Langstreckenläufer Jürgen Hartmann vom RSC Neukirchen in den Schweizer Alpen unterwegs
"Härter als die Eiger-Nordwand"

Hart zu sich selbst war Langstreckenspezialist Jürgen Hartmann vom RSC Neukirchen als einer von rund 500 Teilnehmern am Eiger-Ultra-Trails. 6690 Höhenmeter waren zu meistern. Er kam ins Ziel. Bild: lhc

101 Kilometer laufen mit Start am Fuße der Eiger-Nordwand, dazu noch satte 6690 Höhenmeter - das sind die Eckdaten des Eiger-Ultra-Trails, bei dem Langstreckenspezialist Jürgen Hartmann vom RSC Neukirchen als einer von rund 500 Teilnehmern aus 26 Nationen bei bestem Sommerwetter an den Start im schweizerischen Grindelwald ging. Und er schaffte diese Tortur mit Bravour!

Auf den ersten 7,7 Kilometern mussten sogleich schwere 1000 Höhenmeter hoch zur Großen Scheidegg auf 1962 m bewältigt werden. Anschließend führte die Strecke weiter jenseits der 2000-Meter-Grenze in stetigem Auf und Ab am Hang weiter Richtung "First" (2166 m), bis Kilometer 33 und damit der höchste Punkt des Laufes, das Faulhorn (2680 m), erreicht wurde. Zu den Bedingungen merkte Hartmann an: "Geprägt von zuerst gut zu laufenden Single-Trails, mutierten die Wege die letzten drei Kilometer Richtung Gipfel zu serpentinenartigen, ausgesetzten felsigen Pfaden. Die mittlerweile strahlende Sonne und auch die merkbar dünnere Luft machten mir hier schon etwas zu schaffen."

Starke Magenkrämpfe

Elf Kilometer führte die Strecke weiter durch hochalpines Gelände - steil abstürzende Wege, kantiges Geröll, kleinen Schneepassagen - Trittsicherheit war hier mehr als gefragt. Geröllige Hänge, die zeitweise wie eine Mondlandschaft anmuteten, führten nach 44 Kilometer zur "Schynige Platte" auf 1967 Meter. Die Passage hinab nach Burglauenen waren 1200 negative Höhenmeter und pure Beinschinderei. Armdicker Wurzelwildwuchs auf den Wegen, kaum enden wollende Bergaufpassagen über steile Stufen machten die Beine immer schwerer und die Oberschenkel schmerzten. Hinzu kamen starke Magenkrämpfe und leichte Übelkeit. Doch der 38-Jährige kämpfte weiter.

Die größte Herausforderung des Laufs sollte der Berg Männlichen (2230 m) darstellen. Knapp sieben Kilometer ging es serpentinenartig vorbei an zahlreichen stählernen Lawinenauffangwänden nach oben. "Dieses Teilstück war noch anstrengender als zum Faulhorn hinauf, auch deswegen, weil mein Magen streikte", meinte Jürgen Hartmann, der über zwei Stunden für den Anstieg benötigte. Die Behandlung einer Osteopathin brachte Hilfe. Gutes Zureden seiner Familie, die extra auf den Gipfel kam, und abklingende Magenschmerzen ließen dann ein Weiterlaufen zu.

Fünf Liter Cola und Chips

"Von hieran bis ins Ziel wollte mein Körper nur noch fünf Liter Cola und immer wieder mal ein paar salzige Chips!", berichtete der ehrgeizige Läufer. Über die für Skifahrer bekannte Lauberhornabfahrt (2100 m) ging es auf sich durch Wiesen schlängelnde Gassen hinunter.

Bei einsetzender Dunkelheit zeigte der Weg hinauf zum vorletzten Anstieg auf den Eiger-Gletscher (2290 m) bei Kilometer 80.

Oben angekommen, führten felsige Trails zehn Kilometer hinunter nach Grindelwald. Hier passierte man auch die in der Dunkelheit imposante Eiger-Nordwand.

Am Ortsrand von Grindelwald galt es den letzten kleineren Anstieg auf unwegsamen Pfaden durch Fels, Wurzeln und Steinen sowie auf sehr steilen Serpentinen zu bewältigen.

21 Stunden und 36 Minuten

"Nach 21 Stunden und 36 Minuten war für mich dieser Lauf an der obersten Grenze, körperlich wie geistig, dann endlich geschafft!", freute sich Hartmann, der einen respektablen 164. Platz (70. in seiner Altersklasse) eher als Nebensache ansieht.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.