13.08.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Johann Ulrich Himbsel - ein Baumeister aus Neukirchen macht die Bürger Münchens mobil: Freie Bahn an den Starnberger See

Als Königlicher Baurat beeinflusste Johann Ulrich Himbsel (1787 - 1860) die Entwicklung der Landeshauptstadt München und baute "nebenbei" noch die erste Eisenbahnstrecke nach Augsburg. In seiner zweiten Schaffensperiode gründete der größte Sohn Neukirchens die Schifffahrt auf dem Starnberger See. Die Verknüpfung von Schiff und Eisenbahn zeugt von seinem Weitblick.

von Jürgen HerdaProfil

Bei seinem Landsmann Joseph Anton von Maffei aus Hirschau ließ Johann Ulrich Himbsel einen Raddampfer auf Stapel legen. Zu Ehren des inzwischen gekrönten Max II. wurde das 1851 fertig gestellte Schiff auf den Namen "Maximilian" getauft. Voller Optimismus reservierte der frisch gebackene Reeder gleich zwei besonders luxuriös ausgestattete Kabinen für Seine Majestät samt Anhang.

Majestät ging an Bord

Die Rechnung ging auf: Der König selbst und Teile seines Hofstaates gaben Himbsel zur Jungfernfahrt die Ehre. Sie führte an festlich geschmückten Ufern entlang, die bei anbrechender Dunkelheit von Feuerwerk und Laternen beleuchtet wurden. Zeitgenössische Berichte schildern überschwänglich die Begeisterung der Fahrgäste wie der Beobachter am Ufer.

Natürlich sprach ganz München über dieses glanzvolle Ereignis. So fielen schon in der ersten Saison die wasser-, luft- und sonnenhungrige Großstädter regelrecht in Starnberg ein. Grund genug für das oberpfälzische Multitalent, seinen ursprünglichen Plan anzupacken, nämlich für den Zubringerverkehr eine Eisenbahn von Pasing nach Starnberg zu bauen.

Über diese Verbindung hinaus schwebte ihm vor, das gesamte bayerische Oberland verkehrsmäßig zu erschließen. Himbsel wollte den Münchnern die kulturellen und landschaftlichen Glanzlichter zugänglich zu machen und den Gemeinden zu wirtschaftlichem Aufschwung verhelfen. Für den Weitblick des Eisenbahn- und Schifffahrtpioniers spricht, dass seine Visionen längst Wirklichkeit geworden sind.

Finanztechnischer Coup

Auf dem Weg galt es allerdings manches Hindernis zu überwinden. Die Regierung in München und der König selbst äußerten ihre Skepsis gegenüber dem Plan einer Eisenbahn nach Starnberg. Mancher munkelte, der Monarch wolle einfach keine Strecke quer durch sein Jagdgebiet im Forstenrieder Park. Auch weitere Gespräche änderten nichts: Es wurde kein Geld bewilligt.

Mit einem finanztechnischen Kunststück machte Himbsel die Bahn frei. Vertraglich verpflichtete er sich, die Strecke auf eigenes Risiko zu bauen und dann 50 Jahre lang für jährlich 45 000 Gulden an die Königlichen Verkehrsanstalten zu verpachten. Jetzt war es plötzlich kein Problem mehr, die Finanzierung über die Königliche Bank in Nürnberg zu bewerkstelligen.

Aufschwung am See

Im Frühjahr 1854 starteten die Arbeiten in Pasing, und schon im November war der Ausgangspunkt mit Starnberg verbunden. Nun kamen noch mehr Gäste aus der Hauptstadt an den See, die "Maximilian" nahm noch mehr Passagiere an Bord, und die Ufergemeinden blühten auf als Ausflugsorte.

In seiner Wahlheimat Leonie bewohnte der zu Reichtum und Ansehen gekommene Oberpfälzer die im alpenländischen Stil errichtete Villa "Seeheim", die bald zu einem Treffpunkt der Münchner Künstlerszene wurde. Noch heute bewundern Spaziergänger die Wandmalereien des Hauses.

Letzte Ruhe in München

Als streng gläubiger Katholik stiftete Himbsel einen Kreuzweg mit 14 künstlerisch gestalteten Stationen. Er führt von Leonie zur Wallfahrtskirche Aufkirchen. Für ihre Sanierung und Erhaltung griff er tief in seine Privatschatulle. An der Aufkirchener Friedhofsmauer erinnert eine Gedenktafel an den Stifter. Im Gotteshaus findet sich ein Votivbild. Begraben ist Himbsel jedoch nicht hier, sondern auf den Alten Südlichen Friedhof in München.

 

 

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