02.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Hans Duschner kämpft um eine Abrissgenehmigung für über 400 Jahre altes Fachwerkhaus Vulgäre Botschaften am Denkmal

Hans Duschner (77) versucht seit 36 Jahren vergeblich, eine Abrissgenehmigung für ein altes Fachwerkhaus auf seinem Grundstück zu erlangen. Seinem Ärger und Frust macht er an den Hauswänden Luft. An diesen prangen Plakate und Schilder. Die handgeschriebenen Botschaften sind nicht selten vulgär oder beleidigend.

Hans Duschner gibt eine Hausführung und weist auf den maroden und sanierungsbedürftigen Zustand hin.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Zu lesen gibt es unter anderem Sprüche wie "Diktatur gibt es nicht nur in Nordkorea, auch bei uns (Denkmalschutz und Gemeindeverwaltung)" - einer der harmloseren Sorte. Das ist die emotionale Seite der Geschichte.

Zu den Fakten zählt, dass das unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus (Baujahr 1576) auf dem Grundstück Duschners steht und er der Besitzer ist. Bis 1984 wohnte er sogar in dem Gebäude. Der Sanierungsbedarf ist selbst für Laien nicht zu übersehen. Ein befreundeter Architekt hat sich laut Duschner das Bauwerk angeguckt und die Kosten für eine Sanierung auf 1,5 Millionen Euro geschätzt.

Einen genauen Aufschluss könnte eine sogenannte denkmalpflegerische Voruntersuchung geben. Eine solche ist bisher noch nicht zustande gekommen. In einer Stellungnahme des Landratsamtes heißt es: "Das Landesamt für Denkmalpflege und die Untere Denkmalschutzbehörde setzen sich seit über 30 Jahren für den Erhalt dieses Baudenkmals und gegen einen Abbruch ein. Durch die Denkmalbehörden wurden dem Eigentümer mehrmals sowohl Beratung als auch finanzielle Beteiligung zum Erhalt des Baudenkmals angeboten."

Nachweise fehlen

Der ehemalige Landwirt Duschner hatte nach eigenen Aussagen das Gebäude schon einmal dem Freilandmuseum Neusath-Perschen angeboten - das Vorhaben scheiterte. Deshalb möchte er nun weiterhin das Gebäude, dessen Dach er vor einigen Jahren saniert hat, lieber abreißen.

Zum Thema heißt es in der Stellungnahme: "Sollte sich bei der denkmalpflegerischen Voruntersuchung ergeben, dass das Baudenkmal einen derart desolaten Zustand erreicht hat, dass eine Sanierung im Wesentlichen einen Neubau schaffen würde und damit eine Instandsetzung unter Wahrung der Denkmaleigenschaft nicht mehr möglich ist, ist unter Umständen davon auszugehen, dass einem Abbruchantrag stattzugeben ist. Dafür fehlen aber aktuell die erforderlichen Nachweise."

Dass der Streit in naher Zukunft beigelegt wird, darf mehr als bezweifelt werden. Das zeigt ein weiterer Hausmauer-Spruch Duschners, der wie eine Kampfansage klingt: "Der Klügere gibt nach, aber nicht auf."

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