11.02.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

"Glas-Kunst-Orte" zeigt vom 20. Februar bis 13. März in Weiden zeitgenössische Glaskunst Träger von Licht und Inspiration

Funkelndes Glas, das seinem faszinierten Betrachter nicht nur optischen Genuss bietet, sondern noch eine Geschichte erzählen möchte, ist dieses Frühjahr in der 13. Ausstellung "Glas-Kunst-Orte" mit Unterstützung des Medienhauses im Rahmen der 14. Bayerisch-Böhmischen Kultur- und Wirtschaftstage zu sehen.

Glasobjekt von Jan Adam in der Ausstellung "Glas, Architektur und Wohnkultur".
von Redaktion OnetzProfil

Im Neuen Rathaus eröffnet am 20. Februar um 11 Uhr die Veranstaltung der Stadt, die von der Regionalbibliothek und der Volkshochschule Weiden/Neustadt organisiert wird. Dem Gedanken des Brückenbauens in den Osten folgend, werden auch heuer (nach sorgfältiger Auswahl von Diplom-Bibliothekarin Karin Holl) je ein tschechischer und ein deutscher Glaskünstler von Rang und Namen präsentiert: diesmal sind es Theodor G. Sellner aus Lohberg im Bayerischen Wald und Jan Adam, dessen Studio in der Nähe von Karlsbad liegt.

Beide gehören altersmäßig derselben Generation an und sind stark von der Malerei beeinflusst. Vorgestellt werden diese beiden Künstler dem Eröffnungspublikum von der Kunstkritikerin Ines Kohl. Die Vernissage wird musikalisch umrahmt von der Flötistin Sybille Wagner und der Harfenistin Martina Englhart. Die Öffnungszeiten der Ausstellung im Neuen Rathaus sind: montags bis donnerstags 8 bis 17 Uhr, freitags 8 bis 14 Uhr, samstags 10 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags 11 bis 17 Uhr. Wie in den letzten Jahren werden auch dieses Jahr dreitausend Besucher über die gesamte Ausstellungszeit erwartet, die zum wachsenden Teil aus allen Ecken Deutschlands anreisen.

Doch wer ist Theodor G. Sellner aus Lohberg? Glas soll nicht kunsthandwerklich zum Selbstzweck bearbeitet werden, sondern Träger einer Aussage sein, meint der gebürtige Zwieseler (Jahrgang 1947), der nach dem Besuch der Zwieseler Fachschule für Glas in Italien und den USA studierte, in den achtziger Jahren Gastdozent an der Universität Erlangen-Nürnberg wurde und international geschätzt wird mit seinen "Lichtbringern" und "Wegzeichen". Werke des mit der Goldmedaille des Bayerischen Staatspreises ausgezeichneten Künstlers und Patentinhabers befinden sich in großen Museen, Botschaften und Universitäten der Welt (Paris, Mexiko, Wagga Wagga/Australien, Gus Krustalny/Russland, Corning/New York) und im Industriemuseum Theuern.

Ein ganzes Jahr hat Theodor G. Sellner intensiv auf "Glas-Kunst-Orte" hingearbeitet. Gegen das Traurigsein in Deutschland setzt der Künstler in seinen dreischichtigen plastischen Vasen eingeschmolzene menschliche Figuren, die fröhlich tanzen, weil sie begriffen haben, dass es ihnen gar nicht so schlecht geht. Eine dieser Vasen wurde auf Flyern und Plakaten zum Flaggschiff der diesjährigen Ausstellung. Ferner zeigt Sellner unter dem Thema "Hausung" Fragmente von Behausungen, und als Hauptstück wird Sellner eine beeindruckende fünfzehn Mann starke "Armee" seiner berühmten "Friedenswächter" nach Weiden bringen.

Der tschechische Glaskünstler Jan Adam (geboren 1948 in Liberec), Akademieschüler des legendären Prager Professors Stanislav Libensky, erlebt seit einigen Jahren ein Comeback in seinem Heimatland, das er Anfang der achtziger Jahre in Richtung Westen verlassen hat. Von 1981 bis 1984 arbeitete er als Designer bei Rosenthal in Selb, bis er 1985 das Glasblasen erlernte und ein Studio im bayerischen Oberstaufen gründete, dem 1992 ein Studio in Hamburg und ein Lehrauftrag an der Hochschule für Bildende Künste folgte.

In Deutschland ist Jan Adam momentan mit einem großen Showroom in Berlin, in der Schönhauser Allee 8, vertreten. Der Zusammenhang von Glas und Architektur ist Jan Adam wichtig, seien es farbige Hotelfenster in Prag oder für das Vollcontainerschiff "Stuttgart", Außenfassaden in Hamburg oder das Glasmosaik in den "Fünf Höfen" im Zentrum Münchens, auch in der dortigen "Neuen Sammlung" ist Adam vertreten. An Auszeichnungen sind hier der Münchner Dannerpreis 1993 sowie Auszeichnungen der Stadt Hamburg und der USA zu erwähnen. Adam versteht die Kunst des zusammengeschmolzenen Glases, das Schalen wie Skulpturen aus Eis oder Bergkristall wirken lässt.

Mit Kooperation vom Kunstverein Weiden und der Fotogalerie G4 in Eger wird im Neuen Rathaus zeitgleich auch zeitgenössische tschechische Fotokunst des Pragers Jan Pohribny (geboren 1961) und Kamil Varga (geboren 1962 in Sturovo) zu sehen sein, die von Wolfgang Herzer, dem Kunstvereinsvorsitzenden, erläutert werden wird. Auf drei weitere Highlights der zahlreichen Rahmenveranstaltungen von "Glas-Kunst-Orte" sei hingewiesen: Ab dem 20. Februar ist im Innenhof des Waldsassener Kastens ein "Skulpturengarten von zehn Künstlern des Oberpfälzer Kunstvereins zu bewundern.

Und in der hoch interessanten Architektur des neuen E.ON-Kundencenters (Moosbürger Straße 15) mit seinem "Garten des Wassers" und "Garten des Lichts" ist ab dem 25. Februar (Vernissage um 18 Uhr) "Glass ART" von Angela Willeke (Jahrgang 1952) aus Brandenburg zu sehen, welche die neuen Bundesländer bereits international vertritt. Die Werkeinführung zu den großen farbigen und klaren Installationen übernimmt Gernot Merker.

Ein einzigartiges Kunsthappening im Rahmen von "Glas-Kunst-Orte" ist in Neustadt/WN zu erleben: Vor seiner Übergabe an den Straßenverkehr wird der 360 Meter lange Mühlbergtunnel zum spektakulären Kunstobjekt: Der Weidener Künstler Axel T. Schmidt beleuchtet das Bauwerk unter dem Titel "Die Herde" mit fünfzig blaugrünen Glasballonen: Am 5. März ab 20 Uhr ist dieser "Farb^LeuchtRaum"-Tunnel für Fußgänger begeh- und erlebbar. Als markanter Wegweiser fungiert heuer erstmals der GLAKUMA, der Glaskunstmann, gefertigt bei Glas Schöninger Weiden, der auf die Veranstaltungsorte in der Region hinweist.

"Glas-Kunst-Orte" wurde schon immer mit Begeisterung und Phantasie von vielen Schultern mitgetragen, das ist auch dieses Jahr nicht anders: Das City-Center Weiden zeigt ab dem 15. Februar (Eröffnung um 18 Uhr) zum "Mythos Glas" eine Privatsammlung von Paper Weights (Briefbeschwerern), sowie Arbeiten von Glaskünstlern aus dem traditionsreichen Glasmacherort Lauscha in Thüringen. Ab dem 20. Februar zeigt der Uhrenmacher Erich Gruhle (Schulgasse Weiden) Glasschmuck aus der neuen Collection von Ursula Distler.

Weingläser aus zwei Jahrhunderten sind ebenfalls in der Schulgasse beim Antiquitätenhändler Georg Strehl zu bewundern und zu erwerben. Das Porzellan-Glasfachgeschäft Sonna (Oberer Markt 11) präsentiert ab dem 20. Februar Schalen und Vasen der griechischen Künstlerin Anastasia. Das Nachbargeschäft Sebald "Uhren/Gold" am Oberen Markt stellt neue Objekte aus der Glasschmuck-Collection von Susanne Kindler-Bodamer aus.

Die Regionalbibliothek zeigt in ihrer Kleinen Galerie "Reflektionen" in Form von Fotografien und Objekten der amerikanisch deutschen Künstlerin Marion Mack. Das Stadtmuseum Weiden beteiligt sich an "Glas-Kunst-Orte" ab dem 27. Februar (Eröffnung: 11 Uhr) mit dem Thema "Historie trifft Moderne aus Thüringen und Böhmen" durch Glasobjekte aus dem Stadtmuseum Lauscha.

Die Gärtnerei Steinhilber Neustadt unterstützt mit Hilfe der Kulturfreunde Lobkowitz das Projekt "Musik und Literatur" vom Gymnasium Neustadt mit dem Max-Reger-Gymnasium Amberg: am 4. März um 19 Uhr wird in den Geschäftsräumen in der Inneren-Flosser-Straße 12 das spätromantische Märchen "Das kalte Herz" des Schriftstellers Wilhelm Hauff mit Musik vorgetragen.

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