Eine Legende wird 85
Lothar Schmid

In wenigen Tagen vollendet der in Radebeul bei Dresden aufgewachsene deutsche Vorkämpfer Lothar Maximilian Lorenz Schmid sein 85. Lebensjahr. Mit 13 Jahren Mitglied im SK Radebeul wurde er schon zwei Jahre später Stadtmeister von Dresden. 1947 siegte er bereits bei der Deutschen Jugendmeister und gewann die Meisterschaft der Ostzone.

1947 zog er nach Bamberg um. Schmid war Mitte des vorigen Jahrhunderts einer der stärksten deutschen Spieler. 1950 gewann er den erstmals ausgespielten "Dähne-Pokal". Die Fide verlieh ihm 1959 den Großmeistertitel. Zwischen 1950 und 1970 vertrat er Deutschland auf zehn Schacholympiaden und kam auf 278 Länderkämpfe. Mit dem SC Bamberg wurde er dreimal Deutscher Mannschaftsmeister. Seine beste historische Elo-Zahl erreichte er 1970 mit 2665.

Nur wenige wissen, dass Lothar Schmid auch ein starker Fernschachspieler war. So siegte er bei der ersten Deutschen Fernschachmeisterschaft (1950 bis 1952). Bei der Fernschach-WM 1956 bis 1959 belegte er den geteilten 2. Platz. Als einer der Wenigen trägt er neben dem GM-Titel der Fide auch den Fernschachgroßmeistertitel.
Einer breiten Öffentlichkeit dürfte der Bamberger Verleger der Karl-May-Bücher Lothar Schmid als einfühlsamer und umsichtiger Schiedsrichter des legendären Jahrhundertmatches zwischen Weltmeister Boris Spassky und dem US-amerikanischen Herausforderer Bobby Fischer bekannt sein. Auch zum Re-Match 1992 wurde er als Schiedsrichter berufen. Ferner leitete er die WM-Kämpfe Karpow-Kortschnoj 1978 und Kasparow-Karpow 1986 sowie etliche weitere Top-Ereignisse

Was weniger bekannt ist: Schmid besitzt eine Sammlung von über 50.000 Schachpublikationen, die wohl als die größte in Deutschland und weltweit als die bedeutendste Privatsammlung anzusehen ist.

Als Kostprobe seines Könnens sehen Sie den Sieg bei der Schacholympiade zu Leipzig 1960 gegen den englischen Vorkämpfer, Großmeister Harry Golombek.

Weiß: Lothar Schmid

Schwarz: Harry Golombek

1.c4 Sf6 2.Sc3 d5 3.cxd5 Sxd5 4.Sf3 Sxc3 5.bxc3 g6 6.e3 Lg7 7.La3 Sd7 8.d4 c5 9.Db3 0-0 10.Le2 Dc7 11.0-0 b6 12.Tad1 Lb7 13.d5 Tad8 14.c4 Tfe8 15.Lb2 f6 16.a4 e6 17.Lc3 Kh8 18.h4 exd5 19.cxd5 Sf8 20.h5 gxh5 21.Sh4 c4 22.Lxc4 Tc8 23.Td4 Lxd5 24.Lxd5 Dxc3 25.Dd1 Te5 26.Df3 Td8 27.Sf5 Sg6 28.Tfd1 Dc5 29.Sh6 Te7 30.Sf7+ Txf7 31.Lxf7 Txd4 32.exd4 Df8 33.Db7 1-0
Tagesnotizen: Die Taktikaufgabe Nr. 45a zwischen dem italienischen Internationalen Meister Fabio Bruno und dem spanischen Meisterkandidaten Juan Antonio Urbina Perez wurde beim diesjährigen Gibraltar Masters in Sevilla gespielt. Schwarz hatte gerade mit seinem letzten Zug 0...Tc2xa2 seinen Minusbauern zurückgeholt. Dabei hatte er jedoch eine Kleinigkeit außer Acht gelassen. Würden auch Sie den Schwarzen mit einer elementaren Wendung in die Knie zwingen?

Mit einem bemerkenswerten Vierzüger in Aufgabe Nr. 45b kommt der Internationale Meister für Schachkompositionen Dr. Baldur Kozdon aus dem hohen Norden unserer Republik zu Wort. Als kleine Lösehilfe sei nur so viel verraten, als dass direkte Mattversuche noch nicht durchdringen, also eines Vorplans bedürfen.

Lösungen: In Taktikaufgabe Nr. 44a aus einer bei der letzten U-14-Weltmeisterschaft im slowenischen Maribor gespielten Partie (Bellahcene-Repka, W: Kg1, Dd1, Ta1, Tf1, Lc3, Lc4, Se4, Ba4, b2, e3, f2, g2, h2 [13], S: Kg8, Db6, Ta8, Tf8, Lb4, Lc8, Sc6, Ba6, b7, e6, f7, g7, h7 [13]) hatte Schwarz zuletzt 0...Le7-b4? gezogen, um den diagonalen Druck auf seine Königsstellung durch Läufertausch zu verringern.
Die damit verbundene Aufgabe der Kontrolle über das Feld f6 nutzte Weiß überfallartig zu1.Sf6+!. Dies zwingt Schwarz zu 1...Kh8, da der Springer wegen 1...gxf6 2.Dg4+ Kh8 3.Lxf6# tabu ist. Mit 2.Dh5 und der Mattdrohung 3.Dxh7# setzt Weiß seinen Königsangriff fort.

Da der Springer f6 wegen 2...gxf6 3.Lxf6+ Kg8 4.Dg5# noch immer nicht zu nehmen ist, bleibt Schwarz zur Mattabwehr nur 2...h6. Mit 3.Sd7! (gut ist auch 3.Sd5) entscheidet der vorwitzige Springer die Partie. Er legt die Diagonale a1/h8 frei und greift gleichzeitig die schwarze Dame an. Diese geht verloren, will sich Schwarz nicht durch 4.Dxh6+ Kg8 5.Dxg7# matt setzen lassen. Schwarz gab deshalb die Partie auf.

Eine lehrreiche Gewinnkombination des Youngsters. Bei dem Zweizüger des Berliner Problemkomponisten Michael Beuster in Aufgabe Nr. 44b (W: Kg6, Te8, Lc1, Lh5, Sf6, Sf7, Bc2, h2 [8], S: Kf4, Tc6, Lb3, Ld6, Bd5 [5]) gilt es zunächst, nicht über Verführungen zu stolpern. So führt 1.Te1? (droht 2.Tf1#) wegen 1...Txc1! ebenso wenig zum Ziel wie 1.Sg5? (droht 2.Sh3#), wonach 1...Le7! das Matt verhindert, was auch auf 1.Le2? (droht 2.Sh5#) zuträfe.
Ließe man im sogenannten Satzspiel Schwarz probeweise den ersten Zug ausführen - um zu untersuchen, ob hierauf bereits ein Satzmatt bereitliegt - käme man der Lösung einen großen Schritt näher. So erlaubt 1...Ld1 2.Sxd5#, 1...Lc2+ 2.d3#, 1...Tc3 2.dxc3# und 1...Lc5 2.d4#.

Vor diesem Hintergrund ist es bis zum Schlüssel 1.Te2! mit der Drohung 2.Tf2# nicht mehr weit. Als Paraden kommen allein die genannten Satzspiele in Betracht: 1...Lc2+ 2.d3# mit Kreuzschachmatt, 1...Lc5 2.d4#, 1...Ld1 2.Sxd5# und 1...Tc3 2.dxc3#.

Die Aufgabe bezieht ihren besonderen Reiz durch die "Grimshaw"-Verstellungen in den beiden ersten Abspielen sowie den dreifachen Zug des d-Bauern. Fein komponiert!
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