14.02.2011 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Georg Schmidbauer berichtet über lange Tradition des Brauwesens in Waldthurn: Nur herrschaftliches Bier erlaubt

von Autor JBProfil

Das Brauwesen hat in Waldthurn eine sehr lange Tradition. Darüber berichtete Georg Schmidbauer beim Vereinsabend des Oberpfälzer Waldvereins (OWV) im Gasthaus Kominowski, Oberbernrieth. Ursprünglich sei das Brauhaus im Besitz der Gemeinde gewesen, wurde aber dann der Herrschaft übereignet.

Brauen und Schenken von Bier war nur mit "Zustimmung der Herrschaft erlaubt. Im Zustandsbericht der Herrschaft Waldthurn von 1656 wird aufgeführt, "dass das adelige Haus zu Waldthurn ganz ruiniert und eingefallen ist, obwohl im Malzhaus etliche 100 Achtel Getreide liegen".

Drei Wirtshäuser

Die Gasthäuser waren verpflichtet, nur herrschaftliches Bier auszuschenken. "Zu Letzau, Oedmühle (Neuenhammer) und Georgenberg sind drei eigene Wirtshäuser. Sie müssen jedoch alles Getränk von der Herrschaftsbrauerei zu Waldthurn nehmen."

Sehr ausführlich wird in der Herrschaftsbeschreibung von 1743 über das Waldthurner Brauwesen berichtet. Dem Brauhaus stand ein Braumeister vor, der als Lohn pro Jahr einen Betrag von 66 Gulden (fl) und drei Achtel Korn erhielt. Ihm zu Seite stand ein Brauknecht, der von jedem Gebräu 38 Kronen (kr) erhielt. Für die Herrschaft fiel von jedem Gebräu braunen Bieres ein Betrag von 25 fl und von jedem Gebräu weißen Bieres 15 fl als Einnahme ab.
"Die Waldthurner Bürgerschaft hatte das Recht, in der herrschaftlichen Brauerei zu brauen, jedoch mussten sie je Eimer 24 kr, jährlich etwa 300 fl zahlen", erklärte der Referent.

Nach dem Übergang der Herrschaft von den Lobkowitzern im Jahr 1807 an das Königreich Bayern, ging auch das herrschaftliche Brauhaus in Staatsbesitz über und wurde als "Königliches Brauhaus" von den Brüdern Georg und Joseph Pilz weitergeführt. Nachdem diese kein gutes Verhältnis zur Bürgerschaft hatten, war beabsichtigt, ein drittes Brauhaus zu bauen.

Der Streit ging bis vor das "Königlich bairische General Commisariat des Naab Kreises", wobei der Bau eines dritten Brauhauses fallen gelassen wurde. So schlossen sich Bauwillige zu einer Braugesellschaft zusammen. Bürger kauften am 6. Dezember 1810 das königliche Bauhaus und legten eine eigene "Bräu- und Gesellschaftsordnung" vor.

Finanzielle Probleme

Von Anfang an hatte die Braugesellschaft mit der Bezeichnung "Kommunbrauerei", aber auch mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, die dem Landgericht Vohenstrauß vorgebracht wurden. Dabei wurde auch bemängelt, dass mehrere Bürger in gewinnsüchtiger Absicht Bier brauen.
Jahr um Jahr gehörten immer weniger der Bräugesellschaft an. Im Jahr 1912 waren es noch zwölf Brauberechtigte und es wurde das Bier von auswärts bezogen. Während das Anwesen der Brauerei schon Ende der 20er Jahre der Raiffeisenverein gekauft hatte, erwarb dieser auch um 1955 das alte Brauhaus, das abgerissen wurde.

Damit endete die etwa 600 Jahre dauernde Waldthurner Brautradition. Werner Pankotsch dankte Schmidbauer mit einem Präsent für den interessanten Vortrag.

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