18.03.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Freudiges Bellen bedeutet Gefahr - Trainerin Carina Waldmann ist selbst eine Betroffene Hund warnt vor Unterzucker

Der Australian Shepherd wedelt freudig mit dem Schwanz und bellt. Dass sich hinter diesem positiven Verhalten eine große Gefahr verbirgt, ahnt keiner. Aber Carina Waldmann hat Glück, dieses Mal ist alles in Ordnung, denn die 26-Jährige hat nur ein "Unterzucker-T-Shirt" unter der Jacke versteckt. Ihre eigenen Blutzuckerwerte sind in Ordnung. Seit gut einem Jahr bildet die Tremmersdorferin Assistenz- und Diabetiker- Warnhunde aus.

von Autor LYProfil

Diese Hunde schlagen an, wenn bei einem Diabetiker die Blutzuckerwerte fallen. Und das so frühzeitig, dass noch genügend Zeit für Traubenzucker oder eine Insulinspritze ist. "Damit hat man ein ganz anderes Leben und man schläft nachts wesentlich besser", verrät sie. Carina Waldmanns Alltag wurde deutlich erleichtert, seit sie selbst vor zwei Jahren ihren Hund "Pearl" ausbilden ließ.

Mulmiges Gefühl

"Du schläfst sonst immer mit einem mulmigen Gefühl ein, weil du nicht weißt, ob du am nächsten Morgen aufwachst", berichtet sie und ihr Vater fügt an, dass sich das durch den Todesfall eines Mädchens in der Gemeinde vor zehn Jahren verstärkte.

Die Warnhunde sind ein Rettungsanker, um trotz der tückischen Krankheit, wieder Lebensqualität zu finden. Jede körperliche Anstrengung, und sei es nur leichte Gartenarbeit, bringt den Insulinspiegel ins Schwanken - mit manchmal tragischen Folgen. Manche Diabetiker können keine körpereigenen Warnhinweise erkennen. Sie sind besonders dankbar, wenn ein Hund mit seiner sensiblen Nase helfen kann.
"Es ist wie bei den Drogenhunden, die freuen sich auch, wenn sie etwas finden", erklärt Waldmann ihre Arbeit. Im Augenblick bildet sie den vier Monate alten Australian Shepherd "Chantal" aus. In etwa eineinhalb Jahren soll ein zwölfjähriges Mädchen aus München den Hund übernehmen. Gemeinsam mit Waldmann hat die Familie den Hund beim Züchter ausgesucht. "Die Charaktereigenschaften müssen passen, nicht zu dominant und nicht zu schüchtern", beschreibt die lizensierte Assistenzhundetrainerin, die Anforderungen.

Als der Welpe acht Wochen alt war, kam er zu ihr und die Tremmersdorferin begann mit der Grundausbildung auf die üblichen Kommandos. Schon jetzt hat sie immer ein Unterzucker-T-Shirt mit dem Duft des Mädchens beim Training dabei. "Der Hund muss ja später überall funktionieren, daheim, draußen und in der Familie", erklärt sie die lange Trainingszeit, die letztendlich jeder Hund selbst bestimmt.

Treue Helfer

Lernen können die Hunde neben dem Bellen bei Hypoglykämie auch das Bringen des Messgerätes oder des Telefons. Sie öffnen die Tür, schalten das Licht ein, oder drücken eine bestimmte Warntaste. Am Ende der Ausbildung bringt die Trainerin den Hund nach München und zeigt einer Woche lang der Familie den richtigen Umgang. "Hunde sind auch gut für die Psyche der Kinder, weil sie dann eine Aufgabe haben und Kinder und Eltern können erleichtert sein. Ein Diabetiker-Kind ist von vielem ausgeschlossen und oft ein Außenseiter", berichtet sie.
Carina Waldmann selbst bekam vor fünf Jahren während der Schwangerschaft die Diagnose Diabetes Typ 1. Nach einem Langzeittest war schnell klar, dass es sich nicht um die Schwangerschaftdiabetes handelt. Bei einem Diabetikertag am Weidener Klinikum erfuhr sie vom Hundezentrum Catu und den Warnhunden.

Weil sie selbst schon seit ihrem zehnten Lebensjahr stolze Hundebesitzerin ist, beschloss sie, sich am Bodensee ausbilden zulassen. Mit der Pferderanch, die sie zusammen mit ihrem Mann Uwe betreibt, ergänzen sich beide Bereiche und die frühere Bürokauffrau hat jetzt ihre Berufung gefunden.

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