02.10.2013 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Enock aus dem Kongo bringt Gastfamilie in Kümmersbuch Kikongo bei Elefant heißt Elefant

Auf Enocks Gesicht macht sich ein Grinsen breit. Er amüsiert sich köstlich. Seine Gasteltern, Stefanie und Hans Weiß aus Kümmersbuch, versuchen gerade, seine Sprache zu sprechen: Kikongo. Und quälen sich mit Wörtern wie "Gamiajanene" für Lastwagen oder "Unbatschi" für Schildkröte. Der Gastpapa mag am liebsten das Wort für Elefant. Der Dickhäuter heißt auch im Kongo so.

Enock (12) spielt mit seiner Gastmama gerne "Dame". Wie Stefanie Weiß erzählt, übernimmt der Zwölfjährige gerne ihre Taktik beim Spiel und freut sich, wenn er sie schlagen kann. Ansonsten beschäftigt sich der ruhige, hilfsbereite Junge mit Lego, macht Puzzles und ist gerne draußen in der Natur, wo er seinen Gasteltern auch beim Blumengießen im Garten zur Hand geht. Schade ist es, dass im Ort keine Kinder in Enocks Alter sind und ihm deshalb die Spielkameraden fehlen. Bild: Steinbacher
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Enock ist seit August bei Familie Weiß in Kümmersbuch. Die vier Wochen davor war er in Regensburg in der Klinik. Der Junge aus dem Kongo ist eines von vielen Kindern, die die Hilfsorganisation Hammer Forum nach Deutschland bringt, damit sie hier behandelt werden.

Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten, die durch Bomben verstümmelt wurden oder sich bei Unfällen Verletzungen zugezogen haben, die in ihrer Heimat nicht versorgt werden können. So war es bei Enock. Der Junge hatte einen Unfall. Während der anschließenden Behandlung war beim Legen eines Katheters die Harnröhre verletzt worden. Jetzt ist Enock in Deutschland, wo die Ärzte in Regensburg versuchen, seine zerstörte Harnröhre wieder aufzubauen. Seit August sind Stefanie und Hans Weiß seine Gasteltern.

Während der Zwölfjährige gerade Deutsch lernt, eignet sich seine Gastmama ein paar Brocken Kikongo an - und es klingt für einen Außenstehenden nicht mal so schlecht, wenn sie von eins bis zehn zählt. Auch Enock nickt anerkennend. "Sonst lacht er sich immer kaputt", sagt Stefanie und knufft ihn liebevoll.
Der Zwölfjährige ist gerne bei der Familie Weiß. In der Küche ist eine Carrera-Bahn aufgebaut, daneben liegen die Legosteine. "Mit Lego kann er sich gut beschäftigen." Gemeinsam machen Stefanie Weiß und ihr Gast auch Gesellschaftspiele, Dame oder "Vier gewinnt". Wenn Enock fern sieht, schaut er sich am liebsten Sport an, berichtet sein Gastvater. "Da braucht man nicht allzu viel von der Sprache verstehen." Auch "Upps! Die Pannenshow" gefällt ihm. "Da lacht er sich immer schief", erzählt Stefanie Weiß. Von all den Tieren, die die Familie in ihrer Auffangstation für Wildtiere und Exoten beherbergt, mag der Zwölfjährige die Hirsche am liebsten.

Der Junge aus dem Kongo ist nicht der erste Gast, der über das Hammer Forum zur Familie Weiß gekommen ist. Zuvor beherbergte das Ehepaar ein Mädchen aus dem Jemen, das zwei Jahre lang hier lebte. Die Kleine soll im Januar wiederkommen. Enock hätte eigentlich am 12. September nach Hause fliegen sollen. Doch da die Behandlung etwas langwieriger ist, wurde der 1. November anvisiert. "Ob das aber so klappt, das weiß keiner", sagt Stefanie Weiß.

Heimweh hat der Zwölfjährige nicht. Er ist froh, dass er hier medizinisch so gut versorgt wird. Vielmehr habe er Angst, dass er dann im Kongo bei Problemen nicht so gut behandelt wird - denn das hat er schon einmal erlebt.

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