Erstkommunion einst und jetzt: Andenkenbild das einzige Geschenk - Strenges Nüchternheitsgebot
Vier Pfund Butter für zwei Kerzen

Der Stoff für den Anzug reichte nicht ganz. Und so trat Georg Paulus 1947 in kurzer Hose zum ersten Mal an den Tisch den Herrn. Die Kerze war in Naturalien bezahlt worden. Repro: gpa

Am Sonntag wird Erstkommunion gefeiert: 17 Mädchen und neun Buben treten in der Stadtpfarrkirche zum ersten Mal an den Tisch des Herrn. Wochenlang wurden sie auf diesen großen Tag in ihrem Leben vorbereitet, fieberten ihm entgegen - genauso wie ich vor 66 Jahren.

Die Kleiderfrage spielte damals keine Rolle. Es war klar, dass die Mädchen weiße Kleider anhatten, die Buben einen schwarzen Kommunionanzug. Heute dagegen haben Kinder und Eltern dies vorab zu klären: In Einheitskleidung oder individuell gekleidet die Erstkommunion feiern?

In vielen Pfarreien besteht nämlich die Möglichkeit, dass sowohl Mädchen als auch Buben in langen weißen Gewändern, die leihweise zur Verfügung gestellt werden, an den Altar treten. Dieses Angebot soll die Kosten für die Erstkommunion im Rahmen halten, zugleich aber ist es Anlass für Auseinandersetzungen, da nicht alle Eltern immer mit dieser Regelung einverstanden sind. Manche Väter und Mütter wollen ihr Töchterlein ganz in Weiß - wie eine Braut - sehen. Teilweise lehnt aber auch ein Mädchen selbst eine Einheitskutte ab.

Nachdem im Familienkreis alles geklärt ist, steht dem großen Tag nichts mehr im Weg, empfangen die Kinder in einem festlichen Gottesdienst aus der Hand des Pfarrers zum ersten Mal den Leib des Herrn. Ist die Messe aus, wird tüchtig fotografiert und gefilmt, dann zieht die ganze Gesellschaft zum Essen nach Hause oder in ein Gasthaus, bekommt das Kind, das ja der Mittelpunkt des Tages ist, die Geschenke. Nach der Dankandacht und einer Kaffeetafel endet meistens das Fest. Meine Erstkommunion feierte ich im Jahr 1947 in Kirchenthumbach - ebenso eine Cousine, die mit ihrer Mutter und dem kleinen Bruder bei uns wohnte, seit sie in Hannover bei einem Bombenangriff ihre Wohnung verloren hatten. Bevor wir am "Weißen Sonntag" unsere erste heilige Kommunion empfingen, gab es bei Pfarrer Josef Bollmann strengen Unterricht.
Um das für die Erstkommunion Nötigste zu bekommen, musste meine Mutter "schmieren". Naturalien waren damals in der Nachkriegszeit das wichtigste Zahlungsmittel. So kosteten unsere Kommunionkerzen vier Pfund Butter, für die meine Mutter die Bäuerin wiederum mit Stoff für zwei Kleider aus Vaters Lager bezahlte.

Nichts essen und trinken

Da meine Mutter mit uns Kindern, um zu überleben, ein Gemischtwarengeschäft führte und mein Vater - ab 1939 Soldat, ab 1945 in Frankreich in Gefangenschaft - von Beruf Schneidermeister war und ein Stofflager hatte, konnte meine Mutter manches kaufen, was mit der damaligen Reichsmark allein nicht möglich gewesen wäre.

Das Erstkommunionkleid meiner Cousine war kein Problem, weil die Tante dafür ihr Brautkleid, das sie gerettet hatte, hergab. Meinen Kommunionanzug nähte Schneidermeister Lohner, dazu diente ein Stoffrest aus Vaters Vorräten. Da der Stoff jedoch sehr knapp war, reichte es nur für eine kurze Hose, die ich am "Weißen Sonntag" nur unter Protest angezogen habe. Gut erinnere ich mich an das damals strenge Nüchternheitsgebot: Vor dem Empfang der Kommunion durfte man nichts essen und nichts trinken. Meine Oma schärfte mir deshalb ein, ja beim Zähneputzen aufzupassen - damit ich nicht versehentlich Wasser schluckte.

Gefüllter Bauerngockel

Für uns wurde die Erstkommunion zu einem großen Fest. Zum Mittagessen gab es gefüllten Bauerngockel, der sicher ein Tauschgeschäft meiner Mutter war. Dazu servierte die Oma Knödel, Soße und Bohnensalat. Während wir in der Kirche waren, hatte sie alles zubereitet. Am Nachmittag gab es eine Prozession zur Bergkirche. Nach der Dankandacht verteilte Pfarrer Bollmann Andenkenbilder, damit endete die Feier.

Diese Bilder waren für meine Cousine und mich die einzigen Geschenke zur Erstkommunion. Trotzdem glaube ich, dass wir mit unserem guten Mittagessen und dem obligatorischen Guglhupf zu "Kathreiners Malzkaffee" am Nachmittag zufriedener und glücklicher gewesen sind, als manches heutige Kommunionkind mit all seinen Geschenken.
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