Fünftes Demenzforum: Sieben Phasen erkennen
Mandala weckt keine Erinnerung

Auch der Arbeiter Samariter Bund (ASB), Regionalverband Jura, war mit seinen Fachkräften für die Demenzbetreuung vor Ort. Bilder: swt (3)

"Was hat eine alte Bauersfrau mit Mandalas zu tun?", fragte Monika Hammerla am Mittwoch beim fünften Landkreis-Demenzforum in der Helmut-Ott-Halle in Auerbach. "Gar nichts!", gab die Referentin gleich selbst die Antwort und erklärte, dass diese Art der Beschäftigung bei einem Demenzkranken Stress auslöse.

Denn der Patient kenne aus seiner persönlichen Geschichte keine Mandalas. Dagegen sei die Beschäftigung mit bekannten Gegenständen sinnvoll, um die Erinnerungen zu wecken. So gebe der Hobel dem kranken Schreiner ein Stück früherer Arbeit zurück, der Schmied lerne den alten Nagel zu begreifen - im wahrsten Sinne des Wortes. Und die demente Dame erkennt an der Handtasche, die sie zeitlebens dabei hatte, ein Stück ihrer selbst wieder.

Endlos lässt sich die Liste der Gegenstände fortsetzen, die die Erinnerung der Demenzkranken wiederbeleben. Monika Hammerla hat als Krankenschwester und gerontopsychiatrische Fachkraft oft mit ihnen gearbeitet. In ihrem Vortrag stellte sie auch die sieben Phasen der Demenz mit Alzheimer vor.

Ein schleichender Prozess

Was oft schleichend beginnt ("Der Betroffene selbst merkt es vielleicht, die Umgebung nicht"), zieht sich in einem Prozess weiter, der zunächst Gedächtnisstörungen mit sich bringt. Bei ersten Anzeichen sei eine fachliche Hilfe unabdingbar, riet die Expertin. Konnte der Betroffene in Phase eins noch allein kochen, würden jetzt Menüs oder komplette wohlschmeckende Mahlzeiten nicht mehr gelingen. Ein weiterer Schritt sei die Unfähigkeit, mit Geld umzugehen. "Hier ist die Krankheit schon sehr weit fortgeschritten." Einbußen in der Motorik, Mangelernährung, das Horten von Essen wie in Kriegsjahren: All dies sei Ausdruck einer weiteren Phase. Bereits jetzt könnten bekannte Tätigkeiten den Betroffenen Linderung verschaffen. "Lassen Sie ihn", riet Hammerla einer Angehörigen, die sich Sorgen um den Großvater machte, weil dieser jeden Tag Holz hacke. Diese Tätigkeit sei ihm in Fleisch und Blut übergegangen, so würde auch nichts passieren.

Kranke kapseln sich ab

Die Referentin betonte, dass es wichtig sei, das Umfeld und die Nachbarn zu informieren. Oft folge auf Diagnose und schwierige Betreuung eine Abkapselung der Erkrankten und Angehörigen. "Je mehr Menschen Bescheid wissen, desto schneller kann reagiert werden", sagte sie.

Informationen auf breiter Basis seien wichtig im Umgang mit der Krankheit. Hilfe und Unterstützung gebe es bei Wohlfahrtsverbänden und Rettungsdiensten, auch Hausärzte seien mittlerweile sensibilisiert.
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