Euro-Münzen auf dem Waigel-Grab

Bernard Klein, der Leiter der "Jugendbegegnungsstätte Albert Schweitzer" am Soldatenfriedhof Niederbronn, weist die Besucher auf zwei der über 4000 Grabsteine hin. Unter ersterem ruhen die Zwillingsbrüder Josef und Friedrich Rihm, geboren am 11.3.1925. Beide fielen auch am selben Tag, am 11.11.1944.

Auf dem zweiten Grabkreuz haben Gäste Euro-Münzen abgelegt. Die Inschrift liefert den Grund: Hier ist der Gefreite August Waigel bestattet, Jahrgang 1926, gefallen am 30.9.1944. Theo Waigel, der frühere CSU-Vorsitzende und Bundesfinanzminister, hat in seiner aktiven Zeit in der Politik immer wieder an das Schicksal seines Bruders erinnert und damit nachdrücklich für den europäischen Einigungsprozess und den Euro geworben.

Bernard Klein spürt auch den Lebenswegen der hier Bestatteten nach. Mit Hilfe von Angehörigen hat er inzwischen 170 Lebenswege nachgezeichnet, einige sind exemplarisch in eine kleine Ausstellung aufgenommen: Der Hitlerjunge Ewald Freyler, der SS-Mann und Überzeugungstäter Ernst Niedorf, Heinrich Schulz, als Befehlsverweigerer standrechtlich erschossen, und Walter Merkel, der in französischer Kriegsgefangenschaft umkam und in Niederbronn seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

Hier, am Rande des kleinen Kurortes Niederbronn-les-Baines, hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Anfang der sechziger Jahre eine großzügige Anlage geschaffen, in der 15 472 Tote bestattet sind, überführt aus Einzel- und Sammelgräbern, die über 774 Gemeinden verstreut waren. Zubettungen gibt es nach wie vor. Erst in den letzten Wochen ist man auf die Überreste von 12 Soldaten gestoßen, die derzeit identifiziert werden. Im Juli konnte man Gebeine einem 20-jährigen US-Soldaten zuordnen, der nun auf den amerikanischen Friedhof in St. Avold überführt wird.
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