Lob von allen Seiten für das Stadtmodell von Christian Bauer (30) - Verblüffende Detailtreue
Museum um ein Juwel reicher

Der erste Teil des historischen Stadtmodells beeindruckte alle Besucher.

"Ich melde mich nicht oft zu Wort, ich handle meist nach dem Motto ,Reden ist Silber, Schreiben ist Gold', aber heute muss ich mal eine Ausnahme machen." Tief beeindruckt zeigte sich Stadtarchivar Hans-Jürgen Kugler von einem jungen Mann, der in monatelanger Kleinarbeit ein Juwel für das Museum34 geschaffen hat. Christian Bauer, 30 Jahre alt und seit einem halben Jahr auch Museumsleiter, arbeitete 1600 Stunden am Auerbacher Stadtmodell nach einem Plan von 1839.

Ein Drittel des naturgetreu nachgebauten und mit viel Liebe zum Detail ausgestalteten Stadtlebens von vor 200 Jahren ist das Herzstück der neuen Sonderausstellung im Museum34. Zwei Drittel der historischen Stadtansicht liegen noch vor dem jungen Mann, der 2011 zu Kugler ins Bürgerhaus kam und sich mit den Worten vorstellte: "Ich interessiere mich für Museumsarbeit und möchte gerne mithelfen."

Perfekt umgesetzt

Kuglers Wunsch, Modelle für den Geschichtsschrank zu bekommen, setzte der Auerbacher in kürzester Zeit perfekt um. "Als er nach vier Wochen mit dem Modell des Auerbacher Bahnhofs in einem Schuhkarton kam, war ich sprachlos", erinnerte sich Kugler bei der Vernissage zur neuen Sonderausstellung am Donnerstagabend. Erstaunen und ungläubiges Kopfschütteln auch bei den Besuchern, die das Stadtmodell als erstes zu Gesicht bekamen.

Damit erfüllte sich der junge Christian Bauer einen Traum. Vor zwei Jahren begann er mit den Planungen zum Modell, schnappte sich Kuglers Häuserchronik und setzte seine ganze Fingerfertigkeit ein. Bauer verwendete keine Bausätze sondern schnitzte Mauern aus grauem Kunststoff, schnitt Dächer aus Plastikplatten, versetzte sie per Hand mit der nötigen Struktur. Auch von windschiefen Dachvorlagen oder schrägen Hauswänden ließ er sich nicht abschrecken.

Pflastersteine ausgestochen

Einfache Platten bemalte er mit der Farbe von grauem Granit und stach mit einem winzigen Schraubenzieher tagelang kleine Pflastersteine für den Marktplatz und den Unteren Markt aus. Für den Bau kleiner Brücken verwendete er Holzstäbchen aus einem Fast-Food-Restaurant.

Die ganze Pracht

Bei genauem Hinsehen findet der Betrachter in den Modellstraßen die Hausfrau, die Wäsche aufhängt, kleine Kürbisse im Garten oder ein ganzes Standkonzert am nachgebauten Schloßhof. Der Betrachter glaubt, das Lachen der Kinder und den Klang der Kirchturmuhr zu hören. Die Dosersäule, die heute vor dem Kolpinghaus steht, ist ebenso vorhanden wie das historische Rathaus in seiner ganzen Pracht.

Wie lange Bauer für das weitere Ausbauen des Stadtmodells braucht, ist noch nicht abzusehen. Er macht das alles in seiner Freizeit, lediglich das Material wurde ihm vom Stadtrat finanziert. "Aber gut Ding braucht Weile", betonte Archivar Kugler in seiner Laudatio. Für ihn ist der junge geschichtsbegeisterte Mann zu einem Freund und Mitstreiter geworden.

Streifzug durch Geschichte

Voll des Lobes war auch Bürgermeister Joachim Neuß, der die Ausstellung eröffnete. Neben dem Stadtmodell hat Christian Bauer auch erstmals die weitere Sonderausstellung konzipiert. "Mit informativen Schautafeln und Bannern können die Auerbacher zurückblicken auf eine Stadt, die vor Jahren schon unsere Ahnen als lebenswert empfanden", sagte der Rathauschef. Umfangreiches Bildmaterial wird eindrucksvoll präsentiert und geschichtlich sowie konzeptionell bestens aufbereitet.

Das Leben in der Stadt durch die Jahrhunderte zeigt der Streifzug durch Auerbacher Geschichte. Ein tolles Erlebnis, bestätigte auch Walter Tausendpfund vom Rotary-Club Auerbach, der an Christian Bauer für sein Engagement eine Spende übergab. Die Ausstellung ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Und man darf gespannt sein, wie das Stadtmodell in den nächsten Jahren noch weiterwachsen wird.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.