05.01.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Milch und Semmeln

von Susanne WolkeProfil

Für Michael Ende war "Die unendliche Geschichte" der schlechteste Film aller Zeiten. Über Geschmack lässt sich streiten. Aber die Abneigung des deutschen Schriftstellers gegenüber diesem "gigantischen Melodram aus Kitsch, Kommerz, Plüsch und Plastik" enthält eine gewisse Tragik. Denn Michael Ende schrieb die Buchvorlage. Und wurde durch den Film weltberühmt.

"Tu was du willst", hatte Ende seine Leser noch ein paar Jahre zuvor im Buch "Die unendliche Geschichte" ermuntert. Die Produktionsgesellschaft "Neue Constantin" nahm sich diese Aufforderung zu Herzen. Etwas zu sehr, fand Michael Ende - und begann einen ebenso zermürbenden wie erfolglosen Rechtsstreit gegen das 60-Millionen-Dollar-Werk von Bernd Eichinger. Bei der Premiere des ungeliebten Filmes, Teil zwei, scheint sich Ende etwas beruhigt zu haben. Ein Foto zeigt den bärtigen Schriftsteller mit zusammengebissenen Zähnen neben seiner zweiten Frau, der Japanerin Mariko Sato.

Eigentlich war das schon ein Zeitpunkt, als Michael Ende gar keinen Grund mehr hatte zum Zähneknirschen. Der Durchbruch als einer der populärsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts war längst vollzogen. Und die Zeiten, in denen der ehemalige Theaterkritiker nicht wusste, wie er die Miete bezahlen sollte und sich von einem halben Liter Milch und ein paar Semmeln pro Tag ernährte, waren endgültig vorbei.
Der arme Künstler, der lange auf den Erfolg warten muss und dann mit Ruhm überhäuft wird: Michael Ende ist ein Musterbeispiel dafür. Das "Deutsche Theatermuseum" in München gibt derzeit Einblicke in das Leben und Werk des Autoren, der sich zunächst erfolglos als Theaterschriftsteller versuchte und dessen Kinder- und Jugendbücher heute in 40 Sprachen übersetzt sind. "Magische Welten" heißt die Sonderausstellung. Zu sehen sind neben Büchern auch Marionetten, Bühnenbilder und Kostüme.

Das Theatermuseum ist genau der richtige Ort für Michael Ende. Neben seinen Büchern waren es vor allem die Theaterbühnen, die Michael Ende zur Bekanntheit verhalfen. Insbesondere die Marionettentheater leisteten hier ganze Arbeit. Als die "Augsburger Puppenkiste" 1961 für den Hessischen Rundfunk "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" produzierte, wurden zwei unvergessliche Gestalten geschaffen.

"Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" war der erste Roman Michael Endes. Die Geschichte wurde zum Welterfolg. Zunächst jedoch war das Erscheinen des Buches in Gefahr. Von Verlagen kamen nur Absagen. Erst als der Autor die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, entschloss sich der Stuttgarter Thinemann Verlag 1960 doch noch zur Veröffentlichung. Noch im gleichen Jahr erhielt das Buch den "Deutschen Jugendbuchpreis".

Welt der Kunst vermitteln

Die Dotierung des Preises war gering, wie man dem jungen Schriftsteller mitteilte - "nur 5000 Mark". Michael Ende selbst hatte sein ganzes Leben lang noch nicht so viel Geld gesehen. In der Münchner Familie, in der der 1929 geborene Junge aufgewachsen war, hatte Geld nie eine große Rolle gespielt. Viel wichtiger war es dem Maler Edgar Ende und dessen Ehefrau Luise gewesen, ihrem einzigen Sohn eine Welt der Kunst und der Philosophie zu vermitteln.

Die surrealistischen Bilder seines Vaters prägten Michael Ende sein Leben lang. Magische Welten schuf er selbst, als er nach entbehrungsreichen Jahren als Theaterkritiker endlich seine künstlerische Berufung als Schriftsteller gefunden hatte. Michael Ende erzählte die Geschichten vom Traumfresserchen, von der beharrlichen Schildkröte Tranquilla Trampeltreu oder vom missmutigen Nashorn Norbert Nackendick. Und auch der Traum vom Theater wurde wahr: Zahlreiche Werke Michael Endes kamen auf die Bühne. "Die unendliche Geschichte" oder "Der Wunschpunsch" wurden als Opern inszeniert.

Sein Werk machte Michael Ende unvergessen. Der Schriftsteller selbst starb am 28. August an Magenkrebs. Sein Grabstein zeigt ein aufgeschlagenes Buch und Figuren aus seinen Geschichten.

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