20.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Innensanierung in der Pfarrkirche macht gute Fortschritte - Unter dem Schmutz von Jahrzehnten ... Stück für Stück zeigt St. Johannes seine Pracht

Der Geruch von Farbe liegt in der Luft. Warm schimmern die frisch eingeölten Holzdielen, auf denen noch in diesen Tagen das sanierte Laiengestühl installiert werden soll. Bald bietet es wieder Gläubigen Platz, die kommen, um zu singen und zu beten.

Kirchenpfleger Wilhelm Schelz hat in 15 Metern Höhe oberhalb des Bildnisses von Gottvater ein besonderes Kleinod entdeckt: Mittig über dem Strahlenkranz befindet sich ein Bildnis des hl. Antonius von Padua, herzförmig inmitten der reichen Akanthusblätter. Die Restauratorin wird es sich demnächst vornehmen.
von Autor SWTProfil

Die Pfarrkirche St. Johannes entfaltet sich in diesen Tagen Stück für Stück in ihrer ganzen Pracht. Ihre Innensanierung ist weit fortgeschritten, das Raumgerüst im Kirchenschiff bereits abgebaut. Nichts erinnert mehr an die grauen, von Rissen durchzogenen Gewölbedecken. Hell strahlen Wände und Säulen, durch die gereinigten Fenster fällt Sonnenlicht.

Schweift der Blick zur Empore, auf der die Orgel noch auf ihre Reinigung wartet, erstrahlt dort ein Fresko von König David und musizierenden Engeln bereits in neuer Frische. Hier waren die Restauratorinnen bereits am Werk.

Entdeckung am Hochaltar

So wie das Fresko werden auch die Bilder im Presbyterium erstrahlen. Dort steht noch bis hinauf in die 15 Meter hohe Kuppel das Ganzraumgerüst. Eine junge Frau in Schutzanzug und mit Mundschutz säubert mit Pinsel und Staubsauger die üppige Ornamentik der Akanthusbögen. Putten, die von unten winzig wirken, hängen hier in ihrer ganzen Größe und werden von Staub und Schmutz befreit. Viel hat sich angesammelt seit der letzten Sanierung. Schicht für Schicht kommen die Schönheiten der Kirche wieder zum Vorschein. Über dem goldumstrahlten Bildnis von Gottvater entdeckte selbst Kirchenpfleger Wilhelm Schelz ein verborgenes Kleinod. Antonius von Padua lächelt dort in den Altarraum hinab. "Kaum ein Kirchenbesucher hat ihn bisher bemerkt", meint Schelz.

Bis Ende Oktober sind die Arbeiten im Presbyterium fertig, hofft der Kirchenpfleger. Bis dahin müssen aber noch viele Deckengemälde gereinigt und instandgesetzt werden. Auch das große Leinwandbild über dem Hauptaltar wartet noch auf die Restauratoren. Die Leinwandmalereien der beiden großen Seitenaltäre befinden sich bereits in der Werkstatt der Spezialisten bei Forchheim. Die Gemälde aus der Barockzeit sind gut 300 Jahre alt. Komplett abgebaut ist auch die Annakapelle.

Anfang 2013 begann die Innensanierung. Zunächst wollten die Verantwortlichen noch Gottesdienste auf der Baustelle feiern, aber dann sahen sie schnell ein, dass dies nicht möglich sein wird. Seitdem versammeln sich die Kirchgänger zu den wöchentlichen Messen in St. Helena am Friedhof.

Risse wichtig für die Statik

Wer sich in der Pfarrkirche umsieht, der ahnt, welches Kleinod sich unter der Schmutzschicht verborgen hat. Die Balustraden an den Emporen sind gesäubert und passen sich den weißen Mauern an. Nichts ist mehr zu sehen von den zentimeterdicken Rissen, die geschlagen wurden. Sie sind bedeutsam für die Statik, wurden wieder zugeputzt und fügen sich nahtlos in die gereinigte Gewölbedecke ein. "Hier wurde nichts gestrichen", erklärt Wilhelm Schelz; die Decke wurde nur gereinigt.

Hunderte von Stunden hat er selbst in die Begleitung der Arbeiten investiert. Er kennt jede Reparatur und weiß, wer gerade wo im Einsatz ist. Auf die Frage nach den Kosten kommt wie aus der Pistole geschossen "1 652 000 Euro", versehen mit dem Zusatz: "Wir bleiben im Kostenrahmen."

Turm gehört der Stadt

2008 begann die Sanierung an der Außenseite. Das marode Dach wäre früher oder später einsturzgefährdet gewesen. 1,05 Millionen Euro kostete diese Maßnahme. 2009 folgte der Kirchturm. Er gehört der Stadt, die 480 000 Euro berappte.

Mit vielfältigen Aktionen bat die Pfarrei um Spenden und fand Gehör, wie Schelz erklärt. "Vor allem die ärmeren und gering verdienenden Menschen haben uns unterstützt", fiel ihm auf. Rund 317 000 Euro gaben Gläubige bis heute für die Sanierung der Pfarrkirche.

Ende im Frühjahr 2015

Auf die Vollendung des Werks freut sich der Kirchenpfleger schon. Seiner Einschätzung wird es im Frühjahr 2015 so weit sein. Danach wird ihm aber sicher nicht langweilig, denn dann steht die thermische Sanierung des Pfarrhauses auf dem Plan.

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