19.02.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Gebürtiger Kaltenbrunner bringt Schüler in aller Welt über Internet-Portal zum Lesen Computerkids als Bücherwürmer

Wer oder was ist "Tuffy"? Na? Es reicht nicht ganz, einen Harry-Potter-Film gesehen zu haben, oder grob über die Handlung Bescheid zu wissen. Um "Tuffy" zu kennen, muss man die Abenteuer des Zauberlehrlings schon mehrere hundert Seiten lang verfolgt haben. Zur Belohnung dürfen sich Schüler über Punkte auf ihrem persönlichen Lesekonto freuen. Vorausgesetzt ihre Klasse nutzt das Internet-Leseportal www.antolin.de.

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Hinter dieser Online-Adresse verbirgt sich ein riesiger Erfolg, der im September 2001 begann. Mit Unterstützung von antolin.de haben bis zum 15. Februar deutsch- und englischsprachige Schüler in aller Welt eine Million Kinder- und Jugendbücher gelesen und dazu Fragen beantwortet. Der Erfinder ist ein gebürtiger Kaltenbrunner, der am Weidener Augustinus-Gymnasium Abitur gemacht hat und heute in Passau lebt: Albert Hoffmann, Konrektor an der Grund- und Hauptschule im niederbayerischen Ruderting.

Hoffmann ging es wie vielen Pädagogen. Mit den Leseleistungen seiner Schützlinge war er nie richtig zufrieden. "Es war alles mit einer gewissen Frustration verbunden und unendlich aufwändig, Kinder für das Lesen zu begeistern." Lesenächte mit Übernachtung im Schulhaus bedeuteten jede Menge Vorbereitungsarbeit für Lehrer. Der Erfolg war nach der Erfahrung des 56-Jährigen, der mit einer Passauerin verheiratet ist und drei erwachsene Kinder hat, eher zweifelhaft. "Für die Schüler stand da mehr der Event-Charakter im Vordergrund."

US-Vorbild

Der Gedanke, das Internet sinnvoll zu nutzen, um Mädchen und Buben für das gedruckte Wort zu gewinnen, kam ihm bei einem sechsjährigen Auslandsaufenthalt an einer deutschen Schule in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur. Seine Tochter besuchte dort eine amerikanische Privatschule, die ein ähnliches System ausprobierte. Der Vater war von der Methode der Amerikaner begeistert. Das Prinzip lernte er bei einer Fortbildung in den Staaten selbst kennen. Allerdings fand er es durchaus verbesserungswürdig. Sein Hauptkritikpunkt: "In den USA will man damit eher die Leistung feststellen, hier geht es mehr um die Lesebegeisterung."

Da traf es sich gut, dass Sohn Raphael in Seattle Informatik studiert. "Wenn du so ein Programm willst, schreib' ich dir eins", erinnert sich Hoffmann an die Unterhaltung mit dem Filius, die rückblickend wohl die Geburtsstunde von antolin.de ist.

So funktioniert es: Der Lehrer wählt für seine Klasse ein bei antolin.de vorgeschlagenes Buch aus. Die Schüler lesen es zu Hause und im Unterricht. Zum Inhalt müssen die Mädchen und Buben 15 Fragen im Internet richtig beantworten. Dafür gibt es Punkte, die auf einem Lesekonto gut geschrieben werden. Voraussetzung dafür ist gute Textkenntnis.

Der Wettbewerbscharakter und die Verbindung zwischen Buch und neuem Medium kam bei Erstklässlern, Hauptschülern und Mittelstufen-Gymnasiasten so gut an, dass Hoffmann das Projekt mittlerweile nicht mehr allein bewältigen kann, sondern mit Hilfe des Braunschweiger Schroedel-Verlags betreut.

Empfehlungen

In pädagogischen Zeitschriften und Mitteilungen der Kultusministerien verschiedener Bundesländer wird das Leseförderungsprogramm, für das es mittlerweile einen österreichischen und einen schweizerischen Internetauftritt gibt, Lehrern ausdrücklich ans Herz gelegt. Auch die "Stiftung Lesen" fördert Antolin. Die oberste bayerische Schulbehörde rechnet Hoffmann einige Stunden für die Arbeit an antolin.de an.

"Zurzeit werden pro Schultag zwischen 6000 und 7000 Bücher bearbeitet", sagt der Online-Pionier. Im konkreten Fall bedeutete dies, dass jedes Kind seiner dritten Klasse im letzten Schuljahr zwischen 65 und 70 Bücher gelesen hat. Die meisten wissen auch, dass "Tuffy" eine der Katzen von Misses Figgs ist.

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