07.02.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kümmersbrucker Schüler erfahren viel über Alltag eines Blinden - Augenlicht ein großes Geschenk Bevor man hilft: Erst fragen

Die Einschränkungen und Erschwernisse eines Lebens in Blindheit erfuhren 145 Kinder des dritten Jahrgangs der Grundschule Kümmersbruck. Im Rahmen des projektorientierten Heimat- und Sachunterrichts war nämlich der Bezirksgruppenleiter des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes, Gerhard Schollwöck aus Regensburg, zu Gast.

von Autor HMPProfil

An zwei Vormittagen gab der seit seiner Kindheit blinde Schollwöck auf Einladung von Konrektorin Eva Hampel einen Einblick in sein Leben. Mit großem Interesse verfolgten die Kinder die persönliche Geschichte Schollwöcks, der durch einen Tumor sein Augenlicht verloren hat. Er zeigte auch andere Gründe für Blindheit auf, ob durch den vererblichen grünen Star, durch Diabetes, Frühgeburt und der Schädigung des Auges im Brutkasten oder be einem Unfall.

Ein weißer Stock

Wichtig war dem Referenten, dass die Kinder wissen, was sie durch Vorsicht und Vorsorge für gesunde Augen tun können. Bedeutsam im Alltag des Blinden seien Kennzeichen, die ihn für andere als blind deutlich machten, wie ein weißer Stock oder der Blindenlangstock, die gelbe Blindenarmbinde mit drei schwarzen Punkten, eine dunkle Brille oder ein Blindenhund.

Ein solcher, an einer Blindenführhundschule ausgebildeter "Spezialist", kostet immerhin 20 000 Euro. Nur drei Hunderassen eigenen sich dafür, der Schäferhund, der altdeutsche Schäferhund mit längerem Fell und der Labrador. Diese absolut zuverlässigen Hunde können, ausgestattet mit ihrem Führgeschirr, den Blinden sicher begleiten.

Sprechende Uhr

"Wie verhält man sich gegenüber einem Blinden?", fragten die Kinder. "Erkundige dich immer zuerst: Kann ich Ihnen helfen?", sagte dazu Schollwöck. Denn nicht immer fühle sich der Blinde unsicher. Viele Hilfsmittel konnten die Kinder selbst ausprobieren, die Uhr zum Fühlen oder die "sprechende Uhr", bei der auf Knopfdruck die Zeit angesagt wird, ein spezielles Fieberthermometer, das Blutdruckmessgerät oder den Computer für Blinde.

Eine besondere Herausforderung für blinde Menschen ist das Einkaufen und Bezahlen. Die Münzen müssen ertastet werden, für Geldscheine gibt es ein kleines Gerät, den so genannten Cash-Test. Besonders interessant für die Drittklässler war die Blindenschrift oder Brailleschrift, so benannt nach dem Erfinder Louis Braille. Dieser erfand vor knapp 200 Jahren eine Schrift aus Punkten, um sich das Lesen beizubringen. Denn in früheren Zeiten konnten Blinde keine Schulen besuchen und mussten sich als Bettler ihren Lebensunterhalt organisieren.

Heute gibt es Blindenschulen in Nürnberg oder München, wo nur fünf bis sechs Kinder in einer Klasse lernen und die gleichen Fächer haben wie Nichtbehinderte. Nur der Sport unterscheidet sich stark. Das einzige Ballspiel für Blinde ist "Torball", es wird mit einem Klingelball gespielt.

Andere Sinne wichtiger

Mit Augenbinde wurden die Kinder selbst zu Blinden und spielten Mensch-ärgere-dich oder Schach, natürlich mit Spielsteinen und Unterlagen speziell für Blinde. Die anderen Sinne, also Hören, Fühlen, Schmecken oder Riechen, sind besonders wichtig für blinde Menschen, zum Beispiel um Essen zu erkennen oder bei der Körperpflege.

Im Haushalt sind viel Geräte und Schalter besonders markiert und wenn ein Blinder Flüssigkeit in ein Glas einschenkt, muss er mit dem Zeigefinger spüren, wann es voll ist. Ordnung ist für den blinden Menschen ein absolutes "Muss". Berufe, die auch Blinde ausüben können, sind Phonotypist, Telefonist, Masseur oder EDV-Fachmann.

Den Kindern wurde klar, dass es für blinde Menschen zwar eine Reihe von Hilfsmitteln gibt, das Leben aber oft beschwerlich ist, und welch großes Geschenk gesunde Augen sind.

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