24.10.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kein Abend für Trauerklöße: Die "Mojo Blues Band" serviert Blues mit Schmäh am "Schafferhof" Wiener Blut ist tiefschwarz

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

So sind sie, die Wiener: Gerade mal eine halbe Stunde stand Frontmann Erik Trauner mit seiner "Mojo Blues Band" auf der Bühne, da dachte er laut darüber nach, ob es denn ein gutes Konzert wird am "Schafferhof". Als Indikator dafür diene seine Frisur. Wenn der Lockenkopf glatt gespielt und gesungen sei, dürfe man davon ausgehen, dass er und seine Jungs sich vor lauter Spaß richtig verausgabt hätten.

Zuvor stellten sie Frankie und Johnny, Jack Daniels und Johnnie Walker, unleidliche Schwiegermütter, widerspenstige Frauen und die Sümpfe von Louisiana vor. Altbekanntes Personal und Orte, die Bluesmusiker überall auf dem Globus seit Jahrzehnten besingen und meistens nicht unbedingt origineller machen.

Garniert mit reichlich Schmäh servierten die fünf "Mojos" Songs von Muddy Waters, Jimmy Reed oder T-Bone Walker allerdings so frisch und saftig, wie es Kuchenliebhaber an einer Sachertorte schätzen.

Sigi Fassl, Charlie Furthner, Didi Mattersberger (Schlagzeug) und Herfried Knapp (Kontrabass) präsentierten ihr Können wohldosiert und mit absoluter handwerklicher Präzision. Keiner aus dem Quintett hatte es nötig, die Zuhörer mit angeberischen Viertelstunden-Soli zu langweilen oder mit besonders lauten Akkorden die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Glanzlichter setzte Furthner mit seinen flinken Boogie-Fingern am Piano oder Gitarrist Fassl mit einer fantastisch weichen Stimme.

Trauner fand mit seinem verschmitzten Humor schnell einen Draht zum Publikum, das seine Pointen souverän aufnahm und konterte. Schon beim Zwiebelrostbraten im "Weißen Schwan" hatte der Bandleader eine Vorahnung, dass es am Freitag ein Heimspiel werden könnte. Sie war berechtigt.

Getrost konnten sich die Alpenrepublikaner auf eigenes Repertoire wie "Eager Beaver", "Superstitious Blues" oder "Out in the Boondocks" verlassen. Nicht umsonst dürfen sie auf Festivals und in Clubs zwischen Chicago und South Carolina spielen, deren Türen europäischen Musikern nicht ohne weiteres offen stehen.

Dort ist den Österreichern auch der Sinn des Namens "Mojo" begegnet: Talismänner oder Pulverchen, die Vodoo-Zauberinnen in Hinterzimmern von New Orleans mixen und gegen allerlei Unheil helfen sollen.

Doch auch die Oberpfalz hatte offenbar etwas Magisches. Jedenfalls standen Fassl und Trauner kurz vor 1 Uhr immer noch auf der Bühne. Letzterer mit knitterfreiem Haar, das wie frisch gewaschen glänzte. Im Zoigl steckt eben auch ein bisschen "Mojo".

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.