"Girls' und Boys' Day": Janine, Olivia und Antonia versuchen sich als Kfz-Mechaniker, ...
Ölstand prüfen, mit Bauklötzen spielen

Altenstadt/Oberwildenau. (bgm) Maximilian Ehinger besucht die 7. Klasse der Lobkowitz-Realschule. Am Donnerstag jedoch ist der Altenstädter in seinen früheren Kindergarten zurückgekehrt. Es ist "Boys' Day", und Maximilian will in den Beruf des Erziehers reinschnuppern.

Eigentlich wäre auch noch sein Freund dabei gewesen, der musste aber krankheitsbedingt absagen. So steht er jetzt ganz allein den spielwütigen Kindern der "Arche Noah" gegenüber. "Ich hatte mir das nicht so laut vorgestellt", ist sein erster Eindruck. Die Kinder scheinen ihn schon voll akzeptiert zu haben. Hilfesuchend streckt ihm ein Mädchen einen Joghurtbecher entgegen, weil sie den Deckel nicht aufbekommt. Routiniert sorgt Maximilian für Abhilfe.

Der Realschüler könnte sich gut vorstellen, einmal Koch zu werden, "teilweise auch Erzieher". Bei diesem Beruf schrecken ihn aber die begrenzten Verdienstmöglichkeiten ab. "Wenn man mal eine Familie davon ernähren muss, wird's schwierig", meint er. "Viele Erzieher arbeiten eher in Kinderheimen, wo sie mit Wochenenddienst oder Nachtschicht mehr verdienen können", erklärt auch Kindergartenleiterin Ingrid Bauer.
"Wir finden's gut, dass Schüler beim "Boys' Day" zu uns kommen", erzählt sie weiter. "Es wäre wichtig für die Kinder, dass sie auch männliche Bezugspersonen haben." Oft würden die Kleinkinder daheim von ihren Müttern betreut, im Kindergarten seien dann nur weibliche Erzieherinnen, und auch in der Grundschule gäbe es fast nur noch Lehrerinnen. "Den Kindern gefällt's auf jeden Fall."

Voll beschäftigt

Maximilian ist derweil schon wieder voll beschäftigt. Mit drei Jungs baut er an einer ICE-Strecke, die sich quer durchs Zimmer schlängelt. Gleich darauf muss er beim Turmbau assistieren, und alles Tun und Lassen wird stets von einer Maulwurfhandpuppe kommentiert, die sich ein kleiner Mann über die Finger gesteckt hat. Schief angeschaut wird er wegen seines Interesses am Erzieherberuf bei seinen Klassenkameraden überdies nicht. In seiner Klasse sind sowieso nur fünf Jungs. In Oberwildenau geht es zur gleichen Zeit viel handfester zu. Janine Scharnagl und Olivia Weihrauch aus der 8. Klasse des Elly-Heuss-Gymnasiums sowie Antonia Striegan vom "Augustinus" wollen einen Eindruck von der Arbeit in einer Kfz-Werkstätte gewinnen. Kfz-Häusler nimmt erstmals am "Girls' Day" teil. Der Betrieb hat 19 durchwegs junge Mitarbeiter, darunter auch Tanja Berner, die zur Kfz-Mechatronikerin umschult und das schwere Abschleppfahrzeug fährt. "Die Leute sind schon oft sehr erstaunt, dass eine Frau aus dem Abschleppwagen steigt. Manche Passanten bleiben auch stehen und schauen zu, ob alles klappt."

Schmutz kein Problem

Janine, Olivia und Antonia prüfen in der Zwischenzeit den Ölstand eines Fahrzeugs, helfen beim Reifenwechsel und dürfen beim Austausch von Bremsklötzen Werkstattmeister Christian Hösl zur Hand gehen. Sie wollen einfach mal ausprobieren, wie der Arbeitsalltag in einer Autowerkstatt abläuft. Dabei haben die 14- und 15-jährigen Pennälerinnen vorher noch nie mit einem Schraubenschlüssel hantiert. Berührungsängste mit Schmierfett, Altöl und Bremsstaub haben sie aber keine, wie sie unisono versichern. Auch Werkstattmeister Hösl lobt seine Schützlinge: "Sie machen sich ganz gut."

Stefanie Häusler von der Geschäftsleitung ist vom "Girls' Day" angetan. Auch von ihrer Mitarbeiterin Berner weiß sie nur Gutes zu berichten: "Was sie macht, davon sind die Männer beeindruckt."

Ob die drei Schülerinnen wirklich mal einen technischen oder handwerklichen Beruf ergreifen wollen, wissen sie zwar noch nicht. Jedenfalls dürfte für sie klargeworden sein, dass auch die klassischen Männerberufe kein Tabu für Frauen sind.
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