03.09.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Mitglieder der Bergwacht Schönsee aus gesamtem Landkreis - Ausbildung bayernweit einheitlich Sommer wie Winter stets bereit

Wenn eingefleischte Wanderer oder Skifahrer etwas von der Bergwacht hören, denken sie zunächst einmal an spektakuläre Einsätze in den Alpen. Dass es auch im Mittelgebirge Frauen und Männer gibt, die sich dieser Aufgabe widmen, wundert viele. Bereitschaftsleiter Dieter Güll von der Bergwacht Schönsee hört dies nicht zum ersten Mal. "Doch eigentlich ist es egal, ob jemand in Lengries oder am Reichenstein beim Skifahren stürzt", sagt er. "Wichtig ist doch, den Verletzten fachmännisch abzutransportieren."

von Michaela Lowak Kontakt Profil

Seit 1982 gibt's im Landkreis Schwandorf eine Bergrettung. "In diesem Jahr ist das Skizentrum Reichenstein eröffnet worden", erinnert sich Güll. Das Landratsamt machte den Betreibern damals zur Auflage, dass unbedingt ein Bergrettungsdienst vorhanden sein muss. Daraufhin trafen sich etwa zehn Interessenten, darunter Dieter Güll, im Gasthaus Haberl in Schönsee zur Gründungsversammlung. "Die Kameraden aus Furth im Wald haben uns ausgebildet", blickt der Bereitschaftsleiter zurück.

Aus dem ganzen Landkreis

Mittlerweile zählt die Bergwacht 30 aktive und 82 passive Mitglieder. 14 Jugendliche gehören der Jugendbergwacht an. Die Mitglieder stammen nicht nur aus dem Schönseer Raum, sondern kommen aus dem gesamten Landkreis. Dieter Güll ist beispielsweise ein Nabburger.

Im Winter hat die Bereitschaft im Schnitt je nach Schneeverhältnissen zwischen 15 und 20 Einsätze. Neben dem Skizentrum Reichenstein betreut sie rund 70 Kilometer Loipen. Einsätze im Sommer sind eher selten, doch in letzter Zeit dafür umso spektakulärer. Im Juli 2004 mussten die Retter in Voggendorf ran, um einen 17-Jährigen zu bergen, der in einen Steinbruch abgestürzt war. "Ich kann mich noch genau erinnern", sagt Dieter Güll. "Das war an einem Sonntagabend, an dem ein Fußballländerspiel im Fernsehen lief." Für diesen Einsatz bekam die Schönseer Bergwacht eine ganz besondere Auszeichnung. Im März verlieh das Rettungszentrum Regensburg den Schönseern und den Kameraden aus Furth im Wald bei einer Feierstunde in der Universität den RESCU Preis 2005 (Regensburg Emercency Services Centre at the University).

In Steinbruch gerutscht

Dass sich bald ein ähnlicher Unfall ereignen sollte, fiel der Schönseer Bergwacht nicht im Traum ein. "Normalerweise passiert so etwas wie in Voggendorf vielleicht alle zehn Jahre", so Güll. Als am Nachmittag des 1. Mai 2005 bei der Rettungsleitstelle ein Notruf eingeht, wird sofort auch die Bergwacht mit alamiert. Ein Bub ist nahe des Gleiritscher Fußballplatzes in einen Steinbruch gerutscht. Die Schönseer Kameraden Martin Uschold, Willibald Rausch, Stefan Schottenheim und Dieter Güll rüsteten sich für den Ernstfall.

Wie schon in Voggendorf ist auch hier voller Einsatz gefragt. Per Helicopter lässt sich Güll, ein ausgebildeter Luftretter, über die Absturzstelle fliegen und seilt sich dort ab. Zum Glück erlauben es die Verletzungen, das Kind im Sitzen abzutransportieren. Retter und Opfer werden mit einer Winde nach oben geholt und sofort zum Sportplatz geflogen, wo der Zehnjährige weiter versorgt wird. Der "Christoph 27" bringt das Kind anschließend ins Uniklinikum Regensburg.

Die wertvolle Arbeit der Bergrettung ist ehrenamtlich. "Wir sind rund um die Uhr in Bereitschaft", erklärt Dieter Güll. "Auch jetzt habe ich meinen Piepser dabei." Wer aktives Mitglied der Bergwacht werden will, muss sich im Klaren sein, was auf ihn zukommt. "Teamfähig, begeisterungsfähig, Liebe zur Natur, ein bisschen sportlich sein und Ski fahren können", zählt der Bereitschaftsleiter als Voraussetzungen auf.

Doch damit ist's nicht getan. Die Grundausbildung zum Bergretter dauert mindestens zwei Jahre. Gefordert sind eine Sanitätsausbildung (60 Stunden), eine Ausbildung im Klettern (Schwierigkeitsgrad drei bis vier) plus Knoten- und Seilkunde, die Rettung eines Verletzten aus einer Bergwand, Orientierung im Gelände mit Karte und Kompass, Wetterkunde, Skifahren, das Beherrschen des Ackja (Wanne für Verletzte nach Skiunfällen), Naturschutzausbildung sowie das Erkennen und Versorgen von verschiedenen Verletzungsmustern. "Alles wird geprüft", so der Bereitschaftsleiter. Nur wer sämtliche Prüfungen mit Erfolg besteht, darf sich Bergwachtmann oder -frau nennen und alleine Dienst tun.

Anfangs nur Männer

Die Ausbildung ist bayernweit einheitlich, egal ob eine Bereitschaft das Mittelgebirge betreut oder die Alpen. Wer will, kann sich spezialisieren. Beispielsweise als Luftretter, Hundeführer oder Lawinenspezialist. Bis vor zehn Jahren gab's bei der Bergrettung nur Männer. "Eine Allgäuerin ist damals vor Gericht gezogen und hat Recht bekommen", erzählt Güll. "Warum soll's keine Frauen für diese Aufgabe geben?"

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