09.09.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Große Feier am Wochenende: Besucherbergwerk Reichhart-Schacht besteht seit 25 Jahren Zeuge blühender Bergbauzeiten

Mit Stolz und Respekt wird Bergwerksbesitzer Konrad Reichhart am Wochenende zum 25-jährigen Bestehen des Besucherbergwerks (siehe weiteren Artikel auf dieser Seite) an seinen verstorbenen Vater Josef Reichart zurückdenken. Er verwirklichte die Idee, den Reichhart-Schacht in ein Museum umzugestalten.

von Herbert RohrwildProfil

Er wird sich auch erinnern, dass die Entdeckung der Flussspatader durch Wilhelm Reichart eher einem Zufall zu verdanken ist und sein Urgroßvater 1890 beim Bau eines Brunnens auf das Mineral stieß. Der Gutsbesitzer teufte daraufhin einen 40 Meter tiefen Schacht und fuhr die Lagerstätte "im Streichen" auf.

Der geförderte Flussspat ist mit dem Pferdefuhrwerk nach Schwarzenfeld zum Bahnhof transportiert worden. Von hier aus wurde er zu den Glashütten nach Böhmen verschickt. Sein Nachfolger Georg Reichhart stellte 1921 den Betrieb ein. In der Folgezeit versuchten auch andere Privatleute in der näheren Umgebung ihr Glück. So traten kleinere Unternehmen auf den Plan, die die vormals privaten Gruben erwarben und weiter betrieben. In den zwanziger Jahren wurden im Oberpfälzer Revier bereits 50 000 Tonnen Flussspat gefördert. In den 50er Jahren war die "Cäcilia" die weltweit größte Flussspatgrube - abgebaut wurde bis zu 290 Meter Tiefe .

2,5 Millionen Tonnen

Bis zur Schließung der letzten Flussspatgrube "Hermine" Ende 1987 wurden im Nabburger/Wölsendorfer/ Stullner Revier insgesamt 2,5 Millionen Tonnen Flussspat zu Tage gefördert. Aber was war in dieser Zeit mit dem "Reichhart-Schacht" geschehen? Durch einen glücklichen Umstand gelangte er 1974 in den Besitz der Familie zurück. Ursprünglich planten die Betreiber der Grube Cäcilia den Abbau der hier seit 1921 noch ausstehenden 2000 Tonnen Flussspat. Da der notwendige Über-Tage-Abbau hohe finanzielle Aufwendungen verursacht hätte, wurde von der Ausbeutung abgesehen. Dieser Entscheidung verdankt das Besucherbergwerk seine Existenz. Der Vater des jetzigen Besitzers erwarb den Schacht zurück.

Von 1974 bis 1980 baute Josef Reichhart den Schacht bis auf die Acht-Meter-Sohle als Schaubergwerk aus. Nach der Schließung der Grube "Hermine" wurde die Wasserhaltung eingestellt: Grundwasser überflutete den Reichhart-Schacht. Der Einbau einer eigenen Pumpanlage ermöglichte die Erschließung eines alten Ganges bis zur Tiefe von 30 Metern und nach sechsjähriger Bauzeit konnte der renovierte Stollen im Mai 1996 für die Öffentlichkeit frei gegeben werden.

In einem weiteren Ausbauschritt ist ein zweiter Gang angelegt worden. Die Besucher unterqueren die Straße und gelangen durch den am 19. März 1999 eröffneten Gottes-Segen-Schacht ans Tageslicht. Seit der kirchlichen Segnung im Jahre 1980 durch Weihbischof Karl Flügel ist ein Vierteljahrhundert verflossen. Rund 6000 Besucher zeigen jährlich Interesse für den einzig begehbaren Schacht, der an den einst blühenden Flussspatbergbau in diesem Revier erinnert.

Mit Rat und Tat

Der 75-jährige Linus Kestel - als Bauingenieur in den letzten Monaten des Abbaus für die "Abwicklung" zuständig - steht mit Rat und Tat zur Seite und leitet auch Führungen. Kestel erklärt in der Befahrungsstube vor dem Betreten der Stollen die Entstehung des Flussspates, berichtet von seiner Jahrhunderte langen Verwendung für die Glasherstellung, vom Einsatz in metallurgischen Prozessen als Flussmittel zur Herabsetzung des Schmelzpunktes sowie als Lösungsmittel bei der Schmelzflusselektrolyse zu Aluminiumgewinnung und in der Chemie. Stellvertretend für viele Produkte aus dem Grundrohstoff Fluor verweist er auf Kunst- und Raketentreibstoffe, Zahnpasta und Kältemittel.

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