Imker-Vorsitzender Hans Krapf begrüßt EU-Verbot bestimmter Pestizide
Bienen vor Chemie-Industrie

Die EU sieht die Risiken, die durch hochgiftige Pestizide für die Bienen entstehen. Um dem Bienensterben in Europa ein Ende zu machen, werden deshalb bestimmte Pflanzenschutzmittel verboten. Ab Dezember soll der Einsatz von drei umstrittenen Nervengiften beim Anbau von Mais, Raps, Sonnenblumen und Baumwolle untersagt sein (wir berichteten).

Hans Krapf, der Vorsitzende der Eschenbacher Imker, hört das gerne. Der Schutz der Honigbienen und der Landwirtschaft müsse vor den Interessen der Chemie-Industrie stehen. Die Bedeutung dieser Insekten werde immer noch unterschätzt, meint Krapf. Deren Bestäubungsleistung habe weltweit einen Wert von fast 200 Milliarden Euro. Außerdem seien Bienen dank ihrer Bestäubungstätigkeit maßgeblich am Fruchtertrag in der freien Natur beteiligt und trügen so zur Ernährung vieler Wildtiere bei.

Riechen beeinträchtigt

Laut Krapf wirken Neonicotinoide als Nervengift nicht nur gezielt gegen Schädlinge. Studien belegen, dass sie schon in geringen Mengen auch die Kommunikation zwischen den Nervenzellen und dem Gehirn der Bienen stören. Fähigkeiten wie das Riechen und Schmecken sowie das Sammelverhalten werden beeinträchtigt. "Bienen sind dann so gestört, dass sie nicht mehr in ihren Bienenstock heim finden und zugrunde gehen."

Eine weitere Frage befasse sich mit der Blütenspritzung. Ist es Landwirten erlaubt, etwa in einen blühenden Rapsbestand während des Bienenflugs Pflanzenschutzmittel auszubringen? Hier regele die Bienenschutzverordnung die Anwendung von bienengefährlichen Pflanzenschutzmitteln. Das Zulassungsverfahren sehe eine Einstufung in vier Gefährlichkeitsstufen vor. Mittel der Klasse 1 dürften weder an blühenden Pflanzen noch an von Bienen beflogenen nicht blühenden Pflanzen an- gewandt werden, betont Krapf.
Mittel der Klasse 2 seien zwar als bienengefährlich eingestuft, dürften aber nach Ende des täglichen Bienenflugs bis 23 Uhr ausgebracht werden. Bei der Klasse 3 seien aufgrund der durch die Zulassung festgelegten Anwendungen des Mittels die Bienen nicht gefährdet.

Zur Klasse 4 zählen Mittel, die bis zur höchsten zugelassenen Aufwandmenge oder Anwendungskonzentration als nicht bienengefährlich eingestuft sind. Einschränkung: Anwendungen in die Blüte sollen vermieden werden oder zum Schutz von Wildbienen in den Abendstunden erfolgen. Interessant findet Hans Krapf Versuche, beim Spritzen mit Pflanzenschutzmitteln eine neue Technik zu verwenden. Bisher landeten Pflanzenschutzmittel, die in die Blüte gespritzt werden, auch im Bienenbrot und im Honig. Riesige blühende Rapsfelder seien in manchen Gegenden die Haupttracht der Bienen und für sie ein gefundenes Fressen.

Um gesund und ertragreich zu sein, werde Raps mit den verschiedensten Pflanzenschutzmitteln behandelt, einige werden sogar in die Blüten gespritzt. Unter den 36 im Bienenbrot nachgewiesenen Wirkstoffen stamme etwa die Hälfte aus Blütenanwendungen, unter den zehn am häufigsten gefundenen seien viele als bienengefährlich eingestufte Rapspräparate, erläutert der Imker.

Neue Ausbringtechnik

Um eine Konfrontation der Insekten mit dem Spritzmittel deutlich zu verringern, solle nun eine neue Technik eingesetzt werden, wobei das Pflanzenschutzmittel durch abgehängte Düsen erst unterhalb der Blüten freigesetzt werde, um dabei die Blüten nicht zu benetzen. Bei ersten Versuchen habe es keine Beschädigungen der Rapspflanzen gegeben, und der geerntete Rapshonig sei frei von Wirkstoffen gewesen.

Dagegen seien im Honig von den mit konventionellen Spritzverfahren bearbeiteten Flächen die bekannten Wirkstoffe nachgewiesen worden. Auch die Pollenvorräte seien deutlich schwächer mit Wirkstoff belastet, wenn die Blüten nicht benetzt werden.

Ein positiver Nebeneffekt sei zudem die geringe Abdriftgefahr, selbst bei windigem Wetter. Der Imkervorsitzende hofft, dass das neue Verfahren nach der Erprobungsphase zu einer Entspannung zwischen der Imkerschaft und dem chemischen Pflanzenschutz beitragen wird und die Anschaffungskosten für die neuen Gerätschaften auch für kleinere Betriebe erschwinglich werden.
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