Frauen-Union besichtigt Tuchfabrik Mehler - Schwierige Suche nach Fachkräften
Erfolgreich dank Spezialisierung

Paulus Mehler (rechts) zeigte den Mitgliedern der Frauen-Union aus Kemnath und Friedenfels nicht nur die Maschinen, mit denen die verschiedensten Wollarten verarbeitet werden, sondern gab auch einen Einblick in die Entwicklung der Textilindustrie. Bild: wew
Einen Blick in den wohl traditionsreichsten Industriebereich des Landkreises erhielt eine Delegation der Frauen-Union Kemnath und Friedenfels bei der Besichtigung der Tuchfabrik Mehler in Tirschenreuth. Angeführt von FU-Vorsitzender Rita Ponnath verschaffte sich die Abordnung einen Eindruck von der ältesten Textilfabrik Deutschlands.

In elfter Generation

Paulus Mehler, der das Unternehmen in der elften Generation mit einem Partner führt, gab einen Überblick über die Historie, die mit der Gründung durch den Tuch- und Zeugmacher Georg Mehler 1644 begann. Vor der Industrialisierung waren in Tirschenreuth 70 Tuchmacher ansässig, nur Mehler überlebte den Wandel. Vor 50 Jahren waren deutschlandweit noch 187 vollstufige textile Erzeuger in Betrieb. Heute ist dies ebenfalls nur mehr das Tirschenreuther Unternehmen, das nach der Wende um einen Spinnereibetrieb in Forst an der Lausitz ergänzt wurde.

Vor 30 Jahren waren in der Textilindustrie in Deutschland rund 500 000 Menschen beschäftigt, dazu noch 280 000 in den neuen Bundesländern. Aktuell ernährt dieser Industriezweig noch 65 000 Mitarbeiter.
Gefragt nach dem Erfolgsrezept der Familie Mehler kam vom Firmenchef eine kurze, aber prägnante Aussage: "Wir mussten einfach alles anders machen als alle anderen." So spezialisierte sich Mehler auf die Verarbeitung aller Wollarten, von Schaf-, Lama-, Kamel-, Alpacca- und Merinowollen von der Rohware bis zum fertig gefärbten Gewebe. Vor allem Lodenstoffe für die Trachten- und Uniformschneiderei, Vereinsausstattungen und Spezialprodukte mit unterschiedlichen technischen Eigenschaften werden in alle Welt versandt. Neu seien Möbelstoffe, die sich steigender Beliebtheit erfreuten. Gleiches gelte für die Zusammenarbeit mit neuen Firmen in der Herstellung von Wohn- und Schlafdecken.

Es ist laut Mehler zunehmend schwieriger geworden, Auszubildende oder Fachkräfte zur Ergänzung der 100 Arbeitsplätze in Tirschenreuth und Forst zu gewinnen. Um den Bestand zu sichern, seien die Treue zum Kunden und eine engagierte Mitarbeiterschaft erforderlich.

Rita Ponnath dankte für die einprägsame Führung.
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