10.02.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Keine Angst vor großen Namen: "Lee Mayall and the Saxmachine" auf dem "Schafferhof" Soul-Feuerwerk aus Schwaben

Es sind nicht immer die besten Voraussetzungen, wenn der Neffe in einen Beruf einsteigt, in dem es der Onkel zur Legende gebracht hat. Ein Name wie John Mayall im Stammbaum kann bei einem jungen Musiker leicht Verkrampfungen auslösen, so hohe Ansprüche schwingen dabei automatisch auf und vor der Bühne mit. Aus dieser Verlegenheit hilft sich Lee Mayall mit ungekünstelter Spielfreude, am besten drei Stunden lang, wie am Freitag auf dem "Schafferhof".

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Da trifft es sich gut, wenn das Temperamentsbündel aus Heidenheim mit seiner fünfköpfigen "Saxmachine" auf ein Publikum trifft, das kräftig zum Mitgehen entschlossen ist, obwohl viele in der rappelvollen Tenne an Alter und Haarfarbe der Generation von Onkel John zuzurechnen waren. Ihre Funk- und Soulklassiker kannten sie, so dass schon bald eine Ü-30-Party der besonderen Art in Gang kam. Und Fasching war ja auch noch.

Bereits ab der ersten Nummer stieg der Bandleader mit seinem Tenorsax auf die Biertische und marschierte in eleganten schwarz-weißen Sneakern über die Zoiglkrüge, um auch den hinteren Reihen aufs Angenehmste den Marsch zu blasen. Die bewusst gesuchte Nähe zum Publikum machte schnell klar, dass hier niemand einen Auftritt geschäftsmäßig abhaken wollte.

Weiches Timbre

So störte es auch nicht, dass im ersten Set die Stimmen der Vokalisten Sue C. Wengenmayr und James Robinson im Saxophon-Hurrikan fast ein bisschen untergingen. Das sollte sich bei Hits aus Filmen wie "Blues Brothers" oder "Commitments" ändern. Sue C. bewies, dass sie sich ohne weiteres an Songs von Aretha Franklin herantrauen darf. Der Amerikaner Robinson schickte ein wunderbar weiches Timbre durchs Mikrofon. Und gerade weil Hits wie "Everybody needs somebody to love" oder "Mustang Sally" bei so vielen Rhythm-'n'-Blues-Bands zum Standardrepertoire gehören, erwiesen sich die "Saxmachines" hierbei als wahre Könner. Schade nur, dass selbst komponierte Stücke wie "Smoky Nightclub" die Ausnahme blieben.

Dafür entschädigte die furiose Bühnenshow. Außer mit ihren stimmlichen Fähigkeiten gewann die quirlige Sue C. nicht nur die männlichen Sympathien schon mit ihrem Äußeren. Zuerst im langen geschlitzten Abendkleid mit weißer Federboa, später mit Miniröckchen und rosa Boa. "Druminator" Didi Trabert drosch bei seiner Soloeinlage nicht stur auf die Becken ein, sondern wirbelte mit seinen Stöcken auch auf Stuhllehnen, Mineralwasserflaschen und Lampenschirmen - immer auf Tuchfühlung mit den staunenden Zuhörern.

"Saugeiles Bier"

Bandleader Lee ging vor der Atmosphäre auf den Tischen in die Knie, blies sich im Liegen die Seele aus dem Leib und konnte sich bei aller Improvisationsfreude auf das Soundgerüst von Bernd Everding am Bass und Claus Wengenmayr am Piano verlassen. Dass alter Rock 'n' Roll ganz ohne Gitarre möglich ist, kam bei Stücken wie "Cool Rockin' Daddy" von Etta James zur Geltung. Bekanntem wie "Smooth Operator" von Sade oder "Ride like the wind" von Christopher Cross verliehen die unkomplizierten Schwaben aus Heidenheim und Aalen ein Höllentempo, mit dem sie aber nie danebenlagen.

Ob es am "saugeilen Bier" lag, das der Bassist auf der Bühne rühmte, oder an den tanzenden, klatschenden und mitsingenden Besuchern - Lee Mayall will mit seiner Truppe wiederkommen. Ihre Show kann man sich auch gut bei einem Open-Air-Auftritt vorstellen.

John Mayall spielt am 23. Februar in Nabburg. Der eine oder andere wird seine Live-Qualitäten an Neffe Lee messen.

Weitere Informationen:

www.sax-machine.com

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