10.12.2011 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Gebürtige Waldsassenerin Irmgard Maenner arbeitet im Hörspiel "Federland" ihre ... Das Verschwiegene schmerzt und drückt

Franz Josef Maenner und seine Familie auf einem Foto aus dem Jahre 1935. Bild: privat
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Den Protagonisten in den Geschichten leihen mitunter prominente Schauspieler ihre Stimmen - etwa Gisela Schneeberger, die unvergessene Ruth Drexel oder Irm Herrmann: Hörspiele von Irmgard Maenner, 1959 in Waldsassen geboren, laufen regelmäßig bundesweit im Programm verschiedener Radiosender. Als freie Autorin lebt Irmgard Maenner in Berlin. "Nach dem Abitur wollte ich weg, und zwar möglichst weit weg", sagt sie. Der Kontakt zur Heimat blieb aber stets erhalten.

Irmgard Maenner hat Theaterwissenschaften und italienische Philologie studiert und ist mit Preisen ausgezeichnet worden. 2010 bekam Irmgard Maenner ein Grenzgängerstipendium der Robert-Bosch-Stiftung für die Recherche für das Projekt "Federland". Über das gleichnamige Hörspiel wird seit den Sendungen im Deutschlandradio und im Bayerischen Rundfunk im Sommer und im Herbst 2011 in Waldsassen heiß diskutiert: In dem Stück arbeitet die Autorin die Geschichte ihrer Familie auf. "Die Recherche fokussierte sich auf die politischen und familiären Kämpfe des Großvaters und seinen Selbstmord im Jahr 1948", heißt es dazu auf der Internet-Seite der Robert-Bosch-Stiftung.
Der Großvater von Irmgard Maenner - Franz Josef Maenner - war Druckereibesitzer und Verleger der in Waldsassen erscheinenden "Stiftländer Volkszeitung". 16 Kinder hatte der "Vatermaenner", wie er in Waldsassen genannt wurde - 14 von der ersten Frau und zwei von der zweiten. Jupp Männer, Inhaber der Stiftland-Druckerei und Vater von Irmgard Maenner, war das neunte Kind, geboren 1922 und gestorben 1994.

"Die Gegensätze sind das Interessante", so die Autorin über die Motivation, die eigenen Vorfahren in den Mittelpunkt eines Hörspiels zu stellen. "Als ich von meinem Onkel Unterlagen über den Großvater bekam, wusste ich: Das musst du erzählen." Der Großvater sei eine schillernde Persönlichkeit gewesen, mit herausragenden Fähigkeiten und Fehlern, einem Oberpfälzer Dickschädel und hohen Zielen. Entsprechend sei er oft auch an seine Grenzen gestoßen.

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Gewalt ganz normal

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"Ich denke, er hat seine Kinder geliebt, so weit das bei dem harten Lebenskampf und 16 Kindern möglich war", sagt Irmgard Maenner über Franz Josef Maenner. Die Erziehungsmethoden wirkten heute - zum Glück! - tyrannisch. "Damals, also in der Weimarer Republik, der Nazi- und Nachkriegszeit, war körperliche Gewalt gegen Kinder ganz normal." Im Politischen hat der Großvater nach Einschätzung der Enkelin als leidenschaftlicher Katholik und Demokrat getan, was er konnte, "... auch als Zeitungsmann. Er hat sein Leben aufs Spiel gesetzt."
Die Suche in Archiven und Zeitzeugenbefragungen setzte Details einer spannenden Geschichte im Nachkriegsdeutschland frei. Zeitzeugen, Archivfunde, Briefwechsel, Gerichtsakten, Aufzeichnungen erzählen von Liebe in schwierigen Zeiten, politischen Intrigen, Gewalt und der Wandlung von Werten. Auch die Verfolgung und Deportation von jüdischen Mitbürgern spielt in "Federland" eine Rolle - ein Thema, worüber in Waldsassen bislang kaum gesprochen wurde. "Menschen wurden misshandelt, enteignet, deportiert - all das auch in Waldsassen."

Nach der Ausstrahlung von "Federland" hat Irmgard Maenner Briefe, Mails und Anrufe aus ganz Deutschland erhalten. "Auch Waldsassener haben mir Erinnerungen zukommen lassen." Die Autorin spürt deutlich, dass es ein Bedürfnis zu erzählen und zu zuhören gibt. "Das Verschwiegene schmerzt und drückt, und zwar um so mehr, je mehr Zeit vergeht. Das will ans Licht."

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Warum kein Denkmal ?

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"Federland" handelt von schweren Existenzkämpfen, von politischer Intrige und Verrat, aber wenn man dann weitere Lebensgeschichten hört, erscheint diese Geschichte fast als harmlos. Irmgard Männer: "Warum - wurde ich gefragt - gibt es in Waldsassen kein Denkmal für die jüdischen Familien der Stadt, etwa für den Inhaber der Alten Glashütte Max Weinberger und seine Frau ?"
Die Resonanz aus den Reihen der Familie - groß und verstreut - war zweigeteilt: Die Verwandten, von denen sie manche erst nach der Sendung kennen lernte, hätten begeistert, berührt, erfreut reagiert. "Andere wieder waren entsetzt." Erinnerungen, so Maenner, würden immer bei allen Zeitzeugen auseinander gehen, ganz speziell in Familien. "Da finden Sie oft keine zwei Leute, die eine gleiche Erinnerung haben. Auch hier interessiert mich die Reibung."

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