30.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Historiker Dr. Bernhard Piegsa über die Vereinigung "mit Zuckerbrot und Peitsche"

von Redaktion OnetzProfil

In der für NSDAP-Kreisleiter Paul Arendt typischen "Handstreichmanier" wurde die Vereinigung im Frühjahr 1934 auf die lokalpolitische Tagesordnung gesetzt. Ohne vorherige Absprachen berief Arendt für den 7. April 1934 eine gemeinsame Sitzung von Sulzbacher Stadtrat, Rosenberger Gemeinderat und NSDAP-Kreisleitung in das Rosenberger "Schlössl Franziskaruh" ein.

Unter Aufbietung all seiner Beredsamkeit versuchte er in einem anderthalbstündigen Referat seine Träume schmackhaft zu machen: "Eine 10 000-Einwohner-Stadt ohne Behörden wird es künftig nicht mehr geben, und nachbarlichen Bezirken wird es unmöglich werden, alle Behörden, Anstalten und Einrichtungen, die der Lauf der Zeit mit sich bringt, für sich allein zu beanspruchen." Vor allem die Rosenberger fühlten sich von Arendt überfahren, der schon einen vorformulierten "Vereinigungsbeschluss" mit den fix und fertig eingesetzten Namen aller Kommunalpolitiker beider Gemeinden mitgebracht hatte. Doch der Kreisleiter - ein Virtuose der "Zuckerbrot- und-Peitsche"-Taktik - schüchterte die "Nörgler" schnell ein. Die Schlussabstimmung erbrachte denn auch das erwünschte einstimmige "Ja" zu der von Paul Arendt geforderten "Liebesheirat".

In den folgenden Wochen schlachtete die Partei die neueste "nationalsozialistische Großtat" nach Kräften propagandistisch aus. Die Bevölkerung der beiden Gemeinwesen erfuhr am 9. April 1934 aus einem Aufruf der "Führung der Stadt und der Bewegung" offiziell, dass sie demnächst zu einer "Gesamtbevölkerung von Sulzbach-Rosenberg" zusammengefügt würde. "Mit revolutionärem Kampfgeist" solle nun der planmäßige Aufbau der "machtvollen 10 000-Einwohner-Stadt Sulzbach-Rosenberg" zu einer "Perle der Oberpfalz" in Angriff genommen werden. Einen merkwürdigen Gegensatz zu Arendts Behauptung vom 7. April 1934, hier werde eine "Liebesheirat" vollzogen, bildeten freilich die Appelle an die Einigkeit der Bevölkerung: Wiederholt wurde die Signalzahl der "10 000 Einwohner" der geeinten Doppelstadt beschworen, der "Schwung von 10 000 Kämpfern" eingefordert. Etwa noch vorhandene "Miesmacher", die sich zur "kritiklosen Mitarbeit" nicht freudig bereit fänden, seien als "Feinde unserer Stadt" wohl noch dem "Unverstand vergangener, oft undeutscher Zeiten" verhaftet und wüssten sich obendrein nicht den Interessen "unsere(r) künftige(n) Geschlechter" verpflichtet: "Für unsere Zukunft, für unsere Kinder müssen (!) wir es tun!"

Weitere Information: Bernhard Piegsa: "Aufbruch zwischen Schloß und Hüttenwerk", Band 21 der Schriftenreihe des Stadtmuseums und -archivs. (bjp)

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