Mit dem BLLV feiert der größte pädagogische Berufsverband in Bayern sein Jubiläum - Bildung als ...
150 Jahre als eine Erfolgsgeschichte

Schullehrer zu sein, das war vor 150 Jahren kein Zuckerschlecken, denn der Lehrer "musste innerlich und äußerlich" ein kleiner Mann sein: So zitierte Ursula Schroll, Bezirksvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnen-Verbands (BLLV), die damals von Staat und vor allem von der Kirche auf unterstem Niveau gehaltene gesellschaftliche Stellung des Lehrers.

Aufs Schärfste bekämpft

Der Besuch von Wirtshäusern und Tanzböden sei untersagt gewesen, ebenso die Jagdausübung oder das Tragen von Bärten als Zeichen eines hochmütigen oder widerspenstigen Sinnes. Die Obrigkeit habe die Ansicht vertreten, dass die Lehrer mehr Kenntnisse hatten, als zur Berufsausübung notwendig war, und daher sei der Lehrstoff an den Lehrerseminaren zu verringern, "damit die bisher gepflegte Bildung des Verstandes nicht künftig Wissensdünkel, Anmaßung und Ungehorsam erzeuge und den Lehrer der patriotischen Haltung beraube".

Beim Festakt im Schloss Theuern anlässlich des 150. Gründungsjubiläum der BLLV-Kreisverbände Amberg-Stadt und Amberg-Land (wir berichteten) erinnerte Schroll auch daran, dass die ersten Versuche der Lehrer, sich zu solidarisieren, von Staat und Kirche aufs Schärfste bekämpft worden seien. Karl Heiss, ein 34-jähriger Volksschullehrer aus Achdorf bei Landshut, habe zur Gründung des Bayerischen Lehrervereins aufgerufen, "die Kräftigung des Lehrerstandes frei von Parteigetriebe gefordert und das intellektuelle und moralische Gedeihen vaterländischer Jugend als Ziel vorgegeben". Schroll erinnerte an die Gründung des bayerischen Lehrervereins am 27. Dezember 1861 in Regensburg. Drei Prinzipien hätten heute noch Gültigkeit: eine starke Lehrervertretung, parteipolitische Unabhängigkeit und die Durchsetzung des Menschenrechts auf Bildung.
150 Jahre BLLV seien eine Erfolgsgeschichte, so Schroll. Heute erleben ihren Worten nach die Lehrer öffentlichen Respekt, seien ordentlich bezahlt und könnten mit einer sicheren Altersversorgung rechnen. Der Arbeit des BLLV sei es zu verdanken, dass die ursprünglich kirchliche Schulaufsicht in eine staatliche und vor allem fachliche umgewandelt wurde, aus der konfessionellen eine christliche Gemeinschaftsschule wurde und die Lehrerbildung zu einer universellen Lehrerbildung umgewandelt wurde. Der BLLV sei derzeit mit über 55 000 Mitgliedern der größte pädagogische Berufsverband in Bayern.

Ein Schlüsselberuf

Schroll bedauerte, dass immer noch nicht alle standespolitischen Forderungen des BLLV erfüllt seien. Auch würden die Vorstellungen des BLLV von einer zukunftsorientierten, gerechten Schule für alle Kinder nicht mit der schulpolitischen Entwicklung der letzten Jahre übereinstimmen. Lehrer hätten einen Schlüsselberuf in der Gesellschaft und würden alle Kraft dafür einsetzen, dass das Menschenrecht auf Bildung für alle Schüler gelte, damit sie ihr privates und berufliches Leben meistern könnten, betonte Schroll. (Im Blickpunkt)
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