danach betritt der schwarze König mit 3.Kd6 sein Zielfeld. Als Momentaufnahme stellen wir fest, dass ihm hier nur noch die Felder d6 und e7 zugänglich sind. Die Felder c6 und c7 werden vom weißen König und die Felder c5, d5, e5, und e6 von den weißen Läufern kontrolliert. Das Feld d7 ist vom schwarzen Springer geblockt, worin der Sinn des Schlüsselzuges begründet ist. Nun kann 3...Sc8# mit Übernahme der beiden letzten freien Felder den Schlusspunkt setzen.

Die Endstellung verdeutlicht, weshalb der schwarze König die Nähe seines weißen Kollegen suchen musste.
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