30.05.2011 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Giselind Langhans ist überzeugt: Kinder profitieren von berufstätigen Müttern: "Zu viel Wissen liegt brach"

Giselind Langhans blättert im Tagebuch ihrer Mutter. Darin hatte Dr. Elfriede Langhans ihrer vorübergehenden Rückkehr aus Stuttgart gerade zwei Zeilen gewidmet: "Ab 1.11.1954 wieder in Eschenbach, übernehme die Leitung der Privaten Realschule." Bild: cd
von Autor CDProfil

Mehr Vollzeitjobs für Frauen, Frauenquote für die Führungsetagen der Wirtschaft, gleiche Bezahlung, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Alles aktuelle Themen, die belegen, dass es in Sachen Gleichstellung immer noch Nachholbedarf gibt. Für die Politiker-Generation der Nachkriegsjahre waren solche Forderungen undenkbar. Den Platz der Frau sahen sie daheim bei den Kindern, das Sagen hatte von Rechts wegen weiterhin der Mann.

Über neun Jahre ließen sie ab 1949 verstreichen für eine - halbherzige - Anpassung des bürgerlichen Rechts an den Gleichberechtigungsartikel 3 des Grundgesetzes. Und selbst 1961 hieß es noch, Müttererwerbstätigkeit sei "erzwungenes Unheil".

Respektvoller Umgang

In diesem alles andere als frauenfreundlichen Klima fiel Dr. Elfriede Langhans eine Führungsrolle zu, die sie selbst gar nicht angestrebt hatte: Im 1. November 1954 bis zum Schuljahresende im Sommer 1955 übernahm sie die Leitung der privaten Realschule in Eschenbach. Ohne ihre Rückkehr wäre die Anstalt, Vorläuferin des heutigen Gymnasiums, in ihrem Fortbestand gefährdet gewesen (ausführlicher Bericht auf Seite 25 der heutigen NT-Jubiläumsbeilage).
Ihre jüngere Tochter Giselind Langhans, im Juni 1948 geboren und damit nur 14 Wochen älter als die von den Eltern aufgebaute Schule, sagt rückblickend: "Ich finde es gut, dass ich eine Mutter hatte, die kein Hausmütterchen war." Daheim sei Gleichberechtigung selbstverständlich gewesen. Die Eltern seien sehr respektvoll miteinander umgegangen, der Vater habe mitgeholfen, wo er konnte: "Und er hat sich auch nicht geniert, mich im Kinderwagen spazieren zu fahren." Zwei kleine Töchter und ein voller Lehrauftrag - ohne die Mithilfe der Oma Maria Seifert wäre das kaum möglich gewesen: "Sie hat unserer Mutter viel abgenommen."

Dr. Elfriede Langhans gab neben ihren angestammten Fächern Deutsch und Französisch in der schwierigen Aufbauphase in Eschenbach zeitweise auch Unterricht in Latein und Turnen. Ihr Mann Edmund Langhans war Mathematiklehrer und von 1948 bis 1954 der erste Leiter der privaten Realschule.

Beide hatten in Prag studiert und ihre erste Anstellung am deutschen Staatsrealgymnasium in Jägerndorf (heute Krnov), wo die damals noch ledige Dr. Elfriede Seifert 1936 die erste "Professorin" war. Die Tochter weiß aus Erzählungen: "Das gab eine ganz schöne Aufregung an dem Tag, weil die Männer wussten, da kommt eine Frau."
Nach dem Studium der Germanistik und Romanistik hatte die Philologin promoviert. "Meine Mutter war eigentlich eine bescheidene Frau. Sie hat sich nie etwas eingebildet auf ihren Doktortitel, obwohl er damals für eine Frau schon etwas Außergewöhnliches war", betont Giselind Langhans. Die Mutter schildert sie als Intellektuelle, der aber auch das Menschliche sehr wichtig gewesen sei. Nicht perfekt im Haushalt, trotz allem aber der "mütterliche Typ" mit viel Verständnis für die Schüler: "Streng, aber nicht unnachsichtig."

Keine "Rabenmütter"

Dass sie immer gearbeitet hat, findet die Tochter gut. Sie ist überzeugt: "Das Kind profitiert davon, wenn die Mutter berufstätig ist." Deshalb sollten diese Frauen nicht als "Rabenmütter" betrachtet werden. Ihr Wunsch in Sachen Gleichberechtigung heute? "Dass die Männer daheim mehr Aufgaben übernehmen. Da fällt ihnen kein Zacken aus der Krone!" Wenn sie zufriedenere Partnerinnen hätten, komme ihnen das selbst wieder zugute.

Noch aus einem anderen Grund plädiert Giselind Langhans für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie: "Die Frauen haben alle was Ordentliches gelernt, und das sollten sie auch anwenden. Sonst liege zu viel Wissen brach: "Das muss sich ändern!"

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Weitere Informationen und Bilder im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/1954

 

 

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