14.06.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar

von Rudolf Gebert Kontakt Profil

Ein Muster ohne Wert

Die Wahlhelfer waren wohl die Einzigen, die über die Wahlbeteiligung in der Herzogstadt nicht nur enttäuscht waren. Sie schafften dadurch die Auszählung in rekordverdächtiger Zeit. Basses Erstaunen löste dabei die Ergebnismeldung des Wahllokals "Am Eichelberg" aus, die bereits um 18.08 Uhr in der Zentrale eintrudelte. Allerdings war die fixe Abrechnung in dem vorrangig von Spätaussiedlern bewohnten Wahlbezirk auch kein Kunststück: Gerade einmal 36 von 337 Wahlberechtigten fanden dort den Weg zur Urne (10,7 Prozent).

Die Vertreter der Sulzbach-Rosenberger Parteien waren sich einig, dass der Protest gegen Berlin oder Brüssel (vielleicht auch Straßburg) diese Wahl geprägt hat. Und den Bürgern - so es sie denn überhaupt interessiert hat - war ziemlich klar, dass Europa mit und ohne ihre Stimme in eine Richtung läuft, an der sie wenig ändern können.

In einem solchen Fall ist es für die großen Parteien immer schwieriger, ihre Gefolgsleute zu aktivieren, während die kleinen ihrer Klientel einigermaßen sicher sein können, da sie ja ohnehin ein anderes "Treueverhältnis" mit der Partei verbindet.

Und weil das so ist, dürfen Grüne, FDP und die in Sulzbach-Rosenberg überraschend starke ÖDP das Ergebnis als Erfolg ihrer Arbeit vor Ort werten, während die beiden jeweils in Regierungsverantwortung stehenden großen Volksparteien CSU und SPD bei der Erklärung zurecht auf Landes- oder Bundesebene verweisen, wo ohne Frage notwendige Sparbeschlüsse den kleinen Mann verprellten. Doch weil das Ergebnis durch Aktivitäten vor Ort kaum zu beeinflussen war, werden es alle hiesigen Parteien schnell vergessen haben. Fragt sich nur, ob das beruhigend ist oder bedauerlich.

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