08.06.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Haken der Straßenumstufung: Markt muss kostspielige Rohrdurchlässe für Froschwanderung bauen Markträte schlucken die Kröte

Als sie die Summe hörten, schauten die Markträte ungläubig: Für 34 000 Euro hat die Kommune Krötentunnel zu bauen. Ansonsten kann die Gemeindeverbindungsstraße Neunaigen-Unterköblitz nicht umgestuft werden. Nach langer Diskussion schluckten die Markträte die Kröte, da sie mit der Umstufung letztendlich finanziell immer noch günstiger fahren - auch mit Tunnel.

von Claudia Völkl Kontakt Profil

Bereits 1998 hat der Marktrat die Umstufung der Gemeindeverbindungsstraße Neunaigen-Unterköblitz zur Staatsstraße beschlossen. Die umfangreichen Verhandlungen mit Straßenbauamt und Landkreis sind abgeschlossen. Nun lag die Umstufungsvereinbarung auf dem Tisch. Wesentlicher Inhalt: Die bisherige Staatsstraße 2399 von Neunaigen zur B 14 (Birkenstrasserl) wird zur Kreisstraße SAD 54 abgestuft, die bisherige Gemeindeverbindungsstraße Neunaigen-B14-Unterköblitz im Gegenzug im Bereich des Neubaues von Neunaigen bis zur B 14 zur Staatsstraße 2399 aufgestuft.

Bevor die Vereinbarung in Kraft tritt, hat der Markt im Zuge des jetzigen Straßenverlaufs im Bereich der Schmalweiher noch vier Rohrdurchlässe für die Froschwanderung einzubauen. Die Kosten werden auf rund

34 000 Euro geschätzt.

Vorteile der Umstufung

Butz hatte die Vorteile der Umstufung errechnet: Winterdienst, Straßenrandpflege, Straßenunterhalt fallen weg. "Und irgendwann kommen die ersten Risse", meinte er mit Blick auf den Asphaltbelag, der auch mal repariert werden müßte. Auf zwölf Jahre gesehen würde der Markt durch die Umstufung 208 000 Euro sparen. Im Gegenzug sind jedoch 34 000 Euro für die Frösche auszugeben.

Dem Kopfschütteln der Markträte hielt Butz entgegen, dass es für Staatsstraßen die gesetzliche Regelung gebe, in von Fröschen frequentierten Bereichen alle 30 Meter einen Durchlass zu bauen. Bei der anstehenden Maßnahme habe das Straßenbauamt einem größeren Achsabstand zugestimmt. Doch bei weniger als vier Durchlässen spiele die Behörde nicht mit.

Seit zwei Jahren ist auch gesetzlich verankert, dass die Kommune zu Schutzmaßnahmen verpflichtet ist. Der Markt müsste dem Bund Naturschutz eigentlich 2500 Euro pro Jahr für den Krötenschutz, den Aufbau der Zäune und das Einsammeln der Tierchen zahlen. In der Gemeinde habe diese Aufgabe ein Bürger ehrenamtlich übernommen. Doch wenn damit einmal Schluss wäre, gucke das Straßenbauamt in die Röhre. Also werden die Durchlässe gefordert.

"Weiß die Kröte das"?

Tobias Schlosser hatte dafür kein Verständnis. Krötentunnel sollen vom Markt finanziert werden, doch für Maßnahmen, damit Bürger die überbelastete B 14 überqueren können, habe das Straßenbauamt kein Geld. "Wo ist da der Tunnel?" Und der Kröte sei es doch wohl egal, ob die Straße dem Kreis, dem Staat oder der Kommune gehört. "Sie überquerte die Straße, als sie der Marktgemeinde gehörte. Jetzt wo sie dem Staat gehört, braucht sie laut Behörde einen Tunnel. Weiß die Kröte das?"

"Wo steht geschrieben, wie groß das Rohr sein muss?" warf Reinhard Kastner ein. Er habe im Amphibienhaus des Tierparks Hellabrunn mit einem Experten gesprochen, der den Durchmesser für völlig unnötig gehalten habe. 20 Zentimeter würde laut Kastner reichen. Butz nannte die Bestimmungen: Ein Meter Durchmesser, schottergefüllt und auf ebener Fläche verlegt. Das verlange laut Behörde das Straßen- und Wegegesetz. "Ich hab' aber schon gesagt, dass wir den Kröten keine Beleuchtung bauen werden", meinte er ironisch. Georg Schlögl gab zu bedenken, dass die Rohrbreite der geringste Kostenfaktor der Maßnahme sei. Beim Rohrdurchmesser "streiten wir um 1500 Euro", stimmte ihm Bürgermeister Butz zu.

Erwin Hartinger schüttelte den Kopf über die Kosten der Gesamtmaßnahme, zumal es die Gemeinde beim Haushalt "zwickt". Doch unterm Strich sei es wirtschaftlicher die Rohrdurchlässe anzulegen, statt auf die Umstufung zu verzichten. Der Markt genehmigte mit einer Gegenstimme die Umstufungsvereinbarung. Mit dem Straßenbauamt soll darüber verhandelt werden, ob der Einbau erst 2005 realisiert werden kann, das die Finanzen heuer nicht ausreichen.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.