Fotokünstler: "Meine Landsleute nennen mich Verbrecher"

Der Fotokünstler Lukás Houdek hat sich in seinem Heimatland keine Freunde gemacht. Als der heute 28-Jährige 2009 angefangen hat, in seinem Heimatort Stríbro (Mies) Gräber auf Friedhöfen zu fotografieren, wurde seine Aufmerksamkeit auf die Vertreibung der Deutschen gelenkt. "Wir haben in der Schule nichts zu diesem Thema gehört", erklärte er. Diese Unwissenheit glich er mit viel Neugier und Recherche aus.

Bei der Ausstellungseröffnung berichtete er auf Englisch von einem zerstörten Friedhof, den er bei seinen Recherchen entdeckt hatte. Mit der Beschäftigung der Vertreibung begann er nach eigenen Angaben die Vorurteile den Deutschen gegenüber aufzuarbeiten.

Seine Ausstellung "The Art of Killing", bei der er die Verbrechen der Vertreibung mit Barbiepuppen nachgestellt fotografierte, führten zu Diskussionen in seinem Heimatland. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete darüber im Februar unter der Überschrift "Meine Landsleute nennen mich Verbrecher". Die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit hat eine Diskussion in Gang gesetzt, die er begrüßt. Mit der Ausstellung "Abandoned Lives - Verlassene Gesichter, vergessene Geschichte" will er die Erinnerung an das Schicksal der Familien aufrechterhalten und die Toten ehren. In diesem Jahr sind weitere Ausstellungen von Lukás Houdek in München und Berlin geplant.

Die Werke sind bis zum 30. Juni in der Wieskapelle zu sehen. Die Öffnungszeiten sind samstags, sonn- und feiertags von 14 bis 18 Uhr. (ly)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.