13.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Nach dem Ersten Weltkrieg bauen die Zessauer eine eigene Kirche - Initiator Pfarrer Alexius ... Beichthören im Korbstuhl

Europa erinnert an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Mit dieser europäischen Katastrophe verbunden ist ein anderes Jubiläum, das die Zessauer am Wochenende feierten: Den Bau ihres Gotteshauses vor 90 Jahren.

Von 1922 bis 1924 bauten die Zessauer unter Federführung von Pfarrer Alexius Sperl an ihrer Herz-Jesu-Kirche. Bild: bjp
von Bernhard PiegsaProfil

"Herz Jesu, unser Friede und unsere Versöhnung": Mit einer Bitte an den Heiland, die Einmütigkeit der Bürger zu stärken, wenn Herausforderungen gemeinsam zu bestehen sind, ließen die Zessauer vor 90 Jahren die größere der beiden Glocken ihrer neu erbauten Herz-Jesu-Kirche versehen. Doch barg die Inschrift auch eine Reminiszenz an die zurückliegenden opferreichen Jahre. Denn schon der Kirchbau selbst war ein Werk beachtlichen Gemeinschaftssinns.

Die Entstehungsgeschichte schilderte Heinrich Lober bei einem Festgottesdienst. "Nach dem Ersten Weltkrieg, in einer nicht rosigen Zeit, muss bei den Zessauern der Wunsch nach einem religiösen Mittelpunkt aufgekommen sein", erzählte Lober. Als Zwischenlösung habe man 1920 im alten Feuerwehrhaus eine Kapelle eingerichtet. Improvisationstalent sei nötig gewesen, um die Beichte abzunehmen: "Vorne am Altar saß der Pfarrer in einem Korbstuhl, der Beichtende kniete an der Kommunionbank."

Alsbald habe der damals für Zessau zuständige Kastler Pfarrer Alexius Sperl die Weichen gestellt: "Er wurde zum treibenden Motor", so Heinrich Lober. Auch den Zessauern "muss der Herrgott damals etwas wert gewesen sein", so dass sie "viel Opferbereitschaft für den Bau" gezeigt hätten. Durch Sammlungen und Spenden, Holzverkäufe und Christbaumversteigerungen sei das Geld zusammengetragen worden. Schon 1920 und 1921 habe ein Teil der Einwohner im Höllriegelsteinbruch Sandsteine gebrochen, "die mittels Rindergespann nach Zessau gefahren wurden".

Der Bau begann im Frühjahr 1922 begonnen - offenbar zunächst ohne ausgearbeiteten Plan: "Den hatte anscheinend nur Herr Geistlicher Rat Sperl im Kopf." Vor allem die bis November 1923 andauernde galoppierende Geldentwertung habe den Bau ins Stocken gebracht, doch im Frühjahr 1924 seien die Glocken und am 15. Juni die Kirche geweiht worden. "Drei Tage lang, vom 14. bis 16. Juni, wurde auf dem Grundstück des späteren Schulhauses Kirchweihe gefeiert", wusste Heinrich Lober.

Am Weihetag sei der von Bischof Franz Anton von Henle mit der Weihe beauftragte Pressather Pfarrer Konrad Reinwald "mit einer Kutsche abgeholt worden". Weil "ja nicht alle Tage Kirchweih ist", habe man die Festlichkeiten noch bis zum Montag ausgedehnt. Dem Wegbereiter des Kirchbaus, Pfarrer Sperl, hätten die Zessauer auf besondere Weise gedankt: "Eigens für ihn" habe die Dorfgemeinschaft das "Pfarrhaus" gebaut, das der Geistliche von 1931 bis 1935 als Pensionist bewohnt habe. In den folgenden Jahrzehnten sei die Herz-Jesu-Kirche "zum Herzstück des Dorfes" geworden.

Doch nicht nur freudige Ereignisse wie Hochzeiten und Taufen habe das kleine Bethaus gesehen: Während des Krieges hätten die Zessauer hier der gefallenen Soldaten gedenken müssen. "Eine Tumba wurde vor der Kommunionbank aufgestellt", erzählte Lober: "Auf der lag ein Stahlhelm mit einem schwarzen Kreuz, auf dem der Name des Gefallenen zu lesen war. Davor stand ein Blumengebinde. Diese Gefallenenkreuze wurden dann um die Mutter Gottes herum aufgehängt."

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