27.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kunstwanderweg Hirschwald wächst weiter: In Hausen steht jetzt vierte Skulptur "Werde-Gang" Das Leben ist kein Spaziergang

Als Wallfahrtskirche wird St. Georg in Hausen schon lange nicht mehr genutzt. Aber womöglich wird das idyllische Fleckchen in Hausen künftig trotzdem wieder eine Pilgerstätte - eine für Menschen, die den Kunstwanderweg Hirschwald erkunden. Der ist jetzt um eine weitere Attraktion reicher: Das Aschacher Künstlerpaar Hanna Regina Uber und Robert Diem hat in Hausen in Zusammenarbeit mit der Amberger Glaskünstlerin Marion Mack die vierte von insgesamt acht Stationen fertiggestellt.

Wenn die Sonne auf die Skulptur von Marion Mack trifft, fangen die gelb-roten Flammen richtig an zu leuchten - eine der faszinierenden Eigenschaften des Werkstoffs Glas. Bilder: Huber (2)
von Heike Unger Kontakt Profil

"Der Werde-Gang" heißt das neueste Hirschwald-Kunstwerk, zu finden direkt neben der Georgskirche. "Es geht um den Lebensweg, um Zeit und Raum, das Unterwegssein, auch um die Beziehung von Wandern und Kirche, um das Wandern auch als geistigen Prozess", so beschreibt Hanna Regina Uber ihre Gedanken zu diesem Teil des Hirschwald-Projekts. "Thematisch befasst sich die Skulptur mit der Transformation", erläutert sie - und meint den Weg vom Materiellen zu Spirituellen, also von äußeren zu inneren Werten.

Schuh als Metapher

Als Metapher dafür hat sich Uber den Schuh ausgesucht. An ihm wird die Wandlung sichtbar: "Er ist am Anfang ganz neu, schick, stabil - und wird dann auf dem Lebensweg immer älter, ausgetretener." Parallel zu diesem "Verfall" belegt die Künstlerin die Schuhe in ihrem Werk immer mehr mit Blattgold: Für Uber ein Symbol dafür, dass der Mensch im Lauf seines Lebens sein geistiges Bewusstsein schärft, an Weisheit und Erfahrung gewinnt und damit zum Wesentlichen findet. "Er entwickelt sich weiter: Je älter der Mensch wird, desto mehr legt er seinen Fokus auf das Geistige." Am Ende dieses Prozesses "tritt der geläuterte Mensch aus dem Schuh und lässt die materielle Bedingtheit hinter sich". Bis es soweit ist, müsse er sich aber auch vielem Negativen - Angst, Gefahren, Verzweiflung - stellen: Mit diesem Hinweis lenkt Uber den Blick auf den zweiten Teil des Kunstwerks, für den die Amberger Glaskünstlerin Marion Mack verantwortlich war.

Sie hat dafür leuchtend rot-gelb gefärbte Flammen aus Glas geschaffen, die auf einer Stele gen Himmel lodern - ein Sinnbild der Gefahr, aber auch ein Hinweis auf die benachbarte Kirche, deren Patron, der heilige Georg, gerne im Kampf gegen einen feuerspeienden Drachen dargestellt wird. Der Mensch müsse auf seinem Weg eben auch "durchs Feuer gehen", sagt Uber: "Das Leben ist kein Spaziergang."

Bronze trifft Glas

Hanna Regina Uber und ihr Mann Robert Diem haben, wie schon bei den zuvor installierten Hirschwald-Kunstwerken mit Bronzeguss gearbeitet. Marion Mack bringt in diesem Fall mit Glas noch ein weiteres, spannendes Material ins Spiel, das im Sonnenlicht eine faszinierende Leuchtkraft entwickelt. Kein ganz einfacher Werkstoff, wie Mack anmerkt. "Glas hat seinen eigenen Willen. Man muss ihm diesen Spielraum lassen", sagt sie - deshalb könne man das Ergebnis einer solchen Skulptur nie ganz genau vorherbestimmen. "Aber das ist ja das Schöne daran." Mack hat ihre Flammen zunächst in Wachs modelliert, um daraus eine Form zu fertigen. Mit Glas ausgegossen wurde diese von dem befreundeten Künstler Max Jacquard in dessen Studio in der Nähe von London, wo die dafür notwendigen Einrichtungen zur Verfügung stehen.

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