Heimatgeschichtliche Führung stellt die Besonderheiten der Kürmreuther Kirche heraus
Neue Sichtweise auf St. Laurentius

"Kürmreuth ist ein hochspannender Ort und hat eine hochinteressante Kirche", stellte Dr. Mathias Hensch bei einer heimatgeschichtlichen Führung fest. Gemeinsam mit Kreisheimatpfleger Matthias Conrad brachte er den Teilnehmern den Stoff näher.

Kürmreuth wurde 1121 erstmals urkundlich erwähnt, ist aber wahrscheinlich viel älter. Auf der großflächigen Burganlage wohnte früher ein Amtmann der Sulzbacher Grafen, der Kürmreuth verwaltete. Versorgt wurde die Burg von Wirtschaftshöfen, die sich wahrscheinlich im Bereich des alten Dorfkerns befanden.

In der Mitte der Burg stand und steht heute noch die aus der Burgkapelle hervorgegangene Kirche St. Laurentius. Sie vereint viele verschiedene Bauphasen und reicht möglicherweise in Teilen rund 1000 Jahre zurück. Der Umgriff um die Kirche wurde wahrscheinlich erst seit dem ausgehenden Mittelalter als Friedhof genutzt, nachdem die Burg an Bedeutung verlor.

Völlig neu war für viele Teilnehmer, dass sich an der Kirche ein mittelalterlicher Karner - ein Beinhaus - befindet. Wenn in früheren Zeiten auf dem Friedhof Platzmangel herrschte, wurden die Gebeine der Bestatteten ausgegraben und in eine Gruft unter der heutigen Sakristei umgebettet. Darüber befand sich eine Kapelle, in der Seelenmessen für das Heil der Verstorbenen gelesen wurden. In späterer Zeit wurde die Gruft aufgelöst und ebenerdig aufgefüllt.
An der Außenmauer des Beinhauses befand sich ein sogenannter Ölberg mit einer Darstellung von Jesus und den schlafenden Jüngern im Garten Gethsemane. Ein Fragment dieses über 500 Jahre alten Ölbergs befindet sich nun im Inneren der Kirche neben dem Eingang. Es ist aus Sandstein gearbeitet und war ursprünglich reich bemalt.

Kreisheimatpfleger Matthias Conrad erklärte, dass Ölberge während des 15. Jahrhunderts häufig auf Friedhöfen angebracht wurden. Das Leiden und Sterben Jesu sollte den Trauernden Trost spenden. Auf dem Kürmreuther Fragment fällt ein Hufeisen auf. Es könnte darauf hinweisen, so Conrad, dass der Stifter des Reliefs ein Schmied war. Eine Besonderheit der Kirche ist auch der romanische Taufstein, der einer der ältesten Taufsteine im Umkreis ist.

In die Mauern der Kürmreuther Burganlage flüchtete sich die Bevölkerung mit ihren Tieren und ihrer beweglichen Habe, wenn Gefahr vor Feinden drohte. Zur Verteidigung besaß die Friedhofsmauer Schießscharten. Schlüsselscharten, Kreuzschlitzscharten und ein Mauerrondell in Richtung des evangelischen Gemeindehauses sind heute noch Zeugen dieser Mauerverstärkung, die 1504 im Zuge des Landshuter Erbfolgekriegs nötig wurde. Dazu diente der Turm als Befestigungsturm, der auf der höchsten Stelle Kürmreuths steht.

Zum Schluss waren sich alle Beteiligten einig, dass ihnen Dr. Mathias Hensch und Mathias Conrad die Kürmreuther Kirche in einer völlig neuen Sichtweise nahe gebracht hatten.
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