Fünf Grundsätze

Maike Klitzing (im Bild mit Neffe Linus) hat über zweisprachige Kindererziehung eine Magisterarbeit verfasst. Bild: vok

Eine Sprache - eine Person

Am effektivsten in der zweisprachigen Erziehung hat sich das Prinzip „eine Sprache – eine Person“ („one person-one language“-approach) herausgestellt. Hierbei ist es so, dass jedes Elternteil kontinuierlich in seiner Sprache mit dem Kind spricht, wodurch das Kind eben ständig dem Einfluss beider Sprachen ausgesetzt ist und es dadurch am meisten mitbekommt. Auch zwei Deutsche können ihr Kind bilingual erziehen, es sollte dann aber eben nur eine Person ständig zum Beispiel Englisch reden und kein Wechsel passieren.

Dominante Sprache

Es gibt immer eine dominante Sprache, nämlich die, die in dem Land gesprochen wird, in dem die Familie lebt, und es kommt fast immer dazu, dass das Kind auch in der dominanten Sprache antwortet, auch wenn die Mutter beispielsweise Englisch mit dem Kind spricht. Es versteht alles, antwortet aber eben auf Deutsch. Hierbei ist es wichtig, das Kind nicht zum Englischen zu zwingen, weil vielen Kindern das auch peinlich ist.

Natürlicher Prozess

Wichtig ist es, Mehrsprachigkeit als natürlichen Prozess verstehen. Es gibt auch in Fachkreisen keine einzige Antwortmöglichkeit auf die Frage nach den Auswirkungen der bilingualen Erziehung auf die Entwicklung des Kindes, deswegen soll es einfach als Lebensinhalt gesehen werden, mit dem so normal wie möglich umgegangen wird.

Kontinuität

Für wirklich wichtig halte ich den Grundsatz der Kontinuität.
Sollten tatsächlich Probleme auftreten, ist das oft eine Hin- und Hergerissenheit zwischen den Kulturen. Viele Kinder (vor allem, wenn sie auch in beiden Ländern gelebt haben) fühlen sich zerrissen und heimatlos.

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Maike Klitzing, Jahrgang 1982, hat an der Universität Göttingen Pädagogik und englische Philologie studiert und 2009 eine Magisterarbeit zum Thema „Bilingualität im lebensgeschichtlichen Kontext – eine empirische Studie“ geschrieben. Hierzu hat die Weidenerin, die jetzt in Lübeck lebt, narrative, also lebensgeschichtliche Interviews mit zweisprachig erzogenen Personen durchgeführt.