05.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Hans Zwecks Erinnerungen

von Redaktion OnetzProfil

Der Marschbefehl kam am Vorabend des 1. Oktober 1989. Hans Zweck, damals als Schirrmeister beim BGS Nabburg stationiert, sollte mit 17 Beamten hinauf an die DDR-Grenze bei Feilitzsch und dort auf einen Zug warten, der aus der Prager Botschaft kam. Was Zweck, unterdessen längst pensioniert, dabei erlebte, wird er sein Leben lang nicht vergessen. "Es war mein schönster Einsatz", sagt er heute.

Tränen, Freude, losgelöst von der Angst, vielleicht doch nicht in den Westen zu kommen. "Jeder meiner Kameraden hat einen Waggon übernommen, als der Zug in Feilitzsch stoppte." Erst freundliche Begrüßung, dann die Frage: "Wohin möchten Sie in der Bundesrepublik?" Viele stiegen schon in Hof aus, wurden aufgenommen, fuhren später mit anderen Zügen zu Verwandten oder Freunden weiter. "Es waren dann wohl noch so um die 900 Männer, Frauen und Kinder in dem Zug", erzählt Zweck. Nächster Stopp in Weiden. 300 stiegen am Bahnsteig aus. Nicht lange danach ein weiterer Halt in Nabburg. Auch dort kletterten 300 aus dem Zug, wurden zur BGS-Unterkunft gebracht. Dann Schwandorf. "Ich höre den Jubel am Bahnsteig bis heute", sagt Hans Zweck und fügt hinzu: "Es war eine Ehre, dabei sein zu dürfen." Bei sich daheim gab er zu dieser Zeit nur noch gelegentliche Gastspiele.

Der Mann aus Wolfring (Kreis Schwandorf) hat Einzelschicksale mitbekommen. Zum Beispiel das von einer Mutter und ihrem Sohn. Sie mussten durch einen Fluss schwimmen, um von der Tschechoslowakei nach Ungarn zu gelangen. Oder die Geschichte zweier Mädchen, die zusammen mit einem Freund geflüchtet waren. Der Freund galt plötzlich als vermisst.

Zweck forschte nach und bekam heraus: Er war nach Ostberlin zurückgekehrt und hatte die Wohnung einer seiner Freundinnen ausgeräumt. Die jungen Frauen bekamen ihr erstes Quartier im Westen in Hans Zwecks Heimatort Wolfring. Und dann war da noch ein Mann, der während der Zugfahrt seine Landsleute bestahl. Hans Zweck nahm ihn fest. Heute sagt er: "Ich wüsste gerne, was aus all denen geworden ist." (hou)

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