Hans Hubmann führte Tagebuch über den Ersten Weltkrieg und seine Gefangenschaft danach
"So müde war ich im Leben nicht"

Hans Hubmann als Soldat im Ersten Weltkrieg. Repro: wku

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges jährt sich heuer zum 100. Mal. Zwischen 1914 und 1918 kam es auf den Schlachtfeldern zu grausamen Gemetzeln. Die anfängliche Kriegsbegeisterung wich rasch großer Ernüchterung, zumal immer mehr Familien um Angehörigen trauern mussten.

50 Gefallene und Vermisste sind aus der Königsteiner Gemeinde zu beklagen. Besonders hart traf das Schicksal die Familie Schertl ("Neubauer") aus Hannesreuth. Drei Söhne fielen im Ersten Weltkrieg, das Schicksal des vierten im Zweiten Weltkrieg blieb ungewiss.

Tod nach dem Krieg

Andere Königsteiner Soldaten kamen verwundet oder krank nach Hause. Johann Georg Kellner ("Hausamen") war Sanitäter im Krieg und erlitt eine Vergiftung während eines Giftgasangriffs. Noch dazu holte er sich ein Rückenmarksleiden. Sieben Jahre nach dem Krieg starb er an den Spätfolgen, kinderlos und nur 35 Jahre alt.

Manche Soldaten hatten das Glück, gesund nach Hause zurückzukehren. Als besonders wertvolles Dokument hat sich das Kriegstagebuch von Hans Hubmann erhalten, der darin seine Kriegserlebnisse aufschrieb. Er war Knecht und stammte aus dem Ort Gaißach. Im Juni 1916 musste er mit gerade 19 Jahren in ein bayerisches Infanterieregiment einrücken.

Zwischendurch Waldarbeit

Ausführlich beschreibt er die schweren Kämpfe, an denen seine Einheit in Frankreich beteiligt war. Ebenso erwähnt er, dass er zur Waldarbeit zwischendurch nach Hause durfte. Im September 1918 geriet er in französische Gefangenschaft, wo es ihm schlecht erging. Mitte Oktober musste er im Freien übernachten, wo er vor Kälte nicht schlafen konnte.

Über einen 40-Kilometer-Marsch bei Regenwetter ohne Essen von morgens 7 Uhr bis abends 8 Uhr notierte er: "Vor Hunger und Schwäche konnte ich kaum gehen. So müde war ich in meinem Leben nicht."

Ganze 16 Monate blieb er in französischen Gefangenenlagern, bis er endlich Ende Januar 1920 entlassen wurde. 1925 heiratete er die "Fentschn Babett" aus dem Hinteren Markt. Von da an nannten ihn die Königsteiner "Fentscher Hans".

Hans Hubmann kaufte mit seiner Frau um 1930 ein Anwesen im Hinteren Markt und wurde Waldarbeiter. Er überlebte seine Frau und sogar seine Tochter Anni. Im Oktober 1983 starb er im Alter von 86 Jahren.

"Keinen Hass empfunden"

Über wesentlich andere Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg berichtete Andreas Lehnerer, der Großvater von Hans Lehnerer aus Namsreuth. Er war am Stellungskrieg in Frankreich beteiligt. Bei Grabenkämpfen standen sich die Soldaten in den Schützengräben fast Auge in Auge gegenüber.

Hass für ihre Gegner hätten sie nicht empfunden, sich manchmal sogar mit ihnen zwischen den Gefechten getroffen. Irgendwie verständigten sie sich, lachten und machten Tauschgeschäfte. Kam dann doch der Befehl zu kämpfen, hätten die Soldaten ihre Handgranaten in eine ganz andere Richtung geworfen, um die "Schacherfreunde" nicht zu treffen. Daran zeige sich ganz deutlich, dass der Krieg von "oben" verordnet gewesen sei.
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