Klassentreffen an der Dorfstelle Bergheim - Das Schicksal hat es gut gemeint mit Paulina Schott
Nach 73 Jahren Besuch der Heimat

Schmidmühlen/Bergheim. "Das war hart damals", erinnert sich Paulina Carman. Ihre Lebensgeschichte hört sich an wie ein Märchen von einem anderen, verlorenen Stern, eben von der verlorenen Heimat. Im Alter von zwölf Jahren muss Paulina Schott mit ihren Eltern das Kirchdorf Bergheim bei Schmidmühlen verlassen. Das war 1940.

Ob sie jemals wieder zurückkehren kann, weiß die heute 84-Jährige damals nicht. Es sollten fast 73 Jahre vergehen, ehe ihr dieser Wunsch bei einem Besuch ihrer Verwandten in Deutschland erfüllt werden konnte. Kurze Dienstwege über das Amt für Öffentlichkeitsarbeit der US-Army in Hohenfels und die unbürokratische Genehmigung durch Garnisonskommandeur John J. Strange machten den Besuch möglich.

Grund für die Absiedlung war die Errichtung eines Truppenübungsplatzes für die deutsche Wehrmacht, der bis vor die Tore Schmidmühlens reicht. In der Ablösezone II des Übungsplatzes Hohenfels mit 10 600 Hektar Größe gelegen, hatten Paulinas Eltern Thekla und Johann Schott mit neun Kindern keine Chance, in ihrem Heimatdorf zu bleiben. Für 82 Bergheimer aus 17 Anwesen war Anfang 1940 die Stunde der Trennung gekommen.

Der Ort der Kindheit

Eines kann Paulina Carman heute immer noch nicht begreifen: "Warum haben wir damals gehen müssen?" Wehmütig und wohl überwältigt von den Geschehnissen erzählt sie auch, dass die gerne öfter an die Orte ihrer Kindheit zurückkommen würde. "Bergheim war unsere Heimat, und da fühle ich mich auch heute noch hingezogen." Ein wenig Trost hat ihr in all den Jahren immer wieder eine in deutscher Sprache geführte Unterhaltung gegeben, erzählt ihre Tochter, die den gleichen Namen wie ihre Mutter trägt. "Ich habe da meine Schwierigkeiten, wenn meine Mutter Deutsch mit mir redet, aber im Laufe der Jahre habe ich schon einiges gelernt". Die Familie Schott hatte in Hobmannsberg in der Nähe des oberbayerischen Marktes Velden an der Vils eine neue Heimat gefunden. Die Kinder wurden aus der Schule in Schmidmühlen, ihrer gewohnten Umgebung und aus ihrem Freundeskreis herausgerissen. "Das war hart", erzählt die 84-Jährige. Jetzt, zum ersten Mal nach 73 Jahren, kam sie aus Hartford im US-Bundesstaat Connecticut in ihr Heimatdorf-.
Dass auch das Schicksal hin und wieder zusammenführt und nicht nur trennt, durfte Paulina Schott sehr zur Freude ihrer Verwandten erfahren, die sie begleitet haben. In der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Truppenübungsplatzes war ihr Neffe Johann Seibert, ein gebürtiger Schmidmühlener, mit der Bitte vorstellig geworden, den Besuch in Bergheim zu ermöglichen. Ein besonderes Erlebnis war für Paulina Carmann sicherlich auch das Treffen mit Schulkameraden aus der damaligen Zeit. Franz Katzhammer, ebenfalls ein gebürtiger Bergheimer, und Michael Koller aus Schmidmühlen hatten sich auf Einladung der US Army spontan bereit erklärt, zu diesem besonderen Heimat- und wohl auch einmaligen Klassentreffen nach Bergheim zu kommen. Wie dazu auch Koller zu erzählen weiß, hatte er Carman zu Klassentreffen immer wieder eingeladen, aber niemals eine Antwort erhalten. Für die beiden war die große Frage: Ist dies unsere Paulina Schott, die wir damals aus den Augen verloren haben?

Die Kirche betreten

Für die drei war es wohl ein Tag wie Ostern und Weihnachten auf einmal, in Bergheim vor dem Kirchlein St. Egid zu stehen, hineingehen zu dürfen und durchs Dorf zu spazieren, von dem nach über 70 Jahren nicht mehr viel übrig ist. Aber trotzdem, man ist fündig geworden bei der Hausnummer 12 beim "Schott" am Rande des Burggrabens.

Paulina Schott selbst hatte in der Nähe von München sehr unter den alliierten Bombenangriffen zu leiden. Im "Klinikum rechts der Isar" fand sie eine Anstellung, ehe sie Ende der 50er Jahre mit ihrem Mann Robert Daniel Carman nach Connecticut in die USA übersiedelte.
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