In Schwetzingen dreht sich alles um den Spargel
Das Gemüse der Kurfürsten

Spargel wird in Schwetzingen königlich angerichtet. Im Frühjahr steht bei vielen Restaurants das schmackhafte Gemüse auf der Speisekarte.
 
Als Vorbild diente Versailles: Besucher aus aller Welt kommen zum Schwetzinger Schloss. Bilder: dpa (3)
Kurfürst Carl Theodor wäre zufrieden, wenn er heute vom Schloss aus das bunte Treiben beobachten könnte. Jedes Jahr im Frühling zog sein Hof von Mannheim in die Sommerresidenz nach Schwetzingen. Immer dann, wenn der Flieder im Schlosspark wieder duftete. Wenn sich auf den kleinen angehäuften Erdhügeln im Küchengarten die ersten Risse bildeten. Dann wussten die Hofgärtner: Jetzt ist es so weit: Der Spargel muss gestochen werden.

Der Monarch war ein anspruchsvoller Gast und Genießer. Er lud Gäste zu Konzerten ins Rokokotheater ein. Dazu wurde der Spargel genüsslich verspeist. Noch heute ist das so. Während im Schlosspark der Frühling erwacht und auf den Feldern ringsum der erste Spargel sprießt, bereiten sich die Künstler auf die Schwetzinger Festspiele vor. Das Rokokotheater ist die Bühne für große Musikkunst geblieben.



Viele bauen Spargel an

Viele Besucher gehen auch zu den Bauern der Region. Fast jeder, der ein Stück vom fruchtbaren Land um Schwetzingen herum besitzt, baut Spargel an. Bereits am frühen Morgen werden die Stängel gestochen. Königlich sei das Gemüse, so witzeln die Landwirte, weil man sich vor jeder einzelnen Stange verbeugen muss. Gute Augen, die die feinen, hellen Risse auf den Hügelbeeten entdecken, ein scharfes Messer zum Abstechen der Stange und viel Fingerspitzengefühl sind notwendig. An diesem Morgen ist auch eine königliche Hoheit schon früh aufgestanden. Katharina I. sortiert die geernteten Stangen. Sie hat einen Hosenanzug an, ihre Füße stecken in Ballerinas - alles nicht besonders majestätisch. Zu allem Überfluss hat die Schwetzinger Spargelkönigin jede Menge Arbeit. Auf dem Feld, am Verkaufstisch und dann auch in der Küche des Familienbetriebes.



Die Wochenenden sind in der Erntezeit ausgebucht. Katharina muss zu Vorträgen, Ausstellungen und Wettbewerben. Und zur Uni muss sie auch noch. Sie studiert Chemie in Karlsruhe. Katharina ist 22 Jahre alt und Spargelbäuerin in sechster Generation. Ihre Großmutter schwört auf den echten Meisterschuss - die bekannteste Sorte. In der Römerzeit entdeckte Kaiser Augustus den Wildling. Mit dem Untergang des Römischen Reiches geriet dieser zwar in Vergessenheit, später jedoch wurde er hinter Klostermauern wieder angebaut.

Erfolg durch Meisterschuss

Der pfälzische Kurfürst Karl Ludwig hörte davon und veranlasste 1650, auf seinem Hofgut Spargel für die Schlossküche kultivieren zu lassen und nannte ihn Meisterschuss. Der Siegeszug des Spargels nahm seinen Lauf. Die Ideen, wie sie ihr Edelgemüse in allen Variationen bekannt machen, gehen den Schwetzingern nicht aus. Konditormeister Utz komponiert ganz spezielle Spargelspitzen in seiner Confiserie: Vollmilchschokolade, gefüllt mit Buttertrüffelmasse, abgeschmeckt mit Champagner und Himbeergeist, das Ganze umhüllt mit heller und brauner Schokolade.

Brot mit Spargelstücken

Die Bäckerbrüder Jürgen und Thomas Rieger haben ein eigenes Brot mit Spargelstücken kreiert. In den frühen Morgenstunden steht Jürgen in der Backstube, mischt Weizenmehl und Weizengrieß, gibt etwas Spargelsud zu einem Teig und formt am länglichen Teil eine Knospe. Wenn das Brot frisch aus dem Ofen in die Backstube kommt, dann ist die Rinde knusprig und innen ganz weich. Von der Bäckerinnung gab es eine Goldmedaille und einen Eintrag ins Geschmacksregister.
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