25.01.2010 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Für weitere Pflege der Internetplattform finden sich keine Nachfolger - Vor zehn Jahren ... kirwa.net nimmt seinen Hut

Für die Jugendlichen im Landkreis Amberg-Sulzbach ist das kirwa.net zu einer Institution geworden. Die ehrenamtlich geführte Internetplattform, die sich ausschließlich dem Thema Kirwa widmet, hat nicht nur sprichwörtlich Laptop und Lederhose zusammengebracht, sondern lange vor Gimy und Facebook tausende junge Leute in der Region vernetzt. Nach zehn Jahren wollten die Gründer von damals ihr Werk nun an Jüngere übergeben - vergebens, wie sich am Sonntagvormittag herausstellte.

von Autor (gri)Profil

Nur wenige waren der Einladung nach Oberleinsiedl gefolgt, um gemeinsam mit den bisherigen Seitenmachern auszuloten, wie das kirwa.net weitergeführt werden könnte. Ursprünglich war angedacht worden, einen Verein zu gründen, der das Online-Netzwerk betreibt. Doch bei dem Frühschoppen im Gasthaus Michl war schnell klar, dass dafür die Leute fehlen. "Das ist jetzt kein Beinbruch", meinten die Mitbegründer und Kirwabeauftragten Uli Piehler und Dieter Kohl. Es sei ohnehin erstaunlich gewesen, dass sich das Internet-Projekt so lange behaupten konnte.

Das kirwa.net ist eine Amberg-Sulzbacher Spezialität: Bereits Jahre bevor sich Internetdienste wie Gimy, Facebook oder Twitter etablierten, wuchs daraus eine Online-Community auf regionaler Ebene. Diente das kirwa.net zuerst nur dazu, Kirchweih-Termine im Landkreis bekanntzugeben, erweiterten es die Nutzer bald zu einem interaktiven Netzwerk in Sachen Volksmusik und -tanz, Tracht und Brauchtum - eine einmalige Entwicklung im Bereich der Heimatpflege Bayerns.
Prinzip war immer, alle Meinungen als gleichwertig zu achten. So kamen Vertreter der traditionellen Wirtskirwan genauso zu Wort, wie Fans der neu ins Leben gerufenen Zeltkirwan. Allerdings legte sich das kirwa.net bald darauf fest, die althergebrachten Oberpfälzer Traditionen in besonderer Weise zu fördern. Dazu nahmen die Seitenbetreuer fachliche Hilfe von Altkirwaburschen, Heimatpflegern und wissenschaftlichen Einrichtungen in Anspruch.

Das Recht des Zweifachen

So unterstützte das kirwa.net beispielsweise mit Archivmaterial und Kursen das Bemühen, dem guten, alten Zweifachen zu seinem Recht zu verhelfen. Mehrmals wurde die Tracht nach alten Oberpfälzer Vorbildern vom kirwa.net vorgestellt und das Forum für die Volksmusikanten, die noch ohne Verstärker aufspielen, fand breite Resonanz. Im Jahr 2004 wurde das kirwa.net zu einer der beliebtesten Internsetseiten der Oberpfalz gekürt.

Meinungsforen und Bilder

"Die Entwicklung im Internet schreitet so schnell voran. Es ist kein Wunder, dass dies am kirwa.net nicht spurlos vorbeigeht", findet Domaininhaber und Medienpädagoge Uli Iberer. Im Jahr 2000 seien Funktionen wie Bildergalerien und Meinungsforen noch neu gewesen. Heutzutage werde im Internet von großen Anbietern mit geringem Aufwand ein Vielfaches von interaktiven Elementen angeboten. Damit könne man auf regionaler Ebene und mit ehrenamtlichen Helfern nicht Schritt halten.

Nun sollen die mehr als 3000 Seiten und 20 000 Bilder rund um das Thema Kirwa am 31. Januar zum letzten Mal online stehen. Der Schatz an Informationen, der im kirwa.net abgespeichert ist, ist damit aber nicht verloren. Die Daten sind archiviert und stehen Heimatpflegern und interessierten Nutzern auf Anfrage weiter zur Verfügung.

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