Internationale Karriere

Die Berufsbezeichnung "Designerin" gab es in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts eigentlich noch gar nicht, als Eva Zeisel (1906 bis 2011) sich als Porzellandesignerin einen Namen machte. Die kreative "Grand Dame der Porzellangestaltung", deren Arbeiten noch bis 21. Juli im Internationalen Keramikmuseum in Weiden zu sehen sind, entwarf als junge Frau bis Ende 1931 von ihrem Atelier in Berlin aus Geschirrformen für die Hirschauer Steingutfabrik der Gebrüder Carstens.

Ein Modelleur aus dem Hirschauer Werk stand ihr zur Seite, um die Entwürfe unmittelbar produktionsreif zu machen. Ihre Entwürfe des Jahres 1931 bildeten einen stilistischen Höhepunkt in der 130-jährigen Geschichte der Hirschauer Steingutfabrik.

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Eva Zeisel ging 1932 in die Sowjetunion, machte sich dort mit ihren Entwürfen für die industrielle Massenfertigung von Porzellan einen Namen. Nach einer Intrige und einem daraus resultierenden Gefängnisaufenthalt zog Eva Zeisel nach London, 1938 wanderte sie in die USA aus. Als Jüdin wollte sie sich den nationalsozialistischen Bedrohungen entziehen, verließ Großbritannien mit dem letzten Schiff Richtung USA. Hier begann ihre große internationale Karriere. Bereits am Tag ihrer Ankunft in New York ging sie in ein Porzellanstudio, stellte sich als "exzellente Designerin" vor. Und sie hatte Erfolg, erhielt sofort ihren ersten Designauftrag in den USA.
Die Ausstellung in Weiden zeigt Arbeiten Eva Zeisels aus ihrer Schaffensphase für die Schramberger Majolika-Fabrik, die Hirschauer Steingutfabrik sowie für Thomas/Rosenthal. Und nicht nur in Weiden werden derzeit ihre Objekte präsentiert, parallel sind im renommierten Bröhan-Museum am Charlottenburger Schloss in Berlin Arbeiten Eva Zeisels zu sehen. Die Sonderausstellung "Avantgarde für den Alltag. Jüdische Keramikerinnen in Deutschland 1919 bis 1933" widmet sich neben Zeisel auch Marguerite Friedlaender-Wildenhain und Margarete Heymann-Marks.

In der internationalen Zeisel-Forschung gleichen ihre Arbeiten für Hirschau einem weißen Fleck, es gibt kaum Dokumente, kein belastbares Archiv. Umso wertvoller ist die derzeitige Ausstellung in Weiden, deren Exponate von sechs Sammlern aus Deutschland und der Schweiz stammen. Die Initiative zur Präsentation kam 2011 von Michael Popp aus Nürnberg. Der ehemalige Kunsterzieher ist Nachkomme der Steingut-Fabrikanten-Familie Dorfner.
Popp entwarf ein Ausstellungskonzept zur Präsentation von Zeisel-Arbeiten, stellte dieses den Verantwortlichen bei der Neuen Sammlung in München vor. Jetzt konnte sein Vorschlag umgesetzt werden. Parallel zum offiziellen Ausstellungskatalog veröffentlichte Michael Popp ein eigenes Buch "Eva Zeisel, Keramik-Entwürfe für Hirschau". Die Ausstellung und die Begleitliteratur liefern nun den bislang vollständigsten Überblick über die noch heute modernen Zeisel-Entwürfe des Jahres 1931 für Hirschau.

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Stilistische Wende

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In diesem Jahr entwarf sie fünf verschiedene Service und etwa 45 Einzelprodukte wie Deckeldosen, Schalen, Ascher und Rauchservice, Milchkannen, Butterdosen und Eierbechersets. Mit ihnen vollzog sie eine stilistische Wende, wandte sich allmählich von der streng geometrischen Formensprache des Bauhauses ab und suchte einen weicheren Ausdruck, den sie später in den USA zum "organic design" weiterentwickelte.

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Literatur: Michael Popp: "Eva Zeisel - Entwürfe für Hirschau/Obpf.". Erhältlich bei Michael Popp (E-Mail m.popp@popp-und-partner.de) und im Internationalen Keramikmuseum.

Florian Hufnagl und Josef Strasser: "Eva Zeisel - Keramik-Design - Die spielerische Suche nach Schönheit", erhältlich im Museum.
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