05.05.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Erich Loests vergebliche Nachforschungen - Zeitzeugen in Schönsee als "Schlüssel" Schicksal der Werwölfe bis heute ungeklärt

von Georg LangProfil

Erich Loest zählt zu den bedeutenden deutschen Schriftstellern der Gegenwart. Mit Schönsee verbindet ihn seine Kriegszeit vor 60 Jahren, als er als 19-jähriger "Werwolf" im Raum zwischen Schönsee und Eslarn die Amerikaner zum Kriegsende aus dem Hinterhalt angreifen sollte.

"Es setzt sich allmählich", war seine Antwort auf die Frage einer Oberviechtacher Gymnasiastin, die auf die Verarbeitung seiner Eindrücke aus der Jugendzeit zielte. Die Rückkehr an seinen einstigen Einsatzort fällt dem 79-jährigen Schriftsteller aus Leipzig nicht leicht. Bereits vor 20 Jahren, als er in der Volksschule in Schönsee auf Vermittlung des Weidener Kulturbeauftragten Bernhard M. Baron las, drängte es ihn an die Stätten seiner jugendlichen Verblendung zurück.

Am Montag wurde der renommierte Schriftsteller von Bürgermeister Hans Eibauer empfangen. Schüler des Oberviechtacher Ortenburg-Gymnasiums, Lehrer, Offiziere der Weidener Heeresunteroffiziersschule und zahlreiche Journalisten begleiten Erich Loest zu den Orten seines Kriegsdienstes vor 60 Jahren.

"Wo sind die 38 Kameraden von einst geblieben?", ist für Erich Loest die bohrende Frage, die ihn bis heute nicht loslässt. Sind ihre Leichen im sumpfigen Morast der Presslmühle verscharrt worden, die Anlaufstelle für die Kuriere aus den benachbarten Stellungen war? Oder sind sie - wie Loest am 6. Mai 1945 in Bischofteinitz - von amerikanischen Einheiten gefangen genommen worden, wie ein Offizier der Weidener Unteroffiziersschule beruhigend meinte.

Bereits 1985 hätte sich Erich Loest von älteren Schönseern, "die vielleicht mittlerweile schon verstorben sind", Hinweise über den Verbleib seiner Kameraden erwartet. "Die einstigen Forstarbeiter müssen etwas gewusst haben", rätselt der bekannte Autor resigniert. Haben sie geschwiegen, weil sie zu denen gehörten, die die umfangreichen Versorgungs- und Ausrüstungslager der Werwölfe geplündert haben und deshalb ein schlechtes Gewissen hatten?

In vielen seiner zahlreichen Veröffentlichungen in großen deutschen Zeitungen hat Loest immer wieder auf den ungeklärten Verbleib seiner Kameraden aufmerksam gemacht. Auch Angehörige von diesen haben sich trotz der zahlreichen Initiativen nicht bei ihm gemeldet.

Die Schüler des Ortenburg-Gymnasiums hören von Loest das Bekenntnis, dass er ein "Mitglied dieser Verbrecher-Armee" war, dass der 8. Mai 1945 ein "Tag der Befreiung ohne Wenn und Aber" war und dass der jetzige Besuch wie der vor 20 Jahren der persönlichen Verarbeitung seiner Erfahrungen von damals dient.

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