05.10.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Johann Weber betreibt Go-Kart-Bahn und coacht die ehemalige deutsche Vizemeisterin Wenn die Familie Vollgas gibt

Die Luft flimmert über dem heißen Asphalt. Schwer von Benzingeruch und Hitze ist sie drückend schwül. Irgendwo nebenan im Haidweiher jauchzen Kinder. Für die 13-jährige Jennifer und ihre achtjährige Freundin Selina ist das Planschen nichts. Sie haben Benzin im Blut, ihr Antrieb ist das Geräusch der Go-Karts, die gerade ihre Runden drehen.

von Autor CIMProfil

Die größere der Beiden, die dunkelhaarige Jennifer, sitzt neben der Kart-Bahn im Schatten des Sonnenschirms und beobachtet die Vereinsfahrer aus Dingolfing. Die kleine Selina hält ihren gelben Rennanzug in den Armen und schaut immer wieder zu ihrem Kart. Sie muss aber noch warten, bis das Training der "Großen" vorbei ist, bevor sie Gas geben kann. Ein braungebrannter Mann, dem ein großer Schäferhund folgt, setzt sich zu den Mädchen. Seine Hände sind sauber, bis auf einige Ölreste, die so leicht nicht mehr abgehen. Er ist Johann Weber, Jennys Opa und seit 25 Jahren Betreiber der Go-Kart-Bahn am Haidweiher.

Beim Zelten verliebt

Eine Frau mit flottem Kurzhaarschnitt kommt auf ihn zugelaufen. "Der Verein wollte jetzt fast schon verlängern", sagt Ingrid Weber, Oma und Herrin der Kart-Bahn. "Am Wochenende kommen doch schon wieder die Nächsten zum Trainieren." Gerade in der Ferienzeit geben vor allem Vereine Gas auf der Anlage: "So 90 Prozent unserer Kunden sind verschiedenste Kart-Vereine aus ganz Bayern", so Weber. "Ja, in den Ferien ist hier immer einiges los, obwohl viele Leute gar nicht wissen, dass es uns gibt."

So ähnlich ging es Johann Weber ja selbst einmal, vor rund 35 Jahren. "Ich war mit meiner Familie zum Zelten am Haidweiher, als ich so ein Gebrumme hörte", erinnert sich der 65-Jährige. "Da schickt man ihn einmal zum Zelten, und plötzlich waren unsere Wochenenden besiegelt", sagt Ingrid Kurz mit einem Augenzwinkern zu ihrem Mann.

Für Johann war diese Begegnung fast wie "Liebe auf den ersten Blick". "Mir war klar, dass ich so ein Kart haben muss", erzählt der gelernte Schreiner. Er hat sich dann sein erstes Mobil gekauft, und seine eigenen Rennautos für das so genannte "Stoppelfeld Race" gebaut (ein Autorennen auf dem Feld), auch eines für seine Tochter, Jenny's Mutter. "Unsere ganze Familie ist dem Rennsport verfallen, alle außer meiner Frau und der großen Tochter", sagt Weber stolz. Angst hatte er nie, obgleich er einige Male böse Umfälle gabaut hat. "Die großen Renn-Karts fahren, auf einer dafür richtigen Bahn, bis zu 170 Kilometer pro Stunde", informiert er. Gefürchtet hat sich da schon eher die Oma: "Ich habe auch jetzt noch Angst um Jenny."

Trainiert die Enkelin

Im Jahr 1980 ist Johann Weber dann als Betreiber aktiv geworden. Trotz der aufwändigen Arbeit, er reparierte nebenbei die Leih-Karts, übte er immer noch seinen Beruf als Schreiner aus. Jetzt ist er im Ruhestand und täglich für seine Bahn da. Dafür aber setzte er sich die Trainermütze auf und coacht nun seine Enkelin, die im vergangenen Jahr sogar zweite deutsche Meisterin wurde. "Ich vermisse es schon selbst zu fahren, aber auf meine Jenny bin ich stolz."

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